Das sagen Unparteiische und Verbände 

Nach Gewalt gegen Schiedsrichter: „So jemand darf nie wieder spielen“

Angriff auf den Schiedsrichter: Am 11. August 2012 wurde Christian Fischer (li.) in Düsseldorf von Benfica Lissabons Kapitän Luisao (Zweiter v. r.) umgestoßen und stürzte. Das Testspiel wurde danach abgebrochen.
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Angriff auf den Schiedsrichter: Am 11. August 2012 wurde Christian Fischer (li.) in Düsseldorf von Benfica Lissabons Kapitän Luisao (Zweiter v. r.) umgestoßen und stürzte. Das Testspiel wurde danach abgebrochen.

Die Gewalttat gegen einen Fußball-Schiedsrichter im südhessischen Münster hat hohe Wellen geschlagen. Kreise, Verbände und auch der DFB haben reagiert. 

Die Schiedsrichter in Hessen und Niedersachsen wollen sich nicht unterkriegen lassen. Der Felsberger Dieter Matheiowetz ist seit 46 Jahren Schiedsrichter im Schwalm-Eder-Kreis, auch seine Söhne Michael und Florian leiten Spiele. „Man kriegt schon einen Schrecken, wenn man die Bilder aus Münster sieht“, sagt er. „Davon sollte man sich aber auf gar keinen Fall beeinflussen lassen.“

Dieter Matheiowetz, Schiedsrichter aus Felsberg.

Beim Hessischen Fußball-Verband schrillten nach dem Vorfall in der Dieburger Kreisliga C die Alarmglocken. Der HFV hat sich mit einem offenen Brief an Vereine, Spieler und Schiedsrichter gewandt. „Wir werden diese Auswüchse an Gewalt nicht tolerieren, sondern mit aller Konsequenz und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sportgerichtlich dagegen vorgehen“, kündigt der Verband darin an. 

Wer sich nicht an die Spielregeln halte und den Grundsatz des Fair Play ignoriere, habe bei ihnen keinen Platz.

HFV-Präsident Stefan Reuß: Schiedsrichter diskutieren über einen Streik

HFV-Präsident Stefan Reuß, der in Witzenhausen lebt, erklärte zudem: „Insbesondere in Südhessen wird diskutiert, ob man ein Signal setzen sollte.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte er, die Schiedsrichter würden auch besprechen, welchen Effekt ein Streik hätte. Am vergangenen Wochenende hatten die Schiedsrichter in Berlin wegen zunehmender Gewalt alle Amateurspiel boykottiert. Im Saarland hatte es eine ähnliche Aktion Mitte September gegeben.

Stefan Reuß, Präsident des Hessischen Fußballverbandes.

Der DFB sicherte seinen 58.000 Referees per Rundschreiben Unterstützung zu: „Wir als Dachverband werden die Landesverbände und die Schiedsrichter-Ausschüsse uneingeschränkt bei allem unterstützen, was dazu dient, dass möglichst alle Fußballspiele in Deutschland wieder gewaltfrei stattfinden. Wir lassen Sie nicht allein!“

Der DFB  nimmt auch Polizei, Justiz und Politik in die Pflicht

Der Fußball mit 80.000 Spielen pro Woche sei kein rechtsfreier Raum: „Von den Staatsanwaltschaften und der Polizei wünschen wir uns einen größeren Ermittlungseifer, wenn es um Straftaten auf dem Platz geht“,

Werner Dingenthal, Schiedsrichterobmann des Kreises Northeim/Einbeck in Niedersachsen, sind Worte nicht genug. „Ein Spieler, der einen Schiedsrichter physisch angreift, darf nie wieder Fußball spielen“, fordert er. Dass in Münster das Team abgemeldet wurde, sieht er kritisch: „Da leidet eine ganze Mannschaft unter einer solchen Tat. Klubs sollten stattdessen früher tätig werden.“

In Niedersachsen gab es kein Schreiben des Verbandes. „Das ist bei uns nicht geplant. Wer sensibel für das Thema ist, wirkt auf seine Mannschaft ein. Klar ist: So ein Vorfall darf sich nicht wiederholen“, stellt Peter Borchers von der Pressestelle des Niedersächsischen Fußball-Verbandes klar.

Im Sportkreis Kassel wollen die Schiris erst mal nicht zu schärferen Maßnahmen greifen

 „Wir werden das Thema am Montag in einer Sitzung ansprechen, denken aktuell aber nicht an einen Streik“, sagt Obmann Darko Pfeiffer. In der Ausbildung spreche man über Verhalten in kritischen Situationen. Das bestätigt sein Kollege Dingenthal aus dem Sportkreis Northeim/Einbeck: „Bei Lehrabenden wird das Thema behandelt.“ Tolerieren könne man körperliche Übergriffe auf keinen Fall. „Verbal kann da jeder darüberstehen, das gehört zu einem emotionalen Spiel dazu“, sagt er. Er appelliere bei Tagungen an die Vereinsfunktionäre: „Es gibt keine Einweg-Lösung, wie man solche Vorfälle verhindern kann.“

Ob die deutlichen Worte der Verbände und des DFB Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten. „Ich finde es traurig, dass solche Maßnahmen nach spätestens einem Vierteljahr einschlafen“, sagt Dingenthal. Wie seine Kollegen hofft er, dass es nicht bis zur nächsten Körperverletzung dauert, bis reagiert werde.

Die meisten Schiedsrichter sehen es wie Dieter Matheiowetz: „Wenn so etwas auf der Tagesordnung stehen würde, würden wir nicht seit Jahren Woche für Woche unserem Hobby nachgehen. Der Fall in Münster ist total ärgerlich, aber ein Einzelfall.“ Der Berliner Landesliga-Klub Friedenauer TSC will die Schiedsrichter ab sofort von einer Sicherheitsfirma schützen lassen.

Von Björn Friedrichs

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