Seine Erfolgsgeschichte

"Trainer mit Zuckerbrot und Peitsche": Max Merkel vor 100 Jahren geboren

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München 1860 als DFB-Pokalsieger 1964 gefeiert

Max Merkel wäre am Freitag 100 Jahre alt geworden. Er starb kurz vor Vollendung seines 88. Lebensjahres am 28. November 2006.

München - Max Merkel - ein Fußball-Trainer, wie es ihn heute nicht mehr gibt. Nicht mehr geben kann. Er lässt sich problemlos in eine Reihe der Fußballlehrer-Größen wie Udo Lattek, Hennes Weisweiler, Otto Rehhagel oder Ottmar Hitzfeld einreihen.

Als Spieler war er ein Rauhbein, ein Verteidiger der harten Schule. Viermal wurde er österreichischer Meister mit Rapid Wien, 1951 auch Gewinner des Mitropa-Cups - dem Vorläufer der Europapokale. Am Freitag (7. Dezember) wäre er 100 Jahre alt geworden.

Max Merkel: Als Trainer viel interessanter als als Spieler

Max Merkel war einer von acht Österreichern, die aufgrund des "Anschlusses" durch Hitler-Deutschland ein Länderspiel für Deutschland haben bestreiten müssen (27. August 1939, 0:2 gegen die Slowakei). Sein einziges Länderspiel für Österreich absolvierte er erst 13 Jahre später, am 22. Juni 1952 gegen die Schweiz (1:1). Aber Merkel war als Trainer viel interessanter als als Spieler.

"Trainer mit Zuckerbrot und Peitsche" betitelte er seine 1968 erschienene Biographie und enthüllte damit seine Arbeitsphilosophie. Seinen letzten Verein, den Karlsruher SC, übernahm er Ende November 1981 und schaffte noch den Klassenerhalt. Danach analysierte er martialisch: "Beim KSC war eigentlich nur noch die Frage Erste Hilfe oder Letzte Ölung zu klären. Einige Spieler sollen sich feste Stricke besorgt haben, um sich lieber gleich aufzuhängen. Ihnen war gesagt worden, nun käme der Erfinder der Streckfolter.

Schon vorher hatte sich das geniale Lästermaul, dessen Kolumnen in der Bild von vielen gefürchtet wurden, im Westen der Republik unmöglich gemacht. Als Trainer auf Schalke (Juli 1975 bis März 1976) erklärte er: "Das Schönste an Gelsenkirchen ist die Autobahn nach München." Prost Mahlzeit.

Max Merkel: Sein legendärer Auftritt bei den „Löwen“

Aber es ist ungerecht, die Geschichte von hinten aufzurollen. Voller berechtigtem Stolz erklärte Merkel: "Ich bin als Trainer mit Mannschaften aus drei Ländern viermal Meister geworden. Wer hat das denn schon geschafft?" Rapid Wien 1957, 1860 München 1966, 1. FC Nürnberg 1968 und Atletico Madrid 1973. Der Club stieg übrigens im Jahr nach dem Titelgewinn aus der Bundesliga ab.

München 1860 als DFB-Pokalsieger 1964 gefeiert

Legendär bleibt sein Auftritt bei den Münchner "Löwen". Da gab es die Story, wie er im Training einmal die "Alkoholiker" gegen die "Nüchternen" spielen ließ. Als die Alkoholiker 7:1 gewannen, sagte er: "Saufts weiter." Das war das Zuckerbrot.

Merkel wollte stets "die Marie", also Geld. Mit 17.000 Mark Monatsgehalt war er seinerzeit der bestbezahlte Trainer der Bundesliga. Durch seine Zeitungskolumnen verdiente er noch mehr. Sogar die Bayern wollten ihn, aber Paul Breitner und Sepp Maier waren dagegen. So kam Pal Csernai.

Um zu vermeiden, Streit zu bekommen mit denen, über die er sich lustig gemacht hatte, versteckte Merkel sich bei Trainingsbeobachtungen oft hinter einem dicken Baum - oder, falls der nicht vorhanden war, einem korpulenten Zeitungs-Reporter.

Max Merkel: Seine Ironie und sein Zynismus bleiben unvergessen

Zeitlebens besaß der Sohn eines Preußen-Offiziers und einer Wienerin eine Wohnung in Wien-Hütteldorf, dem Arbeiterviertel, wo er am Ende des 2. Weltkrieges marodierende Russen mit einem Verteidiger-Tritt aus dem 2. Stock die Treppe hinunter expedierte.

Seine beißende Ironie, sein Zynismus wurden, da mit Wiener Schmäh gepaart, war unerreicht. Beispiele gefällig? "Der Österreicher glaubt mit 18, er sei Pele. Mit 20 glaubt er, er sei Beckenbauer. Und mit 24 merkt er, dass er Österreicher ist."

Seine Zeit nach dem Fußball verbrachte er in Putzbrunn, einem Dorf bei München. Dort hatte er sich beizeiten am Waldrand in einer Sackgasse - wegen der Ruhe - ein Reiheneckhaus gekauft.

Dort lud er gerne Bekannte ein, um alte Anekdoten zu erzählen und seinen jungen Wein, einen Grünen Veltiner, zu verkaufen. Dort hielt er dann auch mit seiner Meinung über Funktionäre nicht hinterm Berg: "Die wissen nicht einmal, dass Luft im Ball ist. Die glauben, der springt, weil ein Frosch drin ist." Ja, so war er, der Max Merkel.

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SID

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