„Aufstieg des Bösen“

Ku-Klux-Klan-Kapuzen in Cottbus und Spielabbruch in Mannheim - DFB greift durch

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Fan-Ausschreitungen beim Spiel Waldhof Mannheim gegen KFC Uerdingen.

Ku-Klux-Klan-Kapuzen in Cottbus, Spielabbruch wegen Böllern und Pyrotechnik in Mannheim: Rund um die Aufstiegsspiele zur 3. Liga haben wenige Problemfans den Sport in den Hintergrund gedrängt.

München - "Der deutsche Fußball ist den Fans weite Schritte entgegengegangen. Und wenn das die Antwort auf ein Entgegenkommen und Dialogangebot ist, sind wir jetzt am Ende angekommen", sagte Vizepräsident Ronny Zimmermann dem Mannheimer Morgen mit Blick auf die Geschehnisse in Mannheim: "Ich habe so etwas noch nie erlebt, einen Spielabbruch auf so einer Ebene. Da müssen wir nicht mehr über Fußballkultur sprechen, mit so etwas möchte ich nichts zu tun haben."

Laut der Rechts- und Verfahrensordnung dürfte die Partie, die in der 82. Minute beim Stand von 2:1 für den KFC Uerdingen von Schiedsrichter Patrick Ittrich (Hamburg) abgebrochen wurde, vom Sportgericht mit 2:0 für die Gäste gewertet werden. Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet.

Wie kam die Pyrotechnik ins Stadion?

Spekuliert wird derweil, wie die Mannheimer Krawallmacher das Material ins Carl-Benz-Stadion schaffen konnten. Wie der Klub dem SID am Montag bestätigte, fand in der Nacht zum Samstag die Feier der Fan-Gruppierung im Stadion statt. Bei dieser Gelegenheit wurden möglicherweise Pyro-Teile in der Arena deponiert.

Eigentümer des Stadions ist die Stadt. Die schob den Schwarzen Peter dem Verein zu. "Die angesprochene Grillparty war der Stadt Mannheim nicht bekannt und war nicht genehmigt. Über ein solches Vorhaben wurden die Polizei und die Stadt Mannheim auch im Rahmen der Sicherheitsbesprechung vor dem Relegationsspiel nicht informiert", teilte eine Sprecherin dem SID mit. Nach Angaben aus dem Rathaus ist die Arena dem Klub "nur für eine sportliche Nutzung" überlassen. Am Montagabend verurteilte der Klub die Vorfälle in einer Stellungnahme "auf das Schärfste" und kündigte zivilrechtliche Regressforderungen gegenüber den Tätern wegen des verursachten Schadens an.

Energie Cottbus und der „Aufstieg des Bösen“

Auch Energie Cottbus muss sich nach dem Saisonfinale mit unschönen Dingen auseinandersetzen. Der Klub distanzierte sich am Montag "entschieden" von einem Vorfall bei der Aufstiegsfeier in der Cottbuser Innenstadt. Einige Personen hatten mit weißen Kapuzen im Stil des Ku-Klux-Klans gefeiert und dabei ein rotes Transparent mit der Aufschrift "Aufstieg des Bösen" hochgehalten. Der kriminalpolizeiliche Staatsschutz nahm Ermittlungen auf.

Die Darstellungsform sei "menschenverachtend, abstoßend und in keiner Weise tolerierbar", heißt es in der Stellungnahme des Vereins. Energie versprach, "im Falle der Bekanntmachung der Personen bundesweite Stadionverbote und lebenslange Hausverbote" auszusprechen.

"Es muss davon ausgegangen werden, dass diese Personen der Stadt Cottbus, der gesamten Region und dem FC Energie Cottbus ganz bewusst Schaden zufügen wollen", heißt es in einer Stellungnahme des früheren Bundesligisten: "Wir sind zutiefst betroffen, dass einige wenige Personen durch ihr Handeln die Freude über den Aufstieg trüben und das Image von zehntausenden Energie-Fans und des Vereins beschädigen."

Weitere Eklat bei Cottbus „Trainer du Zigeuner“ 

Dies war jedoch nicht der einzige Aufreger: Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz entschuldigte sich am Montag für antiziganistische Gesänge, die er und seine Mannschaft im Stadion angestimmt hatten. "Für diesen Fauxpas möchte ich mich öffentlich entschuldigen. Wir wollten damit niemand beleidigen oder diskriminieren", sagte er der Lausitzer Rundschau.

Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) hatte ein Video auf Twitter gepostet, auf dem die Mannschaft "Trainer, du Zigeuner" singt. Später auf der Pressekonferenz habe Wollitz mit "Spieler, ihr Zigeuner" geantwortet, schrieb das JFDA.

Cottbus hatte am Sonntag durch ein 0:0 im Play-off-Rückspiel gegen Nordmeister Weiche Flensburg die Rückkehr in den Profifußball perfekt gemacht.

SID

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