Dritte Europeada findet 2016 in Südtirol statt

Okzitanier gegen Aromunen: Das ist die Fußball-EM der nationalen Minderheiten

Amtierende Europameister: Die deutschsprachigen Südtiroler aus Italien richten 2016 zusammen mit den Ladinern die Fußball-Europameisterschaft der alteingesessenen, nationalen Minderheiten aus. Foto: privat

Südtirol. Ladiner gegen Krimtataren, Okzitanier gegen Aromunen und Südtiroler gegen Manx. Was sich fast schon nach historischen Schlachten anhört, hat einen ganz anderen Hintergrund.

Zu diesen Begegnungen kommt es bei der Europeada, der Fußball-Europameisterschaft der alteingesessenen, nationalen Minderheiten. Die Mannschaften organisieren sich selbst, haben Trainer, Teammanager und teilweise auch Physiotherapeuten. In Trainingslagern wird zusammen gespielt - ganz im Stil der großen Nationalmannschaften.

Vom 18. bis 26. Juni 2016 findet die Europeada zum dritten Mal statt - in Südtirol bei den Ladinern im Gadertal und den deutschsprachigen Südtirolern im Pustertal. Parallel zur Uefa Fußball-EM in Frankreich kämpfen dann in Italien so viele Mannschaften wie noch nie um den Titel: 24 Teams aus 16 Ländern. Anfang der Woche fand die Auslosung statt. Ein weiteres Novum: ein Damenturnier mit sechs Teams. Damit haben sechs Minderheiten gleich doppelte Chancen: die Ladiner, die Rätoromanen, die Lausitzer Sorben, die Russlanddeutschen, die Okzitanier und die deutschsprachigen Südtiroler.

Veranstaltet wird das Turnier von der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEN) wie schon 2008 bei den Rätoromanen in Graubünden und 2012 bei den Sorben in der Lausitz. Beide Male holten sich die deutschsprachigen Südtiroler den Titel und können bei der Heim-EM nun das Triple sichern.

Auch Kultur und Politik spielen eine Rolle. Es gebe eine eigene Hymne mit ladinischem, südtirolerischem und hochdeutschem Text, sagte Susann Schenk, Generalsekretärin der FUEN. Außerdem sollen sich die Minderheiten bei einem Kulturtag vorstellen und Politiker aus den betreffenden Regionen kämen zur Eröffnung der EM.

„Die Europeada ist ein großes Fußballfest. Mit dem Sport erreicht man die Herzen, und auch Minderheiten sind im Fußball aktiv. Das Turnier soll auf ein friedliches Miteinander hinweisen, auf Mehrsprachigkeit, Toleranz und Vielfalt“, erklärte Schenk. 2006 sei die Idee entstanden, 2008 wurde das erste Turnier parallel zur großen EM umgesetzt. Schenk betonte: „Die Waliser sind 2016 zum ersten Mal sogar bei der offiziellen EM in Frankreich mit dabei.“

Im Januar wird der Spielplan veröffentlicht. Ende Mai müssen die Mannschaften gestellt sein. Bis dahin heißt es für die Teams weiterhin: Werbung machen und Fanprojekte planen.

Die Teilnehmer im Überblick

Fünf Teams sind 2016 zum ersten Mal dabei

Manx leben auf der der autonomen Insel Man in der Irischen See, die der britischen Krone unterstellt ist, und sprechen Manx.

Krimtataren sind ein muslimisches Turkvolk und leben unter anderem in der autonomen Republik Krim in der Ukraine.

Ungarn in der Slowakei

Ungarn in Rumänien

Serben in Kroatien 

Diese Mannschaften spielen auch mit:

An der Europeada 2016 nehmen insgesamt 24 alteingesessene, nationale Minderheiten aus 16 europäischen Ländern teil. Einige Bezeichnungen lassen direkt auf die Herkunft schließen, jedoch ist nicht bei allen Minderheiten sofort klar, woher sie kommen. Daher im Folgenden eine unvollständige Auflistung mit Erklärungen zu einigen Teilnehmergruppen:

Roma bilden die Minderheit in vielen europäischen Ländern und sprechen die gemeinsame Sprache Romani. Die an der Europameisterschaft teilnehmende Mannschaft stammt aus Ungarn.

Rätoromanen leben vor allem im schweizerischen Graubünden und sprechen Bündnerromanisch.

Karatschai-Balkaren sprechen die westtürkische Sprache karatschai-balkarisch und kommen aus dem Süden Russlands an der Grenze zu Georgien.

Lausitzer Sorben leben in der Ober- und Niederlausitz, also in Sachsen und Brandenburg. Sie gehören zu den westslawischen Völkern und sprechen sorbisch.

Okzitanier leben im südlichen Teil Frankreichs und sprechen Okzitanisch.

Aromunen leben vorwiegend in Nordgriechenland, Albanien, Mazedonien und Rumänien. Sie sprechen Aromunisch.

Zimbern stammen aus Norditalien und sprechen Zimbrisch.

Ladiner leben im italienischen Südtirol und sprechen die rätormanische Sprache Ladinisch.

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