Wuppertal und Wattenscheid sind kein Einzelfall

Insolvenz droht: Viele Fußball-Regionalligisten haben finanzielle Probleme

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Damals im Wuppertaler Trikot: Heute ist Tobias Damm Co-Trainer beim KSV Hessen Kassel. 

Erst schwelgen sie in der ruhmreichen Vergangenheit und am Ende ist sie dann doch da, die Realität. Viele Fußballvereine der Regionalliga kämpfen mit finanziellen Problemen.

Für manche ist die Insolvenz der einzige Ausweg – wie beim KSV Hessen Kassel im vergangenen Jahr. Andere versuchen sich frei zu strampeln. Das jüngste Beispiel: die ehemaligen Bundesligisten Wattenscheid 09 und Wuppertaler SV.

Dabei können sich beide Vereine an viel bessere Zeiten erinnern. Einer der größten Erfolge der Wuppertaler ist der Aufstieg in die Bundesliga 1972 und die Uefa-Cup-Teilnahme ein Jahr später. Auch die SG Wattenscheid, die sich vier Jahre lang in der ersten Bundesliga hielt, hatte eine Zeit lang allen Grund zum Jubeln. Kaum zu glauben: Selbst die Bayern hatten in den 90ern regelrecht Respekt vor Leroy Sanés Heimatklub.

Da konnten sie noch jubeln: Mit Souleyman Sané (rechts) war die SG Wattenscheid in den 90ern in der Bundesliga ein starker Gegner. 

Spenden statt Geld von Investoren

Dass die SG Wattenscheid einmal auf Spenden angewiesen sein würde, hätte zu Zeiten ihres großen Investors und Präsidenten Klaus Steilmann wohl niemand gedacht. Der Textilunternehmer pumpte Millionen in den Verein, hielt ihn aufrecht, brachte die Spieler nach ganz oben. Später übernahm Tochter Britta Steilmann seinen Manager-Posten. Sie schied 2003 allerdings aus dem Konzern aus.

Mit dem Wuppertaler SV ging es zum ersten Mal 2013 so richtig bergab, als der damalige Vorsitzende Friedhelm Runge den Verein verließ. Es folgte die erste Insolvenz. Drei Jahre später gelang der Aufstieg in die Regionalliga West. Und jetzt? Wieder Geldnöte. Wieder das Bangen um den Fortbestand.

Tobias Damm spielte bei Wuppertal 

Tobias Damm, Co-Trainer des KSV Hessen Kassel, spielte von 2006 bis 2010 selbst in Wuppertal Fußball. Dass der Verein Finanzprobleme hat, wundert ihn überhaupt nicht: „Ich habe mich schon gefragt, von welchem Geld sich die Wuppertaler eigentlich so viele Investitionen leisten können“, sagt der gebürtige Homberger. 

Gerade in der Regionalliga fehle vielen Vereinen ein langfristiges Konzept. Die Klubs hätten Visionen, mit denen sie sich dann finanziell überlasten.

„Vor allem mit teuren Transfers sollte ein Verein in solchen Situationen sensibel umgehen“, sagt Damm. Nicht mehr ausgeben, als zur Verfügung steht – eigentlich ganz einfach. Aber laut Damm ist eben genau das der Knackpunkt. „Wenn der Vorstand keinen finanziellen Überblick mehr hat, steht man am Ende mit leeren Händen da.“

Der Kasseler Co-Trainer selbst fühlt sich emotional nicht mehr verbunden mit dem Wuppertaler SV. Er ist voll und ganz beim KSV Hessen, der finanziell zurzeit wieder „auf einem guten Weg“ sei.

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