Zwischen Gerechtigkeit und verlorenem Spaß beim Zusehen

Nützlich oder nur noch nervig? Pro und Kontra zum Videobeweis im Fußball

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Ein zweiter Blick auf die Szene: Hier schaut sich Schiedsrichter Marco Fritz eine umstrittene Entscheidung auf dem Bildschirm an.

Am Wochenende war es wieder so in der Fußball-Bundesliga: Der Videobeweis war nahezu überall. Tore fielen in München und Bremen – und wurden eine gefühlte Ewigkeit später zurückgenommen. 

Es gab einen Platzverweis nach Videobeweis, einen Elfmeter nach Videobeweis, einen Freistoß, der keiner war – und danach die Frage, wo denn hier bitte der Videobeweis geblieben sei. Fußball ohne Blick auf den Bildschirm? Geht offenbar nicht mehr. 

Was außer Frage steht: Die Entscheidungen des Wochenendes waren alle nachvollziehbar. Lediglich bei Kölns nachträglich gegebenem Handelfmeter auf Schalke blieb Diskussions-Spielraum. In unserem Pro und Kontra geht es dann auch nicht um Beurteilung der Entscheidungen, sondern um den Videobeweis an sich. Ist er nützlich für das Spiel? Oder nervt er und zerstört langfristig den Spaß am Zusehen?

Pro: Es geht um Gerechtigkeit

Stellen Sie sich vor, es ist der letzte Spieltag der aktuellen Bundesliga-Saison. Der 1. FC Köln hat eine furiose Aufholjagd hingelegt und würde mit einem Sieg in Wolfsburg auf Platz 15 springen. Spielt Köln aber nur Remis, wäre der Abstieg besiegelt. Der FC geht früh in Führung, hält lange das 1:0. Doch dann der Schock: Der VfL erzielt in der Nachspielzeit den Ausgleich – aber irregulär. Mario Gomez hämmert den Ball mit seiner Faust ins Tor, doch das hat der Schiedsrichter nicht gesehen. Gut, dass es den Videobeweis gibt – und der Treffer zurückgenommen wird. 

Daniel Zander hält den Videobeweis für äußerst sinnvoll.

Dieses fiktive Szenario verdeutlicht, wie wichtig der Videobeweis ist. In der Bundesliga liegen fast alle Teams extrem nah beieinander, Fehlentscheidungen sind so verheerend. Und dabei steht immer auch die Zukunft der Vereine auf dem Spiel, und somit auch die der Mitarbeiter. Vom Zeugwart bis zum Busfahrer. Der Videobeweis stellt sicher, dass diese Zukunft nicht durch Fehler, sondern rein sportlich entschieden wird. Dass die Technik Emotionen nehme, ist zweitrangig. Es geht um Gerechtigkeit in der Bundesliga.

Kontra: Der Spaß geht verloren

Ja doch, ich weiß: Es geht um Gerechtigkeit. Oder zumindest um Minimierung der Ungerechtigkeit. Der Fußball ist ein Riesengeschäft, es steht viel Geld im und auf dem Spiel. Und da mögen doch bitte diese Irrtümer namens Schiedsrichter-Entscheidungen auf ein Minimum reduziert werden.

Frank Ziemke ist vom Videobeweis nur noch genervt.

Naja, okay. Wir wissen mittlerweile längst, dass auch der Videobeweis keine Irrtümer ausschließt. Dass er immer noch Platz lässt für Fehler und Diskussionen. Und: Dass der Fußball immer diese Situationen bereithält, in denen es zwei Meinungen gibt. In denen auch die x-te Erklärung nicht zwangsläufig zur endgültigen Aufklärung beiträgt. Vor allem aber: Gucken wir tatsächlich Fußball, weil wir auf Gerechtigkeit hoffen? Nicht wirklich. Wir wollen Emotionen. Freude und Ärger. Überschwang. Und ja, eben auch mal Zorn wegen einer Fehlentscheidung. Mittlerweile können wir uns ja nicht mal mehr bedingungslos über ein Tor freuen. Minuten später greift sich der Schiri plötzlich ans Ohr und rennt zum Bildschirm. Der Videobeweis zerstört den Spaß. Da steig ich fast lieber mit einer Fehlentscheidung ab.

Was sagen Sie? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und schreiben Sie uns ihre Meinung zum Videobeweis.

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