150. Vorlage in der Liga

Raumdeuter und Radio Pähl: Thomas Müller spielt wieder fast immer

Thomas Müller
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Ein typischer Müller: Er steht und spielt und bewegt sich anders als seine Kollegen – und ist nach wie vor kaum verzichtbar.

Thomas Müller hatte in seiner Karriere schon einige Spitznamen. In der Jugend sollen ihn seine Fußballer-Kollegen „Kleber“ genannt haben, weil er damals für die gute Stimmung in der Mannschaft zuständig gewesen sei.

Kassel – Später wurde er dann zum „Raumdeuter“. „Müller spielt immer“, sagte einst sein Förderer Louis van Gaal und prägte damit eine Maßgabe, die lange Zeit Bestand hatte. Hansi Flicks Assistenztrainer beim FC Bayern München, Hermann Gerland, nannte den 31-Jährigen mal „Radio Pähl“. Weil er immer redet und aus dem bayerischen Pähl stammt.

Heute ist Müller bei den Bayern selbst für die Spitznamen verantwortlich. Dank ihm heißen in der Kabine beispielsweise Javi Martinez „Xaver“ und Lucas Hernandez „Luci“. Dass die Münchner den Titel „Bestia Negra“ (Schwarze Bestie) bekamen, geht dagegen nicht auf Müller zurück. In Spanien ist Bestia Negra ein Ausdruck für eine Mannschaft, gegen die man einfach nicht gewinnen kann. Ein Angstgegner. Und das waren die Bayern für Real Madrid ab Anfang der 2000er eine lange Zeit. Von 2000 bis 2012 gingen von 14 Duellen neun an München. Nicht erst seit dem 8:2 gegen den FC Barcelona Mitte August hat sich der deutsche Rekordmeister in Spanien ordentlich Respekt verschafft.

Heute ist Atletico Madrid beim Bundesligisten zu Gast (21 Uhr/Sky). In der Champions League. Dem Wettbewerb, in dem Müller sein erstes Pflichtspieltor für die erste Mannschaft erzielte. Am 10. März 2009 war das beim 7:1 gegen Sporting Lissabon. In elf Jahren Königsklasse danach blieb der 31-Jährige nur in jeweils einer Saison ohne Tor oder Vorlage.

Es sind mittlerweile ohnehin eher die Vorlagen, mit denen dieser positionslose Offensivmann Müller auf sich aufmerksam macht. In der vergangenen Bundesliga-Spielzeit legte der 31-Jährige 21 Treffer auf. Nur Leipzigs Emil Forsberg schaffte seit Erfassung der Daten mehr (2016/17, 22 Vorlagen). Auch in dieser Saison steht Müller schon wieder bei drei Toren und vier Vorlagen nach vier Spielen. Zwei Treffer und ein Assist kamen am vergangenen Wochenende gegen Arminia Bielefeld dazu. Der Pass auf Robert Lewandowski vor dem 3:0 war Müllers 150. Vorlage für einen Treffer in der Bundesliga. Seit der Datenerfassung 1988/89 gab es keinen Spieler, der so viel Assists gegeben hat.

Lewandowski gab dem Duo nach dem Doppel-Doppelpack gegen die Arminia auf Instagram kurzerhand den Spitznamen „MüllewanGoalski“. Ziemlich voreilig, denn der Pole müsste ja wissen, wer bei den Bayern die Hoheit darüber hat, diese Namen zu vergeben. Müller wird aber sicherlich nichts dagegen haben, wenn in Spanien am Donnerstag wieder von der Bestia Negra gesprochen wird. Das würde er wohl ungefragt abnicken. (Maximilian Bülau)

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