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Nachspielzeiten im XXL-Format: Sollte es auch in der Bundesliga bald länger dauern?

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Von: Maximilian Bülau, Björn Friedrichs

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14 Minuten obendrauf: Dieses Bild entstand bei der WM in Katar während der Partie zwischen England und Iran.
14 Minuten obendrauf: Dieses Bild entstand bei der WM in Katar während der Partie zwischen England und Iran. © Martin Rickett/dpa

Die Zeit, in der es zwei, drei oder vier Minuten obendrauf gab, ist in Katar abgelaufen. Auch für die Bundesliga sind XXL-Nachspielzeiten nun wohl denkbar.

27 Minuten Nachspielzeit gab es in der Partie zwischen England und Iran bei der aktuell laufenden Fußball-WM in Katar. Der Iraner Mehdi Taremi erzielte das späteste Tor, das jemals bei einer Weltmeisterschaft gefallen ist (90.+13). Gab es in diesem Spiel durch lange Verletzungspausen noch Gründe, für die XXL-Zugabe, hat das Turnier insgesamt schon folgende Erkenntnis gebracht: Die Zeit, in der es zwei, drei oder vier Minuten obendrauf gab, ist in Katar abgelaufen.

Fifa-Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina hatte bereits vor WM-Start angekündigt, dass Pausen durch Verletzungen, Torjubel, Auswechslungen, Video- sowie Platzverweise sorgfältig überprüft und nachgespielt werden sollen. Das wird bei der WM konsequent umgesetzt. Auch für die Bundesliga sind XXL-Nachspielzeiten nun wohl denkbar.

Für mehr Nachspielzeit: Das Ende für sterbende Schwäne

Der Ball ist noch immer rund, aber ein Spiel dauert nicht mehr 90 Minuten, sondern nur noch 57. So kurz war die Zeit zuletzt im Schnitt, in der der Ball in einem Spiel wirklich rollt. Die Gründe sind zahlreich, beruhen in vielen Fällen aber auf simplem Zeitspiel und Spielern, die zu sterbenden Schwänen werden. Hier krümmt sich einer wie vom Blitz getroffen auf dem Boden, flitzt nach langer Behandlung aber wieder taufrisch über den Platz. Da wird ein anderer auf dem Weg zur Auswechslung in der 89. Minute plötzlich von furchtbaren Krämpfen heimgesucht. Nur zwei von vielen Beispielen, die dem Fußball mehr schaden als der Videobeweis.

Einfluss darauf hatten auch die Schiedsrichter, die der Schauspielerei oft nur halbherzig entgegentraten. Egal, wie ein Spiel verlief: Zur Halbzeit gab es eine, vor Spielende drei, vier oder maximal fünf Minuten obendrauf.

Jetzt soll jede Unterbrechung, die länger als 15 Sekunden dauert, notiert und nachgespielt werden. Ziehen die Schiedsrichter das konsequent – und auch in der Nachspielzeit – durch, wäre es das Ende für viele sterbende Schwäne. (Björn Friedrichs)

Gegen mehr Nachspielzeit: Dann sterben noch mehr Schwäne

Der Ball ist noch immer rund, aber ein Spiel dauert nicht mehr 90 Minuten. Bei der WM sind es eher 100 bis 110. Das Problem an sich: Die Unart der Fußballer, Partien zu verzögern, wird nicht ausreichend bestraft. Was es braucht, ist Konsequenz und keine XXL-Nachspielzeit. Wer bei einer Auswechslung vom Platz schleicht, muss sofort Gelb sehen. Wer sich behandeln lassen will, muss das Feld verlassen, darf dann beispielsweise zwei Minuten nicht zurück auf den Rasen. Nur, wenn solche Dinge auch umgesetzt werden, wird es Verbesserungen geben.

Werden nun die Nachspielzeiten verlängert, hat das nur zur Folge, dass sich die Spirale weiterdreht: Spieler liegen noch länger und öfter auf dem Rasen. Kurzum: Es sterben noch mehr Schwäne auf dem Fußballfeld.

Aber vielleicht ist ja auch etwas ganz anderes die Lösung: Wenn Fußballer unbelehrbar sind, der Fair-Play-Gedanke nicht überwiegt, dann muss künftig eben die Zeit bei Unterbrechungen angehalten werden. So wie es in vielen anderen Sportarten der Fall ist. Dann werden künftig auch weniger Schwäne sterben. (Maximilian Bülau)

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