Sechs Gründe, die zum Debakel führten

Schalke-Klatsche gegen Real Madrid: Klasse hatten nur die Fans

Was für eine Pleite: Das Spiel des Jahres geriet für den Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 zum Gau des Jahres. 1:6 demontiert von Real Madrid. Es gab nur ein Trostpflaster – aber sechs Gründe, die zum Debakel führten.

1. Ein unglücklicher Auftakt. Als Außenseiter braucht man auch etwas Glück, will man gegen übermächtige Gegner gewinnen. Schalke hatte dieses Glück nicht. Der Kopfball von Benedikt Höwedes nach wenigen Sekunden strich knapp vorbei, Julian Draxler vergab die Ausgleichschance aus der Nahdistanz. Real machte aus den ersten beiden Chancen zwei Tore (Benzema 13., Bale 21.). Die Messe war da schon gelesen.

2. Ein innerer Zerfall. Nach einem frühen Rückstand hilft in solch ungleichen Duellen nur eins: unbedingter Zusammenhalt, um die Katastrophe zu verhindern. Schalke aber ist innerlich zerfallen. Mannschaftliche Geschlossenheit? War nicht mehr zu sehen. Jeder Blau-Weiße schien nur noch im Kopf zu haben, möglichst schnell aus dieser Geschichte herauszukommen. Ein Beispiel: Cristiano Ronaldo sollte permanent gedoppelt werden, stürmte wie vorm 0:5 (69.) aber ein ums andere Mal auf alleingelassene Verteidiger zu.

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3. Eine falsche Vorgabe? Schalke-Trainer Jens Keller sagt nach dem Spiel den Satz: „Nach dem 0:1 haben wir nicht mehr tief genug gestanden.“ Was zumindest die Frage aufwirft, ob die Gastgeber mit der richtigen Vorgabe in die Partie gegangen sind. Borussia Dortmund hatte die Spanier im Vorjahr bezwungen, weil es die Schwachstellen in Reals Defensive konsequent aufdeckte. Natürlich ist Schalke nicht Dortmund. Trotzdem schienen die Gastgeber nie den Gedanken zu haben, ihr Heil auch offensiv zu versuchen. Auch in der ordentlichen Anfangsphase spielten die Gastgeber ja nicht schwungvoll nach vorn.

4. Fehlende individuelle Klasse. Natürlich kann Schalke personell nicht aufgestellt sein wie Real. So deutlich aber sind einer deutschen Mannschaft international die Grenzen selten aufgezeigt worden. Weil Julian Draxler noch sichtbar an den Folgen seiner Verletzungspause litt, spielten eigentlich nur Jefferson Farfan, Torhüter Ralf Fährmann und in Ansätzen Kevin-Prince Boateng auf Augenhöhe mit den Gästen. Jüngere Akteure wie Max Mayer, Sead Kolasinac oder Leon Goretzka waren der Aufgabe noch nicht gewachsen. Erfahrene wie Felipe Santana, Joel Matip oder Höwedes sahen einfach nur alt aus im Wirbel der Gäste.

5. Vorhandene individuelle Klasse. Bei aller Kritik am mutlosen Schalker Auftritt darf eines nicht vergessen werden: den Hut zu ziehen vor dieser Real-Mannschaft. Senores, dieser Offensivwirbel war große Fußball-Kunst. Respekt!

6. Die Schere des Fußballs.  Sie klafft immer mehr auseinander. Gegen die Dominanz der absoluten Topteams kann schon die erweiterte Spitze nicht mehr mithalten. Was in der Bundesliga mit dem übermächtigen FC Bayern gilt, das trifft auf europäischer Ebene für eine Handvoll Klubs zu, die mit immer neuen Stareinkäufen ihre Stellung untermauern. Schalke-Manager Horst Held kritisierte nach der Partie: „Die haben 500 Millionen Verbindlichkeiten und kaufen weiter für 100 Millionen ein.“

UND DER TROST: War natürlich auch das Traumtor von Klaas-Jan Huntelaar. Viel wichtiger aber: Die demonstrative Unterstützung der Schalker Fans in der zweiten Häfte, die suchte ihresgleichen. Wenigstens auf den Rängen zeigte Schalke europäische Klasse.

Von Frank Ziemke

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