Griezmann dreht Partie nach deutscher Führung

1:2 gegen Frankreich: Hurra, wir leben noch - aber verlieren trotzdem

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Mit Tempo vorbei: Deutschlands Leroy Sané im Laufduell mit den Franzosen Benjamin Pavard (links) und Kylian Mbappé. 

Joachim Löws Mut zur Jugend und zu Veränderungen wurde in der Nations League nicht belohnt - aber: Das knappe 1:2 der deutschen Fußballer gegen Frankreich war das ersehnte Lebenszeichen.

Auf einmal ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft klarer Außenseiter gegen Weltmeister Frankreich. Auf einmal sieht die Zukunft düster aus. Die Holländer sind Schuld. Wird nach dem zweiten Nations-League-Auftritt in vier Tagen alles noch viel schlimmer? Unser Schnellschneck zum Spiel des des DFB-Teams:

Hat Bundestrainer Löw denn auf den gruseligen Auftritt am Samstag reagiert?

Hat er. Fünf neue Spieler, ein neues System – viel mehr geht nicht. Dass Jérome Boateng nicht spielen würde, war ja klar. Der 30-Jährige war mit muskulären Problemen abgereist. In Abwesenheit des Weltmeisters stellte Löw gleich mal die Abwehr um: Dreierkette mit Thilo Kehrer, Mats Hummels und Niklas