Sehnsucht nach dem Titel 

Nach Liverpools 3:1-Sieg gegen City: Wichtiger als die Königsklasse

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Es soll ganz nach oben gehen: Liverpools Virgil van Dijk (links) und Sadio Mane.

Kassel – „Liverpool hat mit dem amtierenden Meister den Boden gewischt!“ Die englische Boulevard-Zeitung „The Sun“ ist bekannt für ihre teilweise martialischen, teilweise bildlich, übertriebenen Überschriften.

Es war also keine Überraschung, dass das Blatt nach dem 3:1-Erfolg des FC Liverpool am Sonntagabend an der Anfield Road gegen Manchester City nicht gerade zurückhaltend titeln würde. Die Presse auf der Insel feiert das Team des deutschen Trainers Jürgen Klopp schon als Meister. Dabei ist gerade einmal November. Dabei sind gerade einmal zwölf von 38 Partien absolviert.

Silverware (Deutsch: Tafelsilber) – das ist es, was im englischen Fußball zählt. Titel müssen her. Seit Klopp den FC Liverpool 2015 übernahm, kamen zwei dazu: der aus der Champions League und der im Supercup in diesem Jahr. Wer sich mit dem englischen Fußball aber auskennt, der weiß: Anders als in anderen europäischen Topligen ist auf der Insel die Meisterschaft wertvoller als die Königsklasse. Bei der Leistungsdichte in der Premier League ist der, der nach 38 Spielen ganz oben steht, ein wahrer und verdienter Champion.

Passend dazu sagte City-Coach Pep Guardiola nach der 1:3-Niederlage: „Es sind noch sieben Monate zu spielen. Wenn Liverpool den Titel gewinnt, dann werde ich ihnen als Erster dazu gratulieren, wie gut sie sind.“ Bei Guardiola klingt durch: Aufgegeben hat der ärgste Konkurrent noch lange nicht. Und das mit gutem Grund, blickt man zurück.

Auch in der vergangenen Spielzeit wurde Liverpool schon zur Meisterschaft geschrieben. Anfang des Jahres hatten die Reds sechs Punkte Vorsprung auf City, waren in der Liga noch ungeschlagen. Dann kam der 3. Januar 2019. Auswärtsspiel in Manchester. Aus sechs Punkten wurden drei. Schließlich verlor Liverpool in der gesamten Saison nur diese eine Partie, holte 97 Zähler. Das Problem an der Sache: City hatte trotz dieser überragenden Serie noch einen Punkt mehr.

So liegt die letzte von bislang 18 Meisterschaften im Mai, wenn die Entscheidung fällt, 30 Jahre zurück. Liverpool lechzt nach diesem Titel. Er ist für den Klub wichtiger als der in der Königsklasse. Klopps Mission in Liverpool ist erst dann erfolgreich abgeschlossen, wenn diese Trophäe wieder in der Stadt im Nordwesten Englands steht.

Selten sah es so gut aus wie in dieser Saison. Nach zwölf Spielen hat Liverpool acht Punkte Vorsprung auf Platz zwei und drei, Leicester City und den FC Chelsea. Sogar neun sind es eben auf Manchester City. Der Rest der Liga ist fast schon außer Sichtweite. Doch auch Klopp weiß: „Wir wollen nicht nur im November Erster sein, sondern auch im Mai.“ Wenn ihm das gelingt, dann ist er eine Legende in Liverpool. Und mal sehen, ob es wirklich Guardiola ist, der ihm als Erster gratuliert.

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