Heute startet die Champions League

Interview mit Dietmar Hamann: Königsklasse ist spannender als Bundesliga

+
Hamanns Favorit: Für den 45-Jährigen ist Manchester City mit Stürmer Sergio Aguero, der hier zum Fallrückzieher in der Partie gegen Newcastle United Anfang September ansetzt, der heißeste Titelanwärter in der Champions League.

Kassel. Die Fußball-Champions-League hat in dieser Saison neue Anstoßzeiten – und zwei verschiedene TV-Anbieter. Aber sie bleibt die Königsklasse der Klubwettbewerbe. Wer ist in diesem Jahr Favorit?

Wie stehen die Chancen der deutschen Teams? Und wie ist das Gefühl, wenn man den Henkelpott in den Händen hält? Ex-Nationalspieler und Sky-Experte Dietmar Hamann verrät es uns im Interview.

Herr Hamann, wir haben Ihren Bruder Matthias gefragt, was er Sie in einem Interview fragen würde. Das Ergebnis: Am Wochenende beginnt die Wiesn in München. Ihr Bruder möchte wissen, ob sie schon einen gemeinsamen Besuch geplant haben und wer bezahlt?

Dietmar Hamann: Ich bin ja mittlerweile auch schon etwas älter. Früher war ich öfter da. Aber ich werde schon zwei, drei oder vier Mal hingehen. Wenn er dann auch in München ist, gehen wir zusammen. Und dann gebe ich ihm ein Brathendl und eine Maß Bier aus.

Wagen wir vom Oktoberfest den Schlenker zur Champions League. Ist die eigentlich noch spannender als die Bundesliga?

Hamann: Die Schere geht immer weiter auseinander. Ich habe gerade erst gelesen, dass Real Madrid 35 Millionen Euro als Antrittsgeld bekommt, Bayern München 33 Millionen und die TSG Hoffenheim 3,5 Millionen. Trotzdem glaube ich, dass mindestens zehn Mannschaften in der Champions League die Chance auf den Titel haben. Und ich hoffe auf eine oder zwei Überraschungen. Also ja, sie ist spannender.

Wer zählt für Sie zum Favoritenkreis?

Hamann: Die englischen Mannschaften, die Spanier – Real, Barca und Atletico – Juventus, Paris und die Bayern.

Obwohl München kein Geld ausgegeben hat?

Hamann: Absolut. Madrid hat im vergangenen Jahr Paris, Juve und die Bayern rausgeschmissen und jeweils auswärts gewonnen. Das zeigt, was das für eine Ausnahmemannschaft war. Trotzdem haben die Münchner den späteren Sieger in den Seilen gehabt. Sie haben Madrid auswärts an die Wand gespielt. Sie sind definitiv ein Anwärter. Mit Leon Goretzka und Serge Gnabry sind zwei gute Leute dazugekommen. Und Robert Lewandowski haben sie wieder ins Rollen gebracht.

Wenn Sie dennoch eine Mannschaft von den anderen abheben müssten – welche wäre das?

Hamann: Alle Engländer haben dieses Jahr eine gute Chance, weil sie das erste Mal eine Winterpause haben. Tottenham fällt da vielleicht etwas ab. Manchester United spielt nicht gut, ist aber irgendwie immer im Kreis der Titelanwärter dabei. Für mich ist dieses Jahr aber Manchester City der größte Favorit.

Außer den Bayern hatten die anderen deutschen Mannschaften in den vergangenen Jahren wenig mit der Titelvergabe zu tun. Was ist für Dortmund, Schalke und Hoffenheim möglich?

Hamann: Das klingt nach den drei Niederlagen in der Bundesliga jetzt vielleicht blöd, aber Schalke verteidigt eigentlich gut. Der Fußball in der Champions League wird ihnen liegen, und sie können die Gruppe gewinnen. Dann kommt vielleicht eine gute Auslosung dazu, und in der K.o.-Runde ist alles möglich.

Das beste Beispiel ist meine Liverpool-Mannschaft von 2005. Wir waren fast immer Außenseiter, lagen im Finale 0:3 zurück – und haben den Titel gewonnen. Auch Dortmund wird die Gruppe überstehen. Hoffenheim wird es unglaublich schwer haben. Julian Nagelsmann hat aber gezeigt, dass er fast unmögliche Dinge schaffen kann.

Die Uefa denkt über die Einführung eines dritten internationalen Wettbewerbs nach. Haben Sie eine Meinung dazu?

Hamann: Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir das brauchen. So wie es früher war, war es in Ordnung – einen Wettbewerb für die Pokalsieger, einen für die Meister. So bin ich eher skeptisch.

Sehen Sie auch die neue TV-Vermarktung kritisch?

Hamann: Für meine Arbeit hat sich zunächst einmal nichts geändert. Ich mache den Expertenjob im Wechsel mit Lothar Matthäus. Trotzdem ist klar, dass man bei der Rechtevergabe vorsichtig sein muss. Die Interessen der Fans müssen gewahrt bleiben.

Sie wissen, wie es sich anfühlt, die Champions League zu gewinnen. Lassen Sie uns kurz teilhaben.

Hamann: Das ist schwer zu vergleichen. Es ist der größte Erfolg im Klubfußball. Nicht umsonst heißt sie Königsklasse. Mehr geht eben nicht.

Wer ist Dietmar Hamann?

Dietmar Hamann (45) wurde am 27. August 1973 im bayerischen Waldsassen geboren. Der Mittelfeldspieler wechselte 1989 in die Jugend des FC Bayern München. Dort begann auch seine Profikarriere. Seine erfolgreichste Zeit hatte er später beim FC Liverpool, mit dem er 2005 die Champions League gewann. Hamann ist geschieden und neu liiert. Er hat zwei Töchter im Alter von 19 und 20 Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.