Netzer traut Gladbach die Meisterschaft zu

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Günter Netzer traut seinen Fohlen den Titel zu

Köln - Vereinsikone Günter Netzer hält Borussia Mönchengladbach nach dem erfolgreichen Saisonverlauf für einen Kandidaten für den Gewinn der Meisterschaft. Für ein Fohlen verteilt er Sonderlob.

 „Die anderen müssen sie nun zunehmend ernster nehmen. Die Gladbacher gewinnen ihre Spiele und machen das Beste aus der Situation. Am Ende könnten auch sie Meister werden“, sagte der Weltmeister von 1974 und Europameister von 1972 einen Tag nach dem 3:0-Erfolg des Bundesliga-Vierten beim VfB Stuttgart im Interview mit der Tageszeitung Die Welt.

Zehn Günter-Netzer-Geschichten, die Sie noch nicht kennen!

1. TV-Start: War eine Katastrophe. 1988 stieg er in der neuen Bundesliga-Show „Anpfiff“ von „RTL plus“ als Experte ein – neben Pudel-Moderator Ulli Potofski und der Sex-Sachverständigen Erika Berger. Die Auftritte waren ein Desaster, alles spottete über den zappeligen Netzer. Der Experte und die Sexpertin mussten gehen. © dpa
2. ARD-Einstieg: In den Neunzigern glänzte Netzer (nach lustloser Kurz-Karriere als Schalke-Berater) als Experte im Schweizer Fernsehen SF. Und weil sich die „Nati“ nicht für die WM 1998 qualifizierte, griff die ARD zu. Seine Bedingung: „Nur mit Delling!“ Waldi Hartmann war sauer („Er hat mich gemobbt“), verzieh Netzer aber schnell: „Ich wollte eh nicht sein Hacki Wimmer sein.“ © dpa
3. Käse und Scheißdreck: In Rudi Völlers Island-Wutrede 2003 spielte Netzer eine führende Rolle: „Was hat denn der Günter früher für einen Scheiß gespielt?“ „Netzing“ sahen alles auf dem Bildschirm, Netzer erinnert sich: „Ich habe Dellings Arm genommen und nur gesagt: Ruhig, ruhig!“ Stinksauer auf „Tante Käthe“ war er trotzdem, schimpfte hinter den Kulissen: „Was glaubt dieser Völler eigentlich?“ © dpa
4. Freundschaft: Delling und Netzer bezeichnen sich als Freunde, Netzer war bei Dellings zweiter Hochzeit mit NDR-Journalistin Isabelle Wagner sogar Trauzeuge. Trotzdem gehen die beiden privat ähnlich rau miteinander um wie im Fernsehen. Netzer in der WELT: „Wir leben das aus, auch in unserem Privatleben.“ © dpa
5. Siezgelegenheit: Trotz aller Freundschaft – die beiden siezen sich auch privat. Delling: „Im Grunde erleichtert das sogar die Arbeit vor der Kamera. Wir müssen uns nicht verstellen.“ Und dabei soll es bleiben. Viele hoffen, dass Netzer seinem Delling heute Abend endlich das Du anbietet – doch der Schweizer Website tagesanzeiger.ch verriet er bereits: „Die Chance, dass ich Delling das Du anbiete, ist gleich null.“ Abschiedsgeschenke soll es auch keine geben: „Ich habe intensivst die ARD aufgefordert, dass nichts stattfinden darf. Mir wäre das äußerst peinlich. Ich kann so etwas nicht ertragen.“ © dpa
6. Krisen: Gekriselt hat es immer wieder bei Netzings – am schlimmsten, als die beiden bei der WM 2006 wegen Heribert Faßbenders Fehlplanung im Kölner Studio in Isolationshaft gehalten wurden, während Kerner und Klopp im Sony-Center in Berlin Party feierten. Das ARD-Duo sah nur das Finale live im Stadion, die Redakteure mussten Eheberater spielen, Netzer wollte die Brocken hinschmeißen. © dpa
7. Ferraris: Gerade wurde ausgerechnet, dass der Ferrari-Liebhaber mit seiner Schweizer TV-Rechteagentur Infront die beiden letzten Weltmeisterschaften für einen Gesamtwert von etwa 120 000 Ferraris vermarktet hat. Um die Zukunft von Geschäftsmann Netzer muss sich niemand Sorgen machen: „Jedem kann ich versichern, dass ich nicht in ein tiefes Loch falle oder mein Leben nicht mehr bewältigt kriege.“ © dpa
8. Vorbereitung: War nie ein Thema für Netzer vor Länderspielen: „Ich mache so gut wie nichts. Delling ist derjenige, der alles machen muss. Denn ich bin ja zudem noch gern faul.“ © dpa
9. Lachen: Lehnt Netzer im Fernsehen ab. O-Ton in der WELT: „Ich habe schon genug damit zu tun, Dellings verschachtelten Sätzen zu folgen. Einer hat mal zu mir gesagt: Dein Fernseherfolg ist mir unbegreiflich. Du sitzt mit einer Steinbeißerfresse da und die Leute mögen dich auch noch. Er hat hundertprozentig Recht.“ © dpa
10. Sprüche: Ihre Wortduelle sind legendär – die besten gibt’s im Internet unter netzer-delling.beeplog.de. Zum Beispiel diesen. Netzer: „Ich sag ja, Sie hören mir nie zu!“ Delling: „In Ihrem Alter merken Sie doch gar nicht mehr, ob jemand Ihnen zuhört.“ © dpa

Netzer, der die Borussen in den 70er Jahren als Spielmacher zu den ersten beiden Meister-Titeln geführt hatte, schreibt den Höhenflug seines Ex-Klubs mit nur einem Punkt Rückstand auf das Spitzentrio Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 insbesondere der Arbeit von Trainer Lucien Favre zu.

„Wer das Spiel der Gladbacher in Stuttgart gesehen hat, der kann ja gar nicht anders, als sich daran zu berauschen. Das Team vereint so viele positive Attribute des modernen Fußballs auf sich, und das Ganze wird auch noch gepaart mit einer Reihe von wirklich großartigen Spielern. Es ist eine pure Freude, ihnen zuzuschauen. In erster Linie ist es diese wunderbare Organisation der Mannschaft auf dem Platz, die der Trainer Favre geschaffen hat. Es gibt eine Ordnung, die durch nichts zu erschüttern ist. Eine Ordnung, die in jeder Phase funktioniert. Es ist alles durchdacht“, beschrieb Netzer den Stil der „neuen Fohlen“.

Allerdings sieht der frühere ARD-TV-Analyst von Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft auch Grenzen. Die Mannschaft spiele „auf verdammt hohem Niveau, das zu halten, ist nicht leicht, darin liegt die Gefahr. Hoffentlich kommt kein Einbruch oder eine Serie von Niederlagen, die ich schon im Hinterkopf habe“.

Auch sei „das Aufwärtspotenzial natürlich begrenzt, es sind ja schon jetzt wunderschöne Vorstellungen. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, aber im Moment noch mehr zu verlangen, wäre kaum möglich. Für ihre Verhältnisse geht es kaum besser“.

sid

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