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Analyse der Situation des FC Barcelona: Pleite – aber im Kaufrausch

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Von: Maximilian Bülau

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Robert Lewandowski.
Neu bei Barca: Robert Lewandowski. © Wilfredo Lee/dpa

Der FC Bayern München ist in diesem Sommer Einkaufs-Weltmeister. Kein anderer Fußball-Klub hat bislang mehr ausgegeben als der Bundesligist.

Die teuerste Abwehr der Welt hat sich das Team von Trainer Julian Nagelsmann mittlerweile ebenfalls zusammengestellt: Matthijs de Ligt, Dayot Upamecano, Lucas Hernandez, Benjamin Parvard – sie alle kamen in den vergangenen drei Jahren nach München und kosteten mindestens 35 Millionen Euro, zwei von ihnen (de Ligt und Hernandez) deutlich mehr. Allein: Der FCB kann es sich leisten.

Ein anderer FCB ist das komplette Gegenbeispiel zum deutschen Serienmeister mit Affinität zum Festgeldkonto. Beim spanischen Erstligisten FC Barcelona ist die Kasse leer. Wobei das bei Schulden von 1,35 Milliarden Euro wohl geschönt ist. Doch statt sich um die Rettung und Sanierung des Klubs zu kümmern, schmeißt Präsident Joan Laporta das Geld mit vollen Händen raus und spricht von der nächsten Generation, die den europäischen Fußball dominieren soll wie einst Messi, Xavi und Iniesta.

Wie das funktioniert? Eigentlich gar nicht. Die Katalanen betreiben derzeit eine gefährliche Finanzpolitik. Robert Lewandowski kam für 45 Millionen Euro aufwärts aus München. Der Brasilianer Raphinha stieß für 55 Millionen Euro von Leeds zu den Spaniern. Dazu wurden Franck Kessié vom AC Mailand und Andreas Christensen von Chelsea ablösefrei verpflichtet. Interesse besteht zudem an Jules Koundé, Cesar Azpilicueta und Bernardo Silva vom FC Sevilla, von Chelsea und von Manchester City. Doch auch ohne diese Träumereien haben die Katalanen ein Problem. Die Neuen sind da – spielen dürfen sie aber vorerst nicht.

Denn der Klub kann die neuen Diamanten, auf die er so stolz ist, gar nicht bei der Liga einschreiben. Es fehlt der finanzielle Spielraum, um die Financial-Fair-Play-Auflagen zu erfüllen. Zwar haben die Spanier zuletzt TV-Rechte verkauft, wollen weitere verkaufen, wodurch 500 Millionen Euro in die leere Kasse gespült werden sollen. Doch davon dürfen die Verantwortlichen wegen des Schuldenbergs nur 25 Prozent in neue Spieler investieren. Ein Hohn, bedenkt man, dass Barcelona Vize-Weltmeister dieses Transfersommers hinter den Bayern ist.

Es müssen nun also Spieler verkauft werden, für die sich aber (noch) kein Abnehmer findet. Die Verhandlungsposition stärkt das Wissen um die Situation des Klubs sicher nicht. Was bleibt also: Der FC Barcelona verkauft derzeit Stück für Stück seine Zukunft, stopft ein Loch nach dem anderen, um im kommenden Sommer vor demselben Dilemma zu stehen. Und irgendwann platzt die Blase. Die eines Klubs, der pleite ist – aber im Kaufrausch, weil er die Realität nicht akzeptiert. (Maximilian Bülau)

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