Nigeria: Staatspräsident meldet National-Team ab

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Nigeria Spieler Yussuf Ayila sitzt nach dem 2:2-Unentschieden gegen Südkorea im WM-Vorrundenspiel der Gruppe B in Durban enttäuscht am Boden.

Johannesburg - Nigerias Staatspräsident hat in einem beispiellosen Schritt die Nationalmannschaft für die kommenden zwei Jahre von allen Wettbewerben zurückgezogen. Die FIFA prüft Konsequenzen.

Die staatlichen Eingriffe in den Fußball in Frankreich und Nigeria haben die FIFA alarmiert, Strafen müssen beide Länder aber vorerst noch nicht befürchten. “Wir sind noch weit davon entfernt, Sanktionen zu ergreifen. Weitere Schritte werden ergriffen, sobald dies erforderlich ist“, sagte FIFA-Mediendirektor Nicolas Maingot am Donnerstag in Johannesburg zum “Fall Nigeria“ und kündigte Untersuchungen an. In dem westafrikanischen Land hatte Präsident Goodluck Jonathan am Tag zuvor in einem beispiellosen Schritt den nationalen Fußball- Verband aufgelöst und die Nationalmannschaft für die kommenden zwei Jahre von allen internationalen Wettbewerben zurückgezogen. Der Grund: Die schlechte Leistung der “Super Eagles“ bei der WM in Südafrika.

Von All Whites bis Zmajceki - die Spitznamen der WM-Teilnehmer

Spanien - La Furia Roja © Getty
Japan - Blue Samurai © Getty
Südafrika - Bafana Bafana (die Jungs) © Getty
Italien - Squadra Azzurra © Getty
Brasilien - Selecao © Getty
Australien - Socceroos © Getty
Griechenland - To Piratiko (Das Piratenschiff) © Getty
Nigeria - Super Eagles © Getty
USA - The Yanks © Getty
Ghana - The black stars © Getty
England - Three Lions © Getty
Schweiz - Nati © Getty
Slowakei - Repre © Getty
Slowenien - Zmajceki (Drachen) © Getty
Dänemark - Olsens Eleven (in Anlehnung an den Söderberg-Kinohit Oceans Eleven - Dänemarks Nationaltrainer heißt Morten Olsen) © Getty
Neuseeland - All Whites (die beliebte Rugby-Nationalmannschaft wird All Blacks genannt) © Getty
Chile - La Roja © Getty
Serbien - Beli Orlovi (die weißen Adler) © Getty
Uruguay - La Celeste (der blaue Himmel) © Getty
Elfenbeinküste - Die Elefanten © Getty
Algerien - Les Fennecs (Die Wüstenfüchse) © dpa
Argentinien - Albiceleste (blau-weißer Himmel) © dpa
Deutschland - Die Mannschaft (so wird das DFB-Team im Ausland genannt) © dpa
Frankreich - Les Bleus © dpa
Honduras - La H © dpa
Kamerun - Unzähmbare Löwen © dpa
Mexiko - El Tri (da die mexikanische Flagge drei Farben hat) © Getty
Niederlande - Elftal © dpa
Nordkorea - Chollima (nach einem mythischen Pferd benannt) © dpa
Paraguay - La Albirroja (die Rot-Weißen) © dpa
Portugal - Selecção das Quinas © dpa
Südkorea - Taeguk Warriors (die roten Krieger) © Getty

Am Mittwochabend wurde der Fußball-Weltverband von der nigerianischen Regierung offiziell per Brief informiert. “Wir untersuchen diese Angelegenheit“, sagte Maingot. Auf die Frage, ob Nigeria von der WM 2014 in Brasilien ausgeschlossen werden könnte, antwortete der Franzose: “Es ist viel zu früh, dazu Stellung zu nehmen. Wir haben gestern Abend davon erfahren. Wir werden uns die Zeit nehmen, diesen Fall zu prüfen.“ Die FIFA steckt dabei in einem Dilemma. Die härteste Strafe, die die Statuten des Verbandes vorsehen, ist ein Ausschluss. Nigeria hat sich jedoch erst einmal selbst ausgeschlossen. Bei einer Einmischung der Politik in Fußball-Belange fährt der mächtige Weltverband unter seinem Vorsitzenden Joseph Blatter einen rigorosen Kurs und hat schon mehrfach nationale Verbände vorübergehend ausgeschlossen. “Ich wiederhole immer wieder die offizielle Position: Die FIFA besteht darauf, dass die Sportverbände unabhängig sind“, betonte Maingot.

In Nigerias Fußballverband NFF regierte am Mittwoch das Chaos. Die Zeitung “Next“ berichtete, dass Präsident Jonathan angeordnet habe, die Büros des Verbandes zu versiegeln und die Mitarbeiter nach Hause zu schicken. Bewaffnete Polizisten sicherten den Eingang der NFF- Zentrale. Nach dem Willen des Präsidenten soll ein neues “Nigeria Football House“ erbaut werden, in dem in Zukunft die Nigeria Football Association residiert. “Das sind die Anweisungen des Präsidenten“, zitierte “Next“ am Donnerstag dessen Sprecher Ima Niboro. Aus dem Umkreis von Sportminister Ibrahim Bio war nach Angaben der Zeitung zu hören, dass man den Brief an die FIFA nicht aus Angst vor Sanktionen, sondern aus Höflichkeit geschrieben habe. “Wir sind eine souveräne Nation und haben ein Recht, unsere Angelegenheiten zu regeln, ohne dass uns von außen etwas diktiert wird“, zitierte “Next“ einen Mitarbeiter des Sportministers, der anonym bleiben wollte.

In den vergangenen Jahren zählte der zweimalige Afrika-Champion und Olympiasieger 1996 zu den führenden Mannschaften Afrikas. Bei der WM in der Kap-Republik boten die “Super Eagles“ aber eine dürftige Vorstellung. Nach Niederlagen gegen Argentinien (0:1) und Griechenland (1:2) sowie einem Remis gegen Südkorea (2:2) war das WM-Turnier für die Mannschaft von Trainer Lars Lagerbäck beendet. Auch die Franzosen waren nach einer katastrophalen Vorrunde heimgeflogen. Die Aufarbeitung des sportlich wie disziplinarisch desaströsen Auftritts ist in Frankreich zur Staatsaffäre geworden. Auch hier hatte FIFA-Präsident Blatter Staatspräsident Nicolas Sarkozy und andere Politiker vor jeder Form der Einmischung in die Angelegenheiten des nationalen Verbandes gewarnt. “Wir prüfen diesen Fall genauso gründlich und haben von Anfang an unsere Position klargemacht“, bekräftigte Maingot am Donnerstag nochmals. WM-Chefplaner Danny Jordaan erklärte: “Was in Frankreich passiert, ist in gleicher Weise eine Intervention wie in Nigeria. Die FIFA hat klare Regeln, wie sie damit umgeht.“

dpa

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