Europa-League-Finale

Mourinhos Karriere am Scheideweg

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Manchester Uniteds Trainer José Mourinho will mit seinem Team die Europa League gewinnen. Foto: Martin Rickett

Über Jahre galt im Fußball ein ungeschriebenes Gesetz: Wo José Mourinho ist, ist der Erfolg. Sein Nimbus hat allerdings einige Schrammen bekommen. Deshalb ist das Europa-League-Finale so wichtig für den exzentrischen Coach.

Stockholm (dpa) - Noch zu Beginn dieser Europa-League-Saison sagte der Startrainer José Mourinho: "Das ist kein Wettbewerb, den Manchester United will. Und das ist kein Wettbewerb, den ich will."

Nun steht der englische Rekordmeister allerdings im Endspiel dieser Europa League und natürlich hat der titelhungrige Portugiese seine Meinung rechtzeitig zum Finale in Stockholm (20.45 Uhr) noch einmal geändert. "Das Spiel ist eine Chance, wieder eine europäische Trophäe zu holen", sagte Mourinho. "Sollten wir die Europa League gewinnen, wäre ich mehr als glücklich."

Seit knapp zehn Monaten ist der 54-Jährige jetzt Trainer von Man United. Beide Seiten versprechen sich von dieser Zusammenarbeit, wieder dorthin zu kommen, wo sie einmal waren. Mourinho holte seinen vorerst letzten internationalen Titel 2010 mit Inter Mailand. In Manchester wartet man darauf sogar noch zwei Jahre länger.

Es gab einmal Zeiten im europäischen Fußball, da zweifelte niemand daran, dass man bloß The Special One zu engagieren braucht, um eine mit Titeln gepflasterte Ära zu begründen. Mourinho gewann die Champions League mit dem FC Porto und mit Inter, er wurde Meister in England und Spanien mit dem FC Chelsea und Real Madrid. Dieser Mann schien jeden Verein in jedem Land zum Erfolg führen zu können.

Das Finale in Stockholm ist mittlerweile deshalb so wichtig für ihn, weil genau dieser Nimbus einige Schrammen erhalten hat. Es steht die Frage im Raum, ob das Modell Mourinho noch auf der Höhe der Zeit ist. Ob sein aggressives Gebaren, seine "Wir-gegen-den-Rest-der-Welt"- Rhetorik und sein zuvorderst auf die Zermürbung des Gegners ausgerichteter Stil nur eine ertragreiche Vergangenheit oder auch noch eine erfolgversprechende Zukunft haben.

Von den Fähigkeiten dieses Exzentrikers haben schon viele geschwärmt. "Sie müssen sich Mourinho wie einen Vater vorstellen", sagte der frühere Chelsea-Profi Khalid Boulahrouz in einem dpa-Interview. "Die Spieler würden für ihn durchs Feuer gehen. Alles, was Mourinho in der Öffentlichkeit sagt, hat nur einen Zweck: Er zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Die Spieler werden so in Ruhe gelassen."

Menschenfänger Mourinho? In der jüngeren Vergangenheit hatte es eher den Anschein, als habe er genau diese Eigenschaften verloren oder der eigenen Hybris geopfert. Aus der Kabine von Real Madrid ist sein regelrechtes Mobbing gegen das Torwart-Denkmal Iker Casillas überliefert. In Manchester warf er den deutschen Weltmeister Bastian Schweinsteiger zu Beginn dieser Saison nacheinander aus dem Team, aus dem Trainingsbetrieb und aus dem Umkleideraum. Mourinho habe "in drei Monaten beinahe mehr Spieler demontiert als Punkte gesammelt", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" über seine Anfangszeit bei United.

Kurz vor dem Finale gegen Ajax ist das Bild etwas differenzierter geworden. Es gibt Spieler wie den Ex-Dortmunder Henrich Mchitarjan oder den Spanier Ander Herrera, die unter Mourinho zuletzt einige Fortschritte gemacht haben. Anderen wie dem 37-Millionen-Euro-Einkauf Luke Shaw oder Stürmerlegende Wayne Rooney hat der Starcoach mehr oder weniger unsanft bedeutet, keine Verwendung für sie zu haben.

Ein Sieg in der Europa League könnte Mourinhos Position weiter stärken. Er hätte dann gleich in seiner ersten Saison in Manchester einen bedeutenden Titel gewonnen und könnte sich für die zweite ein Team nach seinem Gusto zusammenstellen. "Mourinho hasst es, zu verlieren", sagte sein Spieler Juan Mata über ihn. Für die Arbeit bei einem Club wie United sei das die wichtigste Eigenschaft überhaupt.

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