Top-Transfers im Überblick

Neymar, Dembélé und Co.: Europas Klubs wie noch nie im Kaufrausch

Am letzten Tag des Transferfensters am Donnerstag in einigen europäischen Ligen ging es nochmals hoch her. Die Bundesliga verbuchte mit mehr als 600 Millionen Euro für neue Spieler einen Rekord. Andere Ligen gaben allerdings weitaus mehr aus.

München - Englands Top-Klubs warfen wieder mit Geld um sich, auch in Italien und Deutschland wurden Transferrekorde geknackt - den turbulenten „Deadline Day“ krönte aber Paris St. Germain. Mit der Verpflichtung von Kylian Mbappé haben die Franzosen den nächsten Millionen-Irrsinn vollzogen, auch wenn dieser erst im kommenden Jahr die Bilanzen richtig belasten wird.

Wahnwitzige 180 Millionen Euro überweist der Scheich-Klub dann an die AS Monaco, die ihr Sturmtalent ab sofort an PSG ausleiht. „Es ist eine große Ehre für mich, in diesem Klub mit diesen großartigen Jungs zu spielen“, sagte der 18-jährige Mbappé brav, für den Paris „genau das richtige Projekt“ darstellt. Ein Projekt, das jegliche Vorstellungen sprengt.

Rekordablöse für Neymar

Erst vor wenigen Wochen hatte Paris für Brasiliens Superstar Neymar 222 Millionen Euro gezahlt und den Stürmer damit zum teuersten Fußballer gemacht. Wenn der Neymar-Deal also der Königstransfer ist, wird Mbappé zumindest die Rolle als Kronprinz übernehmen. „Ich will mich immer verbessern, das wird mir in diesem Team gelingen“, sagte Mbappé.

Wie die Pariser im kommenden Jahr die Richtlinien des Financial Fair Play (FFP) umgehen wollen, ist aktuell noch ungewiss. Wahrscheinlich werden sie für die Verbesserung der Bilanz den ein oder anderen ihrer Stars teuer veräußern - nach England beispielsweise. Da sitzt das Geld bekanntlich ähnlich locker wie an der Seine.

„Shopping-King“ Manchester City

Mehr als 1,5 Milliarden Euro und damit so viel wie noch nie haben die Premier-League-Klubs in diesem Sommer ausgegeben, Manchester City dabei mit etwa 234 Millionen Euro den Titel als „Shopping-King“ knapp vor PSG (233) abgeräumt. Dass die Vereine der italienischen Serie A mit Gesamtausgaben von rund 820 Millionen Euro ebenso einen Rekord aufstellten wie die Bundesliga-Klubs (mehr als 600 Millionen Euro), ging irgendwie unter.

„Die Premier-League-Klubs haben zum sechsten Mal nacheinander eine Bestmarke in Sachen Ausgaben aufgestellt“, sagte Dan Jones von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte der BBC. Der Hauptgrund dafür liegt im TV-Vertrag, der den Vereinen allein aus der nationalen Vermarktung jährlich rund 2,3 Milliarden Euro in die Kassen spült.

Wahrscheinlich ist in England auch deshalb die Dichte so extrem. Während in Deutschland, Spanien oder Italien nur die elitären Klubs tief in die Tasche greifen, tun das auf der Insel alle. Selbst der Aufsteiger Huddersfield Town kaufte für knapp 50 Millionen Euro ein.

„Das Problem“, sagte Manchester Uniteds Teammanager José Mourinho kürzlich, seien nicht 222 Millionen Euro für einen Neymar: „Der ist das Geld wert. Das Problem ist vielmehr, dass für durchschnittliche Spieler immer mehr ausgegeben wird.“

Marktwerte spielen kaum mehr eine Rolle

Und noch ein Trend ist zu erkennen: Der Marktwert eines Spielers scheint mittlerweile nicht mehr zu interessieren, die Dienste der jeweiligen Akteure sind den Vereinen weitaus mehr wert. Von den 30 teuersten Transfers der Sommerperiode hielten sich nur beim italienischen Verteidiger Leonardo Bonucci Wert und Ablöse (etwa 42 Millionen Euro) die Waage. Am größten war die Lücke bei Danny Drinkwater, dessen Qualitäten auf neun Millionen Euro geschätzt werden - dem FC Chelsea aber 38 Millionen Euro wert waren.

