Schnellcheck zur Relegation

Rettung in letzter Sekunde - HSV bleibt erstklassig

Später Hamburger Jubel: Der Chilene Marcelo Diaz (Zweiter von links) verwandelt einen Freistoß und wird von seinen Mannschaftskameraden verfolgt. Foto: dpa

Der Hamburger SV hatte den Abstieg schon vor Augen, traf dann in der Nachspielzeit und siegte in der Verlängerung 2:1 beim Karlsruher SC. Der Schnellcheck zur Relegation von unserem Sportredakteur Frank Ziemke.

Lange Zeit passierte wenig, dann wurde es dramatisch – und am Ende jubelte doch noch der Hamburger SV. Das Gründungsmitglied der Fußball -Bundesliga hatte den Gang in die Zweitklassigkeit schon vor Augen – und rettete sich wie im Vorjahr in buchstäblich letzter Sekunde. Nach dem 1:1 im Hinspiel führte Zweitligist Karlsruher SC bis zur Nachspielzeit 1:0. Dann trafen die Gäste zum Ausgleich und in der Verlängerung zum 2:1. Eine Wende wie ein Wunder – der Schnellcheck:

Wie war denn das Spiel?

Es waren zwei Spiele in einem. Erst eins, in dem die Angst mitspielte. Hier ging es nicht um die Freude am Fußball. Das hier war Existenzkampf. 50 Minuten passierte deshalb fast nichts. Der KSC verteidigte überraschend tief, Hamburg konnte etwas weniger überraschend aus seiner Überlegenheit nichts machen.

Das ging so bis zur 51. Minute. In der eröffnete Pierre-Michel Lasogga Spiel zwei, hatte die erste Torchance. Und dann, dann ging es nach und nach drunter und drüber. Der KSC wird forscher. Der KSC hat Chancen. Wie den Kopfball des Innenverteidigers Manuel Gulde, den HSV-Chilene Marcelo Diaz auf der Linie (69.) rettet. Und der KSC geht in Führung: Rouwen Hennings bedient Yabo, der zum 1:0 trifft. Ein spektakuläres Tor, ein so wichtiges Tor.

Das Tor, das die Badener nach sechs Jahren zurückgebracht hätte in die Erstklassigkeit. Doch plötzlich kann der HSV Angriff. Plötzlich kann er Kampf. Plötzlich kann er Torchance um Torchance. Lasogga köpft an den Pfosten. Gulde rettet auf der Linie. Und als alles zu spät scheint, da kann der HSV auch Tor. Diaz trifft mit einem zwar zweifelhaften, aber auch wunderschönen Freistoß in der Nachspielzeit. 1:1! Verlängerung. Und die Rückkehr zur Vorsicht. Es passiert kaum noch etwas. Bis, ja bis der eingewechselte Nicolai Müller eine Unaufmerksamkeit in der KSC-Abwehr nutzt (115.). Der Rest ist Tränen hier. Der Rest ist Jubel. Der Rest ist Rettung. Und nebenbei noch ein von Rene Adler gegen Hennings gehaltener Elfmeter sowie ein friedlicher Platzsturm der HSV-Fans.

War das Ergebnis gerecht?

Tja. Kaum zu sagen. Karlsruhe war im ersten Spiel besser, im zweiten dicht vorm Ziel. Der Aufstieg wäre gerecht gewesen. Doch der HSV zeigte Stärke, als er am Boden war. Auch so kann man Erfolg verdienen.

Wer war der Spieler des Spiels?

Ganz kurz schien dieser Mann Reinhold Yabo zu heißen. Reingekommen! Tor geschossen! Aufstiegsheld? Denkste. Es gab ja Marcelo Diaz. Der Chilene rettet auf der Linie. Und er erzielt in der Nachspielzeit sein erstes Tor überhaupt für den HSV. Einen besseren Moment für eine Premiere kann es nicht geben.

Gab es einen Gänsehautmoment?

Mehrere. Natürlich erst einmal die Stimmungsexplosion im Wildpark nach der Karlsruher Führung. Wirklich beeindruckend aber auch: Hamburgs Ersatzspieler, die vor der Verlängerung bei ihren Fans in der Kurve Stimmung machen.

Wie war die TV-Übertragung?

Nach 30 Minuten stellte ARD-Reporter Steffen Simon fest: „Relegation bedeutet eigentlich nie ganz großen Fußball.“ Es gab auch lange keine ganz große TV-Übertragung. Bis zur dramatischen Wende. Die rettete auch Simon, der von unaufgeregt auf aufgeregt umschalten konnte. Als Zugabe gab es die Verlängerung und die stets spitzfindig teffenden Beurteilungen eines Mehmet Scholl.

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