17 Menschen sterben im Stadion

Massenpanik in Fußballstadion in Angola: Weitere Tote in Klinik?

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Die Panik brach aus, als Fans die Tore stürmten, nachdem sie keinen Zutritt bekommen hatten.

Luanda - Bei einer Massenpanik in einem Fußballstadion in der angolanischen Hauptstadt Luanda sind am Freitag mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen, 59 weitere wurden verletzt.

Tragisches Unglück in Angola: Infolge einer Massenpanik sind bei einer der schlimmsten Fußball-Katastrophen der jüngeren Vergangenheit bei einem Erstliga-Spiel in der Stadt Uige am Freitagabend mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen und 59 weitere Personen zum Teil schwer verletzt worden. Ein Arzt des Militärkrankenhauses der Stadt Uige sprach am Samstag von 22 Toten: "17 Menschen sind vor Ort gestorben und fünf weitere im Krankenhaus."

Nach ersten Angaben der Polizei gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP hatten bereits während der Begegnung zwischen Santa Rita de Cassia und Recreativo de Libolo hunderte Fans versucht, noch in das bereits restlos gefüllte Stadion zu gelangen, und damit die Panik ausgelöst. Zu den Todesopfern soll auch eine bislang unbekannte Anzahl von Kindern gehören. Zahlreiche weitere Heranwachsende wurden zur Versorgung in umliegende Krankenhäuser gebracht.

"Dies ist eine Tragödie in nie da gewesenem Ausmaß in der Geschichte des angolanischen Fußballs", schrieb die Vereinsführung des Gäste-Teams auf der Homepage des Klubs. Der Trainer der Gastmannschaft, Sergio Traguil, sagte der portugiesischen Zeitung Diario de Noticias, im Innenraum des Stadions habe niemand etwas davon mitbekommen, "was draußen passiert ist". TV-Aufnahmen schienen diese Angaben zu bestätigen. Das Spiel, das Recreativo mit 1:0 gewann, verlief demnach völlig normal, die Zuschauer standen oder saßen am Spielfeldrand oder dichtgedrängt hinter den Toren.

Vereinschef macht Sicherheitskräfte mitverantwortlich

Laut Polizei stürmten hunderte Fans ein Eingangstor, um in das ausverkaufte Stadion zu gelangen. Dabei seien zahlreiche Menschen zu Boden gedrückt worden. Den Behördenangaben zufolge sind viele Opfer zu Tode getrampelt worden oder erstickt.

Einer Meldung der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa zufolge machte der Santa Ritas de Cassias Vereinschef Pedro Nzolonzio die Sicherheitskräfte für das Unglück verantwortlich. Die Polizei habe einen schweren Fehler begangen, da sie die Menge nicht vom Stadion ferngehalten habe, sagte Nzolonzi. "Viele von ihnen wollten nicht zahlen, und diejenigen, die Tickets hatten, konnten nicht rein."

Einige Zuschauer berichteten, sie hätten die tragischen Ereignisse vor dem Stadion zunächst gar nicht bemerkt. Laut der angolanischen Nachrichtenagentur Angop ordnete die Regierung inzwischen Ermittlungen zur Unglücksursache an.

Die schlimmsten Zuschauer- und Stadionkatastrophen im Fußball

5. April 1902, Glasgow/Schottland: Während des Länderspiels zwischen Schottland und England stürzt die neue Westtribüne im Ibrox-Park ein. 25 Zuschauer sterben, über 500 werden verletzt.

24. Mai 1964, Lima/Peru: Im Olympia-Qualifikationsspiel zwischen Peru und Argentinien verweigert der Schiedsrichter einem Tor der Gastgeber die Anerkennung. Auf den Rängen bricht Gewalt aus, 318 Menschen verlieren ihr Leben, 500 werden verletzt.

14. Juli 1969, Mexiko-Stadt: Zweimal hatten sich El Salvador und Honduras in der Qualifikation für die WM 1970 bereits gegenüber gestanden, jeweils überschatteten schwere Ausschreitungen die Spiele. Im Entscheidungsmatch trifft Pipo Rodriguez in der Verlängerung zum 3:2 für El Salvador und löst damit den "Fußballkrieg" aus: El Salvadors Armee marschiert in Honduras ein, die Auseinandersetzungen fordern 2100 Todesopfer.

