Klopp-Abschied ohne Titel

Der Schnellcheck zum DFB-Pokalfinale: Wolfsburg feiert, Dortmund trauert

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Berlin. Erstmals in der Vereinsgeschichte hat Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg den deutschen Pokal gewonnen. Der Schnellcheck zum Endspiel von Florian Hagemann.

Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking setzte sich in einem hochklassigen Finale im Berliner Olympiastadion mit 3:1 gegen Borussia Dortmund durch. Der Traum der Westfalen platzte damit: Trainer Jürgen Klopp nach sieben Amtsjahren mit einem Titel zu verabschieden. Und sonst:

Wie war das Spiel?

Von Anfang an so, wie sich das ein neutraler Betrachter von einem Finale wünscht: reich an Torraumszenen, an Tempo - und an Treffern. Den besseren Start erwischte dabei die Borussia aus Dortmund, die so spielte, als wollte sie einem sehr beliebten und erfolgreichen Trainer nach sieben Jahren Amtszeit einen glorreichen Abschied bescheren. Fünfte Minute: Flanke Shinji Kagawa, Direktabnahme Pierre-Emerick Aubameyang - 1:0, perfekt war der Traumstart für die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp.

Sie gab auch weiter den Ton an. Der VfL Wolfsburg erweckte den Eindruck, als sei das alles noch eine Nummer zu groß für ihn - bis Mitte der ersten Halbzeit. Da baute der BVB seinen Gegner auf: Erst vergab Marco Reus die Riesenchance zum 2:0 (18.), dann wehrte Torwart Mitch Langerak einen Freistoß von Naldo unzureichend ab, Luiz Gustavo traf zum 1:1 (22.). Fortan waren die Wolfsburger im Spiel. Sie legten nach, weil die Dortmunder das offenbarten, was ihnen schon die gesamte Saison über Bauchschmerzen bereitete: Schwächen in der Abwehr. Kevin de Bruyne schoss in der 33. Minute ungehindert aus 20 Metern zum 2:1 für den Vizemeister ein, Bas Dost erhöhte fünf Minuten später per Kopf zum 3:1.

So unglücklich auch Mitch Langerak, der den Vorzug vor Roman Weidenfeller erhielt, bei den Gegentoren war, so brillant bewahrte er sein Team gleich nach dem Wechsel vor dem 1:4. Gegen Daniel Caligiuri parierte er prächtig. So blieb es spannend, zumal die Dortmunder zu verstehen gaben, dass sie weiter alles geben würden. Allerdings: Kagawas Schuss ging kurze Zeit später knapp am Tor vorbei. Die Begegnung verlor nicht an Klasse - es gab weiter Möglichkeiten auf beiden Seiten. Reus schoss über da Wolfsburger Tor, erneut Caligiuri vergab die Entscheidung vor dem Dortmunder Tor. Es ging hin und her - knifflige Strafraumszenen inklusive. Am Ende aber stand es weiter 3:1 für die Niedersachsen, die nicht unverdient gewannen. Sie boten die technisch etwas versiertere Mannschaft.

Wer war der Held?

Der Wolfsburger Kevin de Bruyne hat auch in diesem Spiel gezeigt, dass er ein außergewöhnlicher Fußballer ist - und die Situationen erkennt, in denen der Gegner nicht geordnet steht. Er ist der Spieler des Spiels, aber einen leisen, anderen Helden hat diese Partie auch hervorgebracht: Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking. Er beweist immer mehr, dass er nicht nur Aufbauarbeit im Mittelfeld der Liga leisten kann. Seit Samstagabend steht fest: Der Ex-Kasseler kann auch Titel.

Wer war die tragische Figur?

Nun ja. Nach dem Seuchenjahr 2014 blieb für Dortmunds Marco Reus abermals die Rolle des Unglücklichen. Einen Tag vor seinem 26. Geburtstag verpasste er es, mit dem möglichen 2:0 die Wolfsburger noch mehr einzuschüchtern. Außerdem bleibt er ein Star ohne ganz großen Titel: Reus ist weder Deutscher Meister noch Weltmeister noch Pokalsieger.

Und Kloppo?

Wie heiß er in seinem letzten Spiel als Trainer der Borussia aus Dortmund war, zeigte eine Szene aus der 20. Minute: Da erkämpfte sich sein Innenverteidiger Neven Subotic den Ball an der Seitenlinie - vor Klopp. Klopp ballte die Fäuste, feuerte an. Aber all sein Engagement half nichts. Sein letzter Wunsch als Dortmunds Trainer bleibt unerfüllt: noch einmal mit dem Lkw um den Borsigplatz zu fahren und einen Titel zu feiern.

Was machte das Hawk-Eye?

Erstmals kam im deutschen Profi-Fußball die Torlinientechnik zum Einsatz. Wobei: Sie wäre zum Einsatz gekommen, hätte es eine brenzlige Situation gegeben. Gab es aber nicht. So war das Hawk-Eye arbeitslos.

Wie war die Atmosphäre?

Sie war einem Finale angemessen und ziemlich großartig. Die Wolfsburger Fans waren unter den 75815 Zuschauern im Berliner Olympiastadion zwar klar in der Unterzahl, sie beeindruckten aber mit einer Choreografie vor dem Spiel. Thema: Die Zeit ist reif! Für den ersten Pokalsieg.

Die Dortmunder Fans setzten ein bisschen Pyrotechnik dagegen - und ganz viel Herzblut. Auch nach dem 1:3 feuerten sie ihre Mannschaft bedingungslos an. Wie sehr diese Stadt den Fußball lebt, verdeutlicht diese Zahl: Nach Berlin sollen am Wochenende 150000 BVB-Anhänger gekommen sein. Dass nicht noch der ganze Borsigplatz mitgereist ist, war alles.

Allein, am Ende gab es nur Tränen auf schwarz-gelber Seite. Die Wolfsburger sangen dagegen: Oh, wie ist das schön.

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