Klärendes Gespräch

Nach TV-Zoff: ARD setzt Scholl unter Druck

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Mehmet Scholl (r.) ist seit 2008 für die ARD als Experte bei Fußball-Übertragungen tätig.

Mehmet Scholl liegt offensichtlich im Clinch mit der ARD. Bei einer Confed-Cup-Übertragung Anfang Juli gab es deutliche Meinungsverschiedenheiten. Nun setzt der Sender den Ex-Profi unter Druck.

München - Beim Thema Doping hat sich Mehmet Scholl offenbar auf stur gestellt und einen offenen Konflikt mit der ARD riskiert: Angeblich verließ der 46 Jahre alte Ex-Nationalspieler und ARD-Experte kurz vor Beginn der Übertragung vom ersten Halbfinale zwischen Portugal und Chile beim Confed Cup in Russland nach einer Meinungsverschiedenheit das Studio in Baden-Baden.

Scholl soll sich vor der Begegnung zwischen dem amtierenden Europameister und dem Copa-America-Sieger über die geplante Berichterstattung über die Doping-Vorwürfe gegen Russlands Fußball-Nationalspieler echauffiert haben. Er konnte sich angeblich mit dem Thema nicht anfreunden und fand es langweilig. Vielmehr bevorzugte er ein Gespräch über die Erfolge der verjüngten Auswahl des DFB-Teams beim Confed Cup sowie die deutsche Auswahl bei der U21-EM in Polen. Scholl reiste offenbar ab und wurde im Ersten als Experte bei den Confed-Cup-Übertragungen durch Thomas Hitzlsperger ersetzt.

Ob der Konflikt mit dem Europameister von 1996 und dem Ersten zu ernsthaften Konsequenzen für Scholl führt, war zunächst nicht absehbar.

ARD-Sportchefs zeigen klare Kante

Bei der turnusgemäßen Sitzung in Hannover in der vergangenen Woche wurde Scholls Verhalten nun thematisiert und nicht gutgeheißen. Das berichtet die Sport Bild. Demnach fragte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky die anwesenden Sportchefs, wie die Sendergruppe mit dem Ex-Profi verfahren solle. Das Ergebnis: Balkausky solle ein klärendes Gespräch mit Scholl führen und ihm darin klarmachen, dass auch Themen wie Doping oder Sportpolitik zu seinem Aufgabenbereich gehören.

Dieses Treffen war wohl für Dienstag, 11. Juli, geplant. Ausgang offen. Es ist allerdings eher unwahrscheinlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Scholl und der ARD beendet wird. Der Bild sagte der ehemalige Profi des FC Bayern München und des Karlsruher SC kürzlich: „Es ist alles prima zwischen der ARD und mir. Ich freue mich auf die WM 2018.“

Es war nicht der erste Eklat um Mehmet Scholl

Mehmet Scholl, der seit 2008 für den öffentlich-rechtlichen Sender als Experte bei Fußball-Übertragungen tätig ist, ist in der Vergangenheit als Experte schon mehrfach angeeckt. Vor allem eine Aussage über Stürmer Mario Gomez während der Europameisterschaft 2012 hatte großes Aufsehen gesorgt. „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss“, sagte der 46-Jährige damals über Gomez. 

Auch zu Beginn der Mini-WM in Russland in diesem Sommer hatte er mit einem flapsigen Spruch über eine mögliche Gefängnisstrafe für Portugals Cristiano Ronaldo wegen Steuerhinterziehung einen Shitstorm im Netz geerntet. „Vielleicht kommt Cristiano Ronaldo ja wirklich in den Knast. Dann mache ich mir Sorgen, dass er als Miss September endet“, so Scholl. Dem TV-Experten wurde daraufhin Homophobie unterstellt.

sk/SID

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