Die Blues könnten einen Teil dieser Summe durch einen Transfer von Diego Costa zu Atlético Madrid auffangen. In Spanien ließ das Fenster noch bis Freitagnacht einen Wechsel zu. Theoretisch möglich war daher auch noch der Wechsel des Brasilianers Philippe Coutinho vom FC Liverpool zum FC Barcelona - für kolportierte 150 Millionen Euro.

Die Transferaktivitäten der europäischen Spitzenklubs

Deutschland: In der Fußball-Bundesliga ist Corentin Tolisso mit 41,5 Millionen Euro der teuerste Neuzugang des Sommers und zugleich Rekordhalter in Deutschland. Mehr als der FC Bayern München für den Franzosen gab zuvor nie ein Klub aus.

England: Trotz des Neymar-Deals von Paris St. Germain ist die englische Premier League bei den Transferausgaben unangefochten an der Spitze. Laut Berechnungen der BBC zahlten die 18 Klubs auf der Insel rund 1,5 Milliarden Euro für neue Spieler. The Guardian kommt sogar auf 1,7 Milliarden Euro.

Am meisten Geld pumpte Manchester City in den Markt. Allein das Trio Benjamin Mendy, Bernardo Silva (beide vom AS Monaco) und Kyle Walker (von Tottenham Hotspur) kostete wohl etwa 133 Millionen Euro, insgesamt gaben die Citizens etwa 234 Millionen Euro aus. Der Wechsel von Ex-Bundesliga-Profi Gylfi Sigurdsson für 49,4 Millionen Euro von Swansea City zum FC Everton fällt da kaum noch auf.

Der Teuerste steht aber im Kader von Manchester United: Romelu Lukaku kostete den Klub fast 85 Millionen Euro. Für 65 Millionen sicherte sich Mourinhos Ex-Klub FC Chelsea die Dienste von Real Madrids Alvaro Morata. DFB-Spieler Antonio Rüdiger kam für 35 Millionen Euro vom AS Rom nach London, auch Danny Drinkwater (von Leicester City) wäre mit gut 38 Millionen Euro in der Bundesliga fast ein Rekordtransfer. Trainer Antonio Conte wird dennoch eine gewisse Unzufriedenheit nachgesagt. Denn auch Lukaku, Alex Oxlade-Chamberlain (für 43 Millionen Euro vom FC Arsenal zum FC Liverpool) und Ross Barkley (bleibt beim FC Everton) standen auf seinem Wunschzettel.

Italien: Neun Klubs der Serie A haben laut Gazzetta dello Sport einen Rekord-Einkauf getätigt. In letzter Minute etwa griff der FC Turin zu und verzeichnete mit dem französischen Fußballer M'baye Niang den teuersten Neuzugang (Leihbasis, mehr als 12 Millionen Euro) in der Geschichte des Klubs.

Aufsehen erregten aber vor allem die neuen chinesischen Eigentümer des AC Mailands mit ihrer Shoppinglaune. Der größte Coup: Leonardo Bonucci kam für 42 Millionen Euro aus Turin. Die Einnahmen reinvestierte der neue Klub von Weltmeister Sami Khedira in Federico Bernardeschi vom AC Florenz. Sein Preisschild: Rund 40 Millionen Euro. Benedikt Höwedes ist da mit vorerst 3,5 Millionen Euro Leihgebühr an den FC Schalke 04 geradezu ein Schnäppchen.

Auch die anderen ehemaligen Bundesliga-Profis in der Serie A waren im internationalen Vergleich relativ günstig: Für 17 Millionen Euro verpflichtete Juve den bislang ausgeliehenen Medhi Benatia vom FC Bayern und bezahlt 6 Millionen Euro Leihgebühr für Douglas Costa. Hakan Calhanoglu ging für 22 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zum AC Mailand und trifft dort den 18 Millionen Euro teuren Ricardo Rodriguez vom VfL Wolfsburg.

Spanien: Real Madrid hielt sich mit superteuren Neuzugängen zurück, investierte aber für die Zukunft etwa 45 Millionen Euro für den 17 Jahre alten Brasilianer Vinícius Júnior. Er bleibt aber zunächst noch bei seinem Heimatverein Flamengo Rio de Janeiro. Die spanischen Vereine bezahlten geschätzt zwar mehr als 550 Millionen Euro für neue Fußballer, schafften es aber erstmals seit drei Jahren, bis kurz vor Ablauf ihrer Wechselfrist am Freitagabend mehr Geld bei Spielerverkäufen einzunehmen.