2. Januar 1971, Glasgow/Schottland: Die zweite Ibrox-Park-Tragödie. Im Old-Firm-Derby gegen die Rangers schießt Celtics Jimmy Johnstone in der 89. Minute das 1:0. Tausende Rangers-Fans strömen aus dem Stadion, Hunderte kehren um, als doch noch der Ausgleich fällt. 66 Menschen werden zu Tode getrampelt.

20. Oktober 1982, Moskau/UdSSR: Kurz vor dem Ende des Europapokal-Spiels zwischen Spartak Moskau und Harlem aus den Niederlanden räumen Polizisten mit Gewalt Tribünenränge. Als ein Tor fällt, drängen die Fans zurück ins Stadion. Nach offiziellen Angaben sterben auf den eisigen Stufen des Luschniki-Stadions 61 Menschen, inoffizelle Quellen sprechen von 340 Toten.

11. Mai 1985, Bradford/England: Für 56 Zuschauer des Ligaspiels zwischen Bradford City und Lincoln City wird eine alte Holztribüne im Valley-Parade-Stadion zur Todesfalle. Eine halbherzig ausgedrückte Zigarette entzündet Papierabfälle, binnen vier Minuten brennen die Ränge lichterloh.

29. Mai 1985, Brüssel/Belgien: Vor dem Endspiel des Landesmeister-Pokals zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin greifen englische Fans italienische Anhänger an. Live und zur besten Sendezeit flimmern unfassbare Bilder auch über deutsche Bildschirme. Als sich die Tifosi auf das Spielfeld retten wollen, bricht eine Betonmauer zusammen. 39 Menschen sterben, "Heysel" wird zum Inbegriff für Fußballgewalt. Das Finale wird dennoch angepfiffen, Juve siegt 1:0.

12. März 1989, Katmandu/Nepal: Ein Hagelsturm löst beim Länderspiel Nepal gegen Bangladesch eine Massenpanik aus. Verschlossene Stadiontore bremsen die flüchtende Menge, 93 Fans werden zu Tode getrampelt.

15. April 1989, Sheffield/England: Beim Pokalspiel Liverpool gegen Nottingham drängen Fanmassen ins ohnehin überfüllte Hillsborough-Stadion, 96 Fans werden zerquetscht. Mehr als zwei Jahrzehnte später wurden in England neue Untersuchungen eingeleitet, um die Schuldfrage zu klären. Erst 2016 entschied ein Gericht, dass die Polizei die Tragödie durch folgenschwere Fehlentscheidungen "verursacht" hatte. Die Anhänger des FC Liverpool wurden von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen. Die Polizei hatte dies zunächst anders dargestellt.

16. Oktober 1996, Guatemala-Stadt: Der massenhafte Verkauf von gefälschten Tickets sorgt beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Guatemala und Costa Rica für ein völlig überfülltes Estadio Mateo Flores. 83 Menschen verlieren ihr Leben.

12. April 2001, Johannesburg/Südafrika: 60.000 Fans im ausverkauften Ellis Park warten auf das Duell der Erzrivalen Kaizer Chiefs und Orlando Pirates, 30.000 weitere wollen hinein. Bei der folgenden Massenpanik sterben 43 Menschen.

9. Mai 2001, Accra/Ghana: Im Prestigeduell zwischen den Accra Hearts und Asante Kotoko randalieren Fans. Als die Polizei Tränengas einsetzt, bricht Panik aus, die flüchtenden Fans prallen auf verschlossene Stadiontore. Bei der schlimmsten Katastrophe im afrikanischen Fußball kommen 126 Menschen ums Leben.

1. Februar 2012, Port Said/Ägypten: Nach dem Duell zwischen Al-Masri und Al-Ahly Kairo in Port Said stürmen Anhänger der Gastgeber auf den Platz, werfen Steine und Flaschen auf die Gästefans, schießen mit Feuerwerkskörpern, Panik bricht aus. Menschen werden erdrückt, stürzen von den Tribünen, erliegen ihren Stichwunden und Kopfverletzungen. Insgesamt 74 Menschen sterben.

10. Februar 2017, Uige/Angola: Bei einem Erstliga-Spiel in der nordangolanischen Stadt Uige kommen mindestens 17 Menschen ums Leben, 59 weitere werden zum Teil schwer verletzt. Nach ersten Angaben der Polizei hatten hunderte Fans versucht, in das bereits restlos gefüllte Stadion zu gelangen, und damit eine Panik ausgelöst. Unter den Toten befanden sich auch mehere Kinder.

SID, afp

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