Der Nahbare

Fan-Foto nach WM-Spiel: Warum Julian Brandts Selfie kein Fehler war

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Selfie nach dem Spiel: Julian Brandt kommt dem Wunsch deutscher Anhänger nach.

Kassel. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Julian Brandt stand beim 0:1 gegen Mexiko nur ein paar Minuten auf dem Feld. Nach der Partie wurde trotzdem über ihn diskutiert.

Was weniger mit seinem strammen Schuss an den Außenpfosten kurz vor Schluss zu tun hatte.

Nein, Brandt schaffte es in die Schlagzeilen wegen einer Aktion nach Schlusspfiff. Auf dem Weg in die Kabine machte er ein Handy-Foto von sich und deutschen Fans. Der 22-Jährige lächelte dabei, die Bild-Zeitung sprach umgehend von einem „Peinlich-Selfie“ des Leverkuseners. Brandt am Pranger.

Das Ganze lässt sich aber auch anders sehen nach einem Auftritt der deutschen Fußballer auf dem Rasen des Moskauer Luschniki-Stadions, der geprägt war von einer gewissen Grundarroganz der Weltmeister: Da haderte Sami Khedira mit dem Schiedsrichter, weil es nach einem normalen Zweikampf keinen Freistoß für ihn gab; da schnappte sich Toni Kroos nach einem Rempler den Ball, obwohl auch hier der Schiedsrichter nicht gepfiffen hatte. Und Mesut Özil özilte halt so rum.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Brandt bot da nach der Partie den angenehmen Gegenpol, indem er gerade nicht überheblich daherkam, sondern sich erfrischend nahbar gab und auf den Wunsch der Anhänger einging.

Das ist gerade in diesen Zeiten besonders zu erwähnen, in denen der Deutsche Fußball-Bund und die Nationalmannschaft generell aufpassen müssen, sich nicht immer mehr von der Basis zu distanzieren.

Die Länderspiele in Deutschland sind längst nicht mehr alle ausverkauft – echte Stimmung kommt selten auf. Die Trainingseinheiten finden – auch während der Weltmeisterschaft – in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt; selbst für Journalisten wird es immer schwerer, ein ungefiltertes Interview mit einem Spieler fernab der Begegnungen zu bekommen. Einer wie Mesut Özil äußert sich sowieso nicht, auch wenn es eigentlich etwas zu sagen gibt. Und dann sind die Slogans wie „best neVer rest“ für diese Weltmeisterschaft so dermaßen abgehoben und verschwurbelt, dass sie nicht im ersten Moment greifbar sind.

Vertrag verlängert

Da tut so ein Selfie eines jungen Nationalspielers schon mal ganz gut. Überhaupt ist Brandt so eine Art Hoffnungsträger. Beim Turnier in Russland könnte er der Mannschaft die Unbekümmertheit geben, die sie dringend benötigt. Außerdem hat Brandt in der Bundesliga für ein Zeichen gesorgt. Er galt als Kandidat bei Bayern München, entschied sich letztlich aber, seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen zu verlängern. Würden alle so handeln, könnte die Bundesliga irgendwann vielleicht auch mal wieder spannend werden.

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