Richtig tief in die Tasche gegriffen hat auch nur der FC Barcelona, der den zweitteuersten Wechsel der Geschichte - Ousmane Dembélé - aber mit dem teuersten Wechsel der Geschichte - Neymar - schon gegenfinanziert hatte. Die 105 Millionen Euro plus bis zu 42 Millionen Euro Bonuszahlungen sind deswegen nur eine Zahl in der Bilanz. Dazu gaben die Katalanen 40 Millionen Euro für den schon 29 Jahre alten Brasilianer Paulinho aus, der zuletzt in China bei Evergrande kickte.

Frankreich: In Frankreich bestimmten vor allem zwei Transfers die Schlagzeilen: Jungstar Kylian Mbappé - offiziell zunächst nur ausgeliehen vom AS Monaco zu Paris St. Germain - und natürlich Neymar. Die 222 Millionen Euro für ihn sind Weltrekord - und pulverisierten allein die französischen Verhältnisse der Vergangenheit. Noch vor einem Jahr gaben die Erstligisten insgesamt 154 Millionen Euro für Zugänge aus.

Die 25 Top-Transfers des Sommers 2017 im Überblick

Spieler

Alter

Nationalität

Abgebender Verein

Aufnehmender Verein

Ablöse

Neymar

25

Brasilien

FC Barcelona

Paris Saint-Germain

222 Millionen Euro

Ousmane Dembélé

20

Frankreich

Borussia Dortmund

FC Barcelona

105 Millionen Euro (Boni bis zu 42 Millionen Euro)

Romelu Lukaku

24

Belgien

FC Everton

Manchester United

84,7 Millionen Euro

Álvaro Morata

24

Spanien

Real Madrid

FC Chelsea

62 Millionen Euro

Benjamin Mendy

23

Frankreich

AS Monaco

Manchester City

57,5 Millionen Euro

Alexandre Lacazette

26

Frankreich

Olympique Lyon

FC Arsenal

53 Millionen Euro

Kyle Walker

27

England

Tottenham Hotspur

Manchester City

51 Millionen Euro

Bernardo Silva

23

Portugal

AS Monaco

Manchester City

50 Millionen Euro

Gylfi Sigurdsson

27

Island

Swansea City

FC Everton

49,4 Millionen Euro

Nemanja Matic

29

Serbien

FC Chelsea

Manchester United

44,7 Millionen Euro

Leonardo Bonucci

30

Italien

Juventus Turin

AC Mailand

42 Millionen Euro

Mohamed Salah

25

Ägypten

AS Rom

FC Liverpool

42 Millionen Euro

Corentin Tolisso

23

Frankreich

Olympique Lyon

FC Bayern München

41,5 Millionen Euro

Tiemoué Bakayoko

23

Frankreich

AS Monaco

FC Chelsea

40 Millionen Euro

Federico Bernardeschi

23

Italien

AC Florenz

Juventus Turin

40 Millionen Euro

Paulinho

29

Brasilien

Guangzhou Evergrande

FC Barcelona

40 Millionen Euro

Ederson

24

Brasilien

Benfica Lissabon

Manchester City

40 Millionen Euro

Davinson Sánchez

21

Kolumbien

Ajax Amsterdam

Tottenham Hotspur

40 Millionen Euro

Danny Drinkwater

27

England

Leicester City

FC Chelsea

38 Millionen Euro

Alex Oxlade-Chamberlain

24

England

FC Arsenal

FC Liverpool

38 Millionen Euro

André Silva

21

Portugal

FC Porto

AC Mailand

38 Millionen Euro

Vitolo

27

Spanien

FC Sevilla

Atlético Madrid

36 Millionen Euro

Victor Lindelöf

23

Schweden

Benfica Lissabon

Manchester United

35 Millionen Euro

Antonio Rüdiger

24

Deutschland

AS Rom

FC Chelsea

35 Millionen Euro

Anthony Modeste

29

Frankreich

1. FC Köln

TJ Quanjian

34,7 Millionen Euro

Quelle: transfermarkt.de

In unserem Transfer-Ticker vom 30. und 31. August erfahren Sie, welche Spieler in den letzten beiden Tagen der Sommertransferperiode den Verein gewechselt haben.

SID/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.