Ruhrnachrichten-Chefredakteur zum Klopp-Rücktritt: „Haben Hagel im Herzen“

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Acht Seiten Klopp-Rücktritt: Dr. Wolfram Kiwit, Chefredakteur der Ruhr Nachrichten.

Dortmund. Fußball-Trainer Jürgen Klopp hat am Mittwoch seinen Rücktritt von Borussia Dortmund angekündigt - und damit eine gesamte Stadt geschockt. Wir haben mit dem Chef der größten Dortmunder Zeitung Ruhr Nachrichten, Dr. Wolfram Kiwit, gesprochen.

Hat es in Dortmund Tränen geregnet? 

Dr. Wolfram Kiwit: Obwohl die Sonne scheint, haben die Dortmunder Sturm, Hagel und Regen im Herzen. Es herrscht große Verzweiflung. Es wird noch dauern, bis bei den Menschen der Stadt die Sonne wieder zum Vorschein kommt.

Wie haben Sie die erste Exklusiv-Meldung der „Bild“ am Mittwoch wahrgenommen? 

Kiwit: Ich saß auf einem Podium der Universität Dortmund und des Polizeipräsidiums zum Thema Rechtsradikalismus. Dann habe ich plötzlich gemerkt, dass das Publikum immer unruhiger wurde.

Und dann? 

Kiwit: Hat jemand gesagt, dass der BVB eine Pressekonferenz einberufen hat. Sofort war mir klar, was das bedeutet. Ich habe in der Redaktion angerufen und dort war natürlich jeder in Aufruhr. Wir haben das Vorgehen besprochen und uns für acht Seiten zum Thema „Klopp dankt ab“ entschieden. Zudem haben wir im Internet eine Seite erstellt, auf der Fans Danke sagen konnten. Das wurde auch unglaublich gut angenommen.

Wie war die Stimmung in der Stadt? 

Kiwit: Überall, wo man hinhörte, ging es nur um dieses Thema. Es war, als wenn hier der weltweite Nachrichtenstrom einen Moment pausierte und ein schwarzgelber Knall über diese Stadt niederging.

Was bedeutet der BVB für die Stadt Dortmund? 

Kiwit: Der BVB ist sehr entscheidend für das Lebensgefühl in der Stadt. Es ist die Marke der Stadt. Egal, wo man auf der Welt ist, überall wird Dortmund mit dem BVB verbunden und mit dem Verein gleichgesetzt. Und die Menschen empfinden hier auch so.

Wie hat Jürgen Klopp dieses Lebensgefühl geprägt? 

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Kiwit: Klopp kommt zwar nicht aus dem Ruhrgebiet, ist aber jemand, der genau hier herpasst. Er trägt das Herz auf der Zunge, ist immer direkt, witzig und sehr eloquent. Er hätte zweifellos auch „Wetten dass?“ moderieren können. Deshalb passt er so gut in die Region. Er hat einen wahnsinnigen Unterhaltungswert und das macht ihn hier auch zu einem Botschafter der Stadt und der Region. Egal, wer der neue Trainer wird, wird es nicht leicht haben.

Klopp galt im Umgang mit Journalisten nicht immer als einfach. Wie war das bei Ihrer Sportredaktion? 

Kiwit: Wir haben den direktesten Draht zum BVB, dennoch wird vom Klub versucht, das alles professionell einzugrenzen. Der Kontakt zu den Spielern wird reglementiert - und so war auch der Zugang zu Jürgen Klopp nicht selbstverständlich. Es gab Phasen, da sind wir nicht an ihn herangekommen, obwohl wir natürlich sein ganzes Umfeld kennen. Aber wir hatten natürlich immer mal wieder Kontakt mit ihm.

Wie reagieren die Fans im Heimspiel am Samstag? 

Kiwit: Die letzten Spiele von Klopp im eigenen Stadion werden sehr emotional. Der Tenor lautet „Danke für sieben geile Jahre“ - und das mit Tränen in den Augen. Das wird im Stadion schon zu spüren sein.

Zur Person

Dr. Wolfram Kiwit (53) ist seit 1999 Chefredakteur der Ruhr Nachrichten in Dortmund. Er studierte Germanistik, Publizistik und Politik in Münster, promovierte 1991 über "Arthur Schnitzler als Romancier". Er wurde in Wanne-Eickel geboren, lebt mit seiner Frau und zwei Kindern aber in Dortmund.

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