Nach langem Schweigen

Azaouagh stellt klar: "Bin kein Salafist"

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Mimoun Azaouagh bejubelt im Jahre 2011 ein Tor im Trikot des VfL Bochum.

Köln - Der derzeit vereinslose Fußballprofi Mimoun Azaouagh hat sich erstmals öffentlich gegen Vorwürfe verwehrt, nach denen er der salafistischen Szene angehöre. Sein langes Schweigen begründet er mit der Scheu vor der Öffentlichkeit.

"Ich bin kein Salafist, ich bin Muslim. Aus Überzeugung. Ich respektiere jeden, egal welche Hautfarbe oder Religion. Ich habe Freunde, der eine ist Christ, der andere Atheist. Ich lebe hier in Deutschland, bin im multikulturellen Frankfurt aufgewachsen. Hier interessiert es keinen, wo man herkommt, woran man glaubt. Diese Toleranz habe ich von klein auf mitbekommen. Dieser Bericht hat mich geschockt", sagte der 32 Jahre alte ehemalige Bundesligaprofi, der seit dem Sommer 2014 vereinslos ist, im Interview mit dem Magazin 11Freunde.

Im Februar war berichtet worden, dass der frühere Mainzer und Schalker zum Salafisten geworden sei, der für die radikal-islamistische Bewegung geworben habe. Der in Marokko geborene frühere U21-Nationalspieler bestreitet aber vehement, dass er jemals von Salafisten angesprochen wurde: "Nein. Ich glaube auch nicht, dass die sich trauen, mich anzusprechen. Ich habe eine ganz andere Denkweise. Für mich sind das keine Muslime, das sind Verbrecher."

Dass er in Zusammenhang mit der salafistischen Szene gebracht wurde, könne purer Zufall sein: "Man muss wissen, wer Salafist ist. Wenn Sie mir sagen, wer Salafist ist, dann kann ich sagen: Okay, gut zu wissen, von denen halte ich mich fern. Wenn ich aber in eine Moschee gehe, kann es vorkommen, dass Leute mich ansprechen, ein Foto mit mir machen wollen. Da kenne ich nicht jeden einzelnen und seine Vergangenheit."

Dass er nicht früher auf die Schlagzeilen reagiert hat, begründet Azaouagh vor allem mit seiner Scheu vor der Öffentlichkeit: "Zum einen haben die Leute sowieso ihre vorgefertigte Meinung, zum anderen bin ich auch nicht der geborene Redner. Ich habe zu meiner aktiven Zeit nie viele Interviews gegeben. Ich hatte Angst, dass ich mich verhaspele. Es war wie Lampenfieber. Andere Fußballer sprechen ganz locker, als wären sie mit dem Mikrofon geboren, ich nicht."

Er selbst habe nicht sonderlich unter dem Schlagzeilen gelitten, aber die Folgen schon gespürt: "Ich persönlich bin schmerzfrei, was das angeht. Aber die Leute begegnen mir anders als vorher: Sogenannte Bekannte haben mich vor dem Bericht herzlich umarmt und mit mir gequatscht, jetzt sind alle distanziert. Das merke ich allein an der Art und Weise, wie sie mir die Hand geben. Auf der Straße ziehen Eltern ihre Kinder zur Seite, weil sie im Kopf haben: Das ist Azaouagh, der Salafist."

SID

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