Interview mit Manuel Neuer: „Muffensausen kommt für mich nicht in Frage“

Optimismus vor dem Spiel gegen Turin: Manuel Neuer sagt: „Man muss erst mal in der Allianz Arena gegen uns gewinnen.“ Foto: dpa

München. Für den FC Bayern geht die Saison in die entscheidende Phase. In der Bundesliga steht heute die Partie gegen Werden Bremen an, am kommenden Mittwoch kommt es in der Champions League zum Achtelfinalspiel gegen Juventus Turin. Ein Gespräch mit Torhüter Manuel Neuer.

Manuel Neuer, Sie sagen: Spiele, von denen andere behaupten, Sie hätten darin besonders gut gespielt, bewerten Sie oft anders. Wie war das 0:0 gegen Dortmund?

Neuer: Da bin ich derselben Meinung wie viele andere: Sehr gut. Aber grundsätzlich ärgert man sich dann doch, dass man nicht gewonnen hat. Aber ich weiß nach so einem Spiel, wie ich meine Leistung bewerten muss. Da war alles okay.

BVB-Chef Watzke war sicher, dass Bayern-Profis wie Sie trotz der Niederlage gegen Mainz „kein bisschen nervös“ wären. Stimmt das?

Neuer: Ja. Natürlich ist man angespannt, aber das bin ich vor jedem Spiel. Gegen Dortmund ist es noch etwas Besonderes.. Dieses Duell wurde in den letzten Jahren zum Hit. Da wird weltweit draufgeschaut. Aber nervös sein? Nein. Warum denn?

Hatten Sie schon mal richtig Muffensausen?

Neuer: Muffensausen? Das kommt für mich nicht infrage. Selbst wenn ich so etwas mal in mir spüren würde, dürfte ich es nicht nach außen lassen. Wenn ich hektisch oder nervös wäre, wenn ich jeden Ball beim ersten Kontakt wegschlagen würde, dann würde das anstecken. Wenn ich aber Ruhe vermitteln kann, dann geht das auch auf die Kollegen über.

Gibt es vor dem Rückspiel am Mittwoch gegen Turin denn innerlich Muffensausen - ohne dass es jemand mitbekommt?

Neuer: Nein. Unser Ergebnis ist kein schlechtes. Das 2:2 ist bitter, da wir 2:0 geführt haben. Aber wir haben ein Klasse-Spiel gezeigt, das wissen wir. Und deshalb sind wir bei diesem Heimspiel relativ selbstsicher. Ich versuche grundsätzlich immer, die positiven Dinge mitzunehmen. Und mal ehrlich: Egal ob Juve oder jemand anders - man muss erst mal in der Allianz Arena gegen uns gewinnen.

Ist das die letzte Schwäche, die der FC Bayern unter Pep Guardiola noch hat? Solche Spiele nicht frühzeitig zu entscheiden?

Neuer: Wir müssen uns schon ankreiden, dass wir die beiden Gegentore bekommen haben. Aber auch da sehe ich eher das Positive: Es war ein guter Charakterzug, dass wir in Turin noch auf das dritte Tor gegangen sind.

Die Mannschaft spielt seit Jahren erfolgreich und am Limit. Wie anstrengend ist das?

Neuer: Woche für Woche immer alles zu geben, erfordert Anstrengung. Aber uns macht das Spaß.

Geht das immer alles so automatisch?

Neuer: Wenn in der Liga noch nichts entschieden ist, muss man sich schon oft zwingen, die Konzentration so hochzuhalten. Bis der Moment der Entscheidung da ist. Danach gönnt Guardiola vielen Stammspielern eine Pause. In dieser Saison natürlich noch nicht.

Dass Sie gegen Bremen fehlen, um sich für Juve zu schonen, wird nicht vorkommen?

Neuer: Niemals. Das ist doch das Bundesliga-Topspiel, 18.30 Uhr, da will ich nicht fehlen.

War es früher auf dem Bolzplatz auch schon so schwierig, Ihnen eine Pause schmackhaft zu machen?

Neuer: Damals habe ich ja meistens im Feld gespielt. Da wollte ich nie ins Tor, weil die Plätze immer so schlecht waren. Um den Fünf-Meter-Raum war meistens eine Pfütze, weil dort eine Kuhle war.

Sie sagen, das Einmaleins habe die Mannschaft unter Guardiola gelernt, nun sei man beim Multiplizieren. Wo steht man inzwischen? Beim Bruchrechnen?

Neuer: Oder Wurzelziehen? Ich hatte Bio und Sport als Leistungskurse (lacht).

Zumindest ist man in der höheren Mathematik - und muss nun aufhören.

Neuer: Naja, noch hören wir ja nicht auf. Und glauben Sie mir: Pep hat immer neue Ideen. Es gibt immer Situationen, die er und wir noch nicht kannten.

Guardiola erreicht die Mannschaft also nach wie vor?

Neuer: Ja. Wir haben zwar jetzt die Situation, dass Carlo Ancelotti kommt. Aber Pep hat uns auch weitergebracht, seitdem sein Abschied feststand.

Danach geht aber alles erstmal auf null. Alle müssen sich beweisen, sich der neuen Spielidee anpassen. Ist es da nicht ein Glück, Torhüter zu sein?

Neuer: Das kann sein. Aber ich denke, dass niemand zittern muss, wenn Ancelotti kommt. Der Verein hat eine klare Idee - und die ist, mit den Spielern, die unter Vertrag sind, weiterzumachen.

Zuletzt gab es auch um Sie Wechselgerüchte. Wie gehen Sie damit um, dass aus England so viel Geld in Umlauf gebracht wird?

Neuer: Da sind wir Spieler am Zug, dass wir die Bundesliga so attraktiv machen müssen, dass sie aufgewertet wird. Und ich glaube, mit dem Spiel in Dortmund haben wir beste Werbung gemacht.

Sie werden bald 30. Haben Sie eigentlich Angst davor ?

Neuer: Als Torwart nicht. Da kann man ja ein bisschen länger spielen.

Zur Person: Manuel Neuer (29) spielt seit 2011 für den FC Bayern München, nachdem der Gelsenkirchener Schalke nach 20 Jahren verlassen hatte. 2014 wurde er Fußballweltmeister. Mit den Bayern gewann er dreimal die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal, wurde 2013 Championsleague-Sieger, ist dreimaliger Welttorhüter. Zudem betreibt er die Manuel Neuer Kids Foundation und wohnt mit Freundin Nina in München.

Von Hanna Schmalenbach und Marc Beyer

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