„Gefährdung vergleichbar mit einer Wunderkerze“

Revolution in den Fankurven? Ungefährliche Pyro-Fackel entwickelt

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Fans vom AS St. Étienne zünden im Spiel bei Manchester United Pyrotechnik in ihrem Block.

Kopenhagen - Sorgt diese Erfindung für eine Revolution in den Fankurven von Fußball-Stadien? In Dänemark wurde eine ungefährliche bengalische Fackel entwickelt.

Für einige Fußball-Fans gehören sie einfach dazu, für andere und den Gesetzgeber sind sie schlichtweg höchst gefährlich und deshalb strengstens verboten. Die Rede ist von Pyrotechnik, vor allem von bengalischen Feuern, die in den Fankurven der Fußball-Welt regelmäßig eingesetzt werden. Das Gefährliche: Diese Fackeln werden zwischen 1000 Grad und 1200 Grad heiß, das wird schon in nahem Umfeld gefährlich. Jetzt aber gibt es interessante Neuigkeiten aus Dänemark. Bei Bröndby IF aus Kopenhagen arbeiten Anhänger, Klub und zwei Pyrotechniker an einem vergleichsweise ungefährlichem bengalischen Feuer - mit ersten Erfolgen.

Seit rund einem Jahr werde an der Fackel getüftelt, erklärt Bröndbys Security Manager Mickel Lauritsen im Interview mit dem Magazin 11Freunde. Der Umgang mit Pyrotechnik sei „ein ständiges Streitthema, gemeinsam mit den Anhängern überlegen wir eigentlich dauernd, wie man die Debatte entschärfen kann“, erklärt er. „Dann trat ein Pyrotechniker mit der Idee von ungefährlichen Produkten an die Fans und an uns heran. Endlich ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Anhänger und den Sicherheitsbedenken der Klubs und Verbände. Die DFF (Vereinigung dänischer Fußballfans, Anm. der Red.) war begeistert, wir auch, und seither arbeiten wir zusammen.“

Immer wieder müssen Verein empfindliche Geldstrafen für Pyro-Vergehen ihrer Fans zahlen. Im Januar wurde der FC Bayern beispielsweise zu einer Strafe von 15.000 Euro verurteilt. Mainz 05 reagierte auf entsprechende Vorfälle noch härter und kündigte an, der Klub werde “der Ultra-Szene Mainz ab sofort für alle weiteren Auswärtsspiele dieser Saison keine Eintrittskarten mehr zur Verfügung stellen“.

„Wir reden über ein noch unfertiges Produkt“

Jetzt gibt es also die ersten „ungefährlichen Fackel“ - aber was unterscheidet sie von den bisher bekannten Fackeln und vor allem, warum ist sie weniger gefährlich? „Bengalische Feuer brennen meistens mit Magnesium, das sehr heiß wird“, erklärt Lauritsen. „Wir haben das Magnesium durch eine Chemikalie ersetzt, die bei sehr viel niedrigerer Temperatur brennt. Welche das ist, darf ich Ihnen leider nicht verraten. Durch die niedrige Temperatur bewegt sich unsere Fackel im Bereich der ‘low hazard fireworks‘, von der Gefährdung vergleichbar mit einer Wunderkerze. Wir reden über ein noch unfertiges Produkt.“

Fackel könnte noch 2017 in den Verkauf kommen

Hannovers Fans entzünden Pyrotechnik.

Aber über ein Produkt, das Bewegung in das festgefahrene Streitthema „Pyrotechnik“ bringen könnte. Die Anhänger in Dänemark jedenfalls sind sehr angetan von dem neuen Utensil. Lauritsen: „Die Fans freut nicht nur die Fackel, sondern vor allem auch, dass es diesen Prozess, diesen Dialog überhaupt gibt. Sie waren stets in die Produktion involviert und bringen nach wie vor Verbesserungsvorschläge ein. Wir versuchen, darauf einzugehen. So gibt es die Fackel mittlerweile in verschiedenen Farben, je nach Fanszene.“ Derzeit werde noch an der Helligkeit der Fackel gearbeitet.

Im Juli soll die Fackel von den Behörden eingestuft und zertifiziert werden, dann könnte sie zeitnah in Dänemark verkauft und eingesetzt werden. Der Preis soll dann bei sechs Euro pro Stück liegen.

fw

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