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Gewinner und Verlierer der Länderspiele gegen Ungarn und England: Musiala > Müller

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Von: Maximilian Bülau

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Hansi Flick (links) und Jamal Musiala.
Ein Segen, dass er ihn hat: Bundestrainer Hansi Flick legt seinem Besten gegen England, Jamal Musiala, die Hand auf den Kopf. ©  Christian Charisius/dpa

Es ist schon verrückt, wie das reine Ergebnis die Wahrnehmung eines Fußballspiels und den Status Quo einer Mannschaft bestimmen, ja verändern kann.

Bis zur 72. Minute haben wohl viele Zuschauer dieses letzten Nations-League-Gruppenspiels zwischen England und Deutschland – in dem es um rein gar nichts mehr ging, abgesehen von Prestige und Stimmung – gedacht: Zeitweise ein bisschen wackelig, aber hey, England geschlagen, immerhin der Vize-Europameister. Das macht doch Hoffnung für die WM.

Elf Minuten später, nachdem Luke Shaw, Mason Mount und Harry Kane per Foulelfmeter die 2:0-Führung der Deutschen nach Treffern von Ilkay Gündogan (ebenfalls per Foulelfmeter) und Kai Havertz in ein 3:2 für die Engländer gedreht hatten, schwirrte im Kopf umher: Gegen tiefstehende Gegner wie Ungarn klappt es nicht. Eine 2:0-Führung bringt ebenfalls keine Sicherheit, obwohl dann ja mal Räume für Spieler wie Timo Werner entstehen. Eine Mannschaft, die so wenig Sicherheit hat, kann unmöglich bis ins Finale einer WM kommen – und das ist ja das Ziel des DFB.

Wiederum vier Minuten danach, als Havertz nach einem Patzer des englischen Torhüters Nick Pope den Ausgleich erzielt hatte, war es irgendwie zu spät, um davon zu sprechen, dass das DFB-Team Moral bewiesen hätte. Zu zufällig war dieser Ausgleich gefallen, den ein eigentlich harmloser Fernschuss von Serge Gnabry eingeleitet hatte. Englands Abwehrproblem Harry Maguire hatte bei den ersten Treffern für Deutschland auch schon ordentlich mitgeholfen, erst Jamal Musiala unbeholfen gefoult, dann im Vorwärtsgang den Ball vertändelt.

Und so fällt die Einschätzung dieser deutschen Mannschaft mit Blick auf die WM in Katar in wenigen Wochen schwer. Die Zweifel überwiegen. Das zeigen auch die Gewinner und Verlierer dieser Länderspiele.

Die Gewinner

Mathematisch ausgedrückt, hat das England-Spiel folgende Erkenntnis gebracht: Musiala > Thomas Müller. Zwar betonte Bundestrainer Hansi Flick im Interview vor dem Anpfiff, es habe keinerlei Bedeutung, dass Musiala für Müller spiele. Dass das bereits abgesprochen gewesen sei. Doch nimmt man die Mannschaft vom Montagabend – die Partie gegen Ungarn zuvor hatte keine Gewinner und nur Verlierer abgeworfen – dann ist dieser 19- Jahre alte Mittelfeldspieler Musiala einer von zwei, drei Gewinnern im deutschen Team. Den Elfmeter vor dem 1:0 holte er mit einem Dribbling gegen Maguire heraus. Vor dem 2:0 gewann er gegen Maguire den Ball, leitete den Konter ein. Insgesamt war Musiala immer aktiv, zweikampfstark und ein Genuss beim Zuschauen.

Gewinner Nummer zwei: Torhüter Marc-André ter Stegen, der trotz dreier Gegentreffer, bei denen er jeweils chancenlos war, eine starke Partie zeigte, nach Kontern der Engländer zweimal glänzend gegen Raheem Sterling parierte. Nicht falsch verstehen: Natürlich wird Manuel Neuer in Katar im Tor stehen. Doch in Abwesenheit des Kapitäns verdeutlichte ter Stegen, dass man sich auch im Fall eines Ausfalls von Neuer absolut keine Sorgen zu machen braucht. Dann ist da noch Doppeltorschütze Kai Havertz, der zumindest zeigte, dass er die beste Alternative im Sturmzentrum ist, sollte es Flick ohne echten Mittelstürmer probieren.

Und schließlich ist Niklas Süle ein Gewinner, weil sein Partner in der Innenverteidigung gegen England eher ein Verlierer war. Denn Nico Schlotterbeck verursachte im fünften Länderspiel den dritten Strafstoß – auf diesem Niveau einfach zu viel. Süle hat damit den Platz neben dem gesetzten Antonio Rüdiger wohl sicher.

Die Verlierer

Die Liste könnte viel länger sein – wegen fehlender Alternativen sind es aber vor allem Schlotterbeck und Müller, die die Chance auf einen Platz in der Startelf bei der WM verspielt haben könnten. Auch Linksverteidiger David Raum betrieb wenig Eigenwerbung und könnte das Duell mit Robin Gosens kurzfristig noch verlieren. (Maximilian Bülau)

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