Eigentlich abgestiegen

Fußball-Drittligist auf einmal oben dabei: Macht’s der SV Meppen wie der SC Paderborn?

Lars Bünning (links) und Erik Domaschke.
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Haben gerade einigen Grund, sich zu freuen: Die Meppener Lars Bünning (links) und Erik Domaschke, der früher in Kassel spielte.

Der SV Meppen hat einige besondere Geschichten in seiner mehr als 100 Jahre währenden Geschichte vorzuweisen.

Da ist zum Beispiel die Partie am 3. August 1982. Zum 70-jährigen Vereinsjubiläum war der FC Barcelona zu Gast, ein gewisser Diego Maradona gab sein Debüt für die Spanier – und traf beim 5:0-Erfolg. Toni Schumacher verschaffte dem Fußball-Klub einst ungewollt Aufmerksamkeit, als er sagte: „Ich spiel’ doch nicht in Meppen, da gehe ich lieber in die Türkei!“ Meppen galt damals als Synonym für Zweitklassigkeit – als Schalke und Schumacher dann wirklich abstiegen, wechselte der Torhüter in die Türkei. Und Jürgen Klopp, heute vielfach ausgezeichneter Trainer, wurde 1996 mal in der 17. Minute ausgewechselt, weil seine Mainzer da schon 0:3 zurücklagen – gegen Meppen.

Das alles sind besondere Erinnerungen. Doch die Gegenwart des Drittligisten liefert derzeit nicht viel langweiligere Geschichten.

Zur Einordnung: Meppen gehörte von 1987 bis 1998 durchweg zur Zweiten Liga. Nach dem Abstieg 1998 folgten viele Jahre im Amateurfußball, erst 2017 gelang die Rückkehr ins Profigeschäft. Der Klub, bei dem der Ex-Kasseler Benjamin Girth zwei Jahre zu den Toptorschützen zählte, bevor er zu Holstein Kiel wechselte, spielte in der Saison 2019/20 sogar um den Aufstieg mit. Nach der Corona-Unterbrechung konnten die Niedersachsen aber nicht an ihre starken Leistungen anknüpfen und wurden am Ende Siebter. Nur ein Jahr später waren die Meppener dann sportlich abgestiegen – weil der KFC Uerdingen aber keine Lizenz bekam, blieben sie in der Dritten Liga.

Und dort sorgen sie nun nach dem Fast-Abstieg für Furore. Am Montag besiegte die von Rico Schmitt trainierte Mannschaft Viktoria Köln 4:0, feierte den vierten Dreier in Folge und steht auf Rang drei. Anteil daran hat ein weiterer ehemaliger Nordhesse. Erik Domaschke hütet seit 2017 das Tor in Meppen, ist Stammkeeper und hat das Auf und Ab der vergangenen Jahre hautnah erlebt. Von 2011 bis 2012 war er ein Jahr für den KSV Hessen Kassel aktiv. „Es war eine schwere, komplizierte Zeit in der vergangenen Saison. Wir hatten am Ende Glück. Klar, es ist nicht das beste Gefühl, wenn man dann so drinbleibt“, sagt er. Aber: „Wir haben das gut angenommen. Jeder ist gerade für den anderen da, jedes Zahnrad greift ins andere“, beschreibt er den aktuellen Höhenflug.

An seinem Verein schätzt er die familiäre Atmosphäre. „Wir sind nah an den Fans dran. Wenn du durch die Stadt läufst, erkennt dich jeder Dritte. Wir sind hier Fußballer zum Anfassen“, sagt er. Innerlich habe sich in diesem Jahr natürlich keiner im Klub das Ziel Aufstieg gesetzt. „Aber wir nehmen die Euphorie gerade mit in jedes Spiel. Wir wissen, wie es laufen kann. Wenn du dreimal verlierst, steckst du auch schnell wieder unten drin“, erklärt der 36-Jährige.

Derzeit sieht es aber eher so aus, als würden die Meppener einen Weg gehen, den auch schon Darmstadt und Paderborn hinter sich haben. Die Darmstädter profitierten 2013 davon, dass Offenbach keine Lizenz für die Dritte Liga bekam. Anschließend stiegen sie zweimal auf und waren plötzlich Bundesligist. Der SC Paderborn hatte 2017 das Glück, das 1860 München keine Lizenz bekam, blieb so drittklassig – und marschierte anschließend in die Bundesliga. Darmstadt und Paderborn sind heute Zweitligisten. Meppen wäre das gern wieder. Die beiden Vorgänger haben gezeigt, dass ein glücklicher Klassenerhalt ein gutes Omen sein kann.

Für Erik Domaschke wäre es im Fall eines Aufstiegs das erste Mal Zweite Liga. Sein Torwartkollege Toni Schumacher hätte zudem sicher auch seine Freude daran, wenn Meppen wieder Zweitligist wäre. Der heute 67-Jährige spielte in seiner langen Karriere freilich nie im deutschen Unterhaus. Dafür aber in der Türkei. (Maximilian Bülau)

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