Champions-League-Finale - Anpfiff um 20.45 Uhr

Marcel Reif kommentiert zum letzten Mal - Ein A bis Z über einen, der polarisiert

Er verabschiedet sich heute: Sky-Chefkommentator Marcel Reif. Foto: dpa

Das Finale der Champions League zwischen Real und Atletico Madrid am heutigen Samstag (Anpfiff: 20.45 Uhr) wird sein letztes Spiel sein als Fußball-Kommentator: Marcel Reif hört beim Bezahlsender Sky auf und will sich in Zukunft eigenen TV-Projekten widmen.

Mehr als 30 Jahre hat der 66-Jährige aus den Stadien dieser Welt berichtet. Er schaffte es zum Bekanntesten seiner Branche. Der eine findet ihn toll, der andere furchtbar. Ein A bis Z.

A wie Anfeuerung: Beim Eröffnungsspiel der WM 1990 zwischen Argentinien und Kamerun pfiff Reif kurzzeitig auf seine Pflicht zur Neutralität. Kamerun führte sensationell 1:0, Reif sagte: „Lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft.“

B wie Biermann: Vorname Christoph. Erfolgreicher Buchautor und Reifs Einflüsterer bei Live-Spielen.

C wie Chefkommentator: Diesen Titel trägt Reif seit 1999 bei Sky, einst Premiere. Sein Nachfolger als Reporter Nummer eins wird Wolff-Christoph Fuss.

D wie Dortmund: Ort, an dem Reif nicht wohlgelitten ist. Am 28. Februar 2015 schüttelten BVB- und Schalke-Anhänger Reifs Auto bei dessen Ankunft am Stadion kräftig durch. Später sagte er: „Ich hatte Angst um Leib und Leben.“ Insgesamt musste er sich häufig Anfeindungen gerade von Dortmund-Fans gefallen lassen.

E wie Eishockey: Reifs zweite Leidenschaft neben Fußball. Kommentiert er aber schon lange nicht mehr.

F wie Fanclub Rekordmeister ’87:  Der kommt aus Katzbach (Bayern) und jubelt über die Bayern. Am 4. Juni feiert er - nicht die Deutsche Meisterschaft, nicht den Pokalsieg, sondern Reifs Abschied. Für viele ist Reif ein Feindbild, weil er seinen Job macht: Er polarisiert.

G wie Gegner: Hatte Reif reichlich. Ex-Bundestrainer Rudi Völler sagte mal: „Was der sagt, geht mir am Arsch vorbei, dieser Klugscheißer.“ Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer: „Der spricht wunderbare politische Kommentare. Aber bitteschön lasst ihn vom Fußball weg.“

H wie Hinweise: Gab Reif gerne. Als Deutschland gegen Ghana spielte, sagte er: „Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen.“ Ansonsten: „Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt.“

I wie Intellektuell: Reif selbst sagte kürzlich dem „Kicker“: „Wenn Sie möchten, schreiben Sie: Ich bin der einzige Intellektuelle und seit 30 Jahren das kritische Gewissen des Fußballs.“ Ein bisschen ernst gemeint war das wohl schon. Reif hob die Fußball-Berichterstattung auf eine andere, höhere Ebene. Er sagt: „Ich habe dieses Anderssein kultiviert.“

J wie Journalist: Reif arbeitete in den Achtzigern auch schon als Korrespondent in London.

K wie Kaiserslautern: Ort, in dem Reif aufgewachsen ist. Als Jugendlicher spielte er für den Klub von Fritz Walter.

L wie Lupfer: Geniestreich des Dortmunders Lars Ricken im Finale der Champions League 1997 gegen Juventus Turin. Ricken war gerade aufs Feld gekommen, hatte freie Bahn vor dem herauseilenden Torwart Angelo Peruzzi. Reif sagte nur ein Wort: „Lupfen“. Ricken lupfte - Tor. Beides: Genial.

M wie Mailand:  Ort, an dem sich Reif heute verabschiedet. Hier berichtete er auch über das Finale 2001 zwischen den Bayern und Valencia. Reif kommentierte ab Minute 75 im Stehen, weil er dringend auf Toilette musste.

N wie Nathan: Ist der Zweitname Reifs, dessen erster Vorname eigentlich Marc lautet. Reifs Vater war polnischer Jude, der gerade noch so vor den Nazis und dem Tod im Konzentrationslager gerettet wurde.

O wie O-Ton:  Manchmal bekam Reif nicht mit, dass er auf Sendung ist. So war für jeden zu hören, was er mal einem Fan sagte: „Du säufst zu viel.“

P wie Preise: Hat Reif einige gewonnen: 2002 zum Beispiel erhielt er den Deutschen Fernsehpreis, 2003 den Grimme-Preis.

Q wie Querverweis: Reif war in seinem Leben nicht nur Reporter. Einst versuchte er es auch mal mit einer Boutique.

R wie Rauch: Reif gönnt sich ganz gern eine Zigarre, er gilt als sehr eitel. Die Rheinische Post schrieb einmal: „Er zelebriert es, Marcel Reif zu sein.“

S wie Schweiz: Hier, im Ort Rüschlikon bei Zürich, lebt Reif, der mittlerweile die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen hat. Er ist in zweiter Ehe verheiratet, hat drei Söhne.

T wie Torfall: Ereignete sich 1998 in Madrid, als vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund ein Tor ersetzt werden musste und sich der Anpfiff um 76 Minuten verzögerte. Reif und Moderator Günther Jauch quasselten sich in Hochform. Motto: „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan wie heute.“

U wie Unterhaltung: Reif zählt längst zum Kreis derer, die zu Unterhaltungssendungen gehören wie Luft in den Fußball. Reif quizzt und rät, ist omnipräsent.

V wie Verwechselung: Bei einem Bayern-Spiel hielt er kürzlich Javi Martinez für Serdar Tasci. Er begründete das mit der fehlenden eigenen Spannung. Ein Grund dafür, warum er aufhört. Ansonsten: „Kamerun - beste Mannschaft Europas.“

W wie WM-Finale: Reif kommentierte das Endspiel 1994 zwischen dem siegreichen Brasilien und Italien. 22 Millionen schauten zu.

Z wie ZDF: Journalistische Heimat Reifs. Hier begann er seine Karriere 1972 als Mitarbeiter in der politischen Redaktion. 1984 wechselte er in den Sport.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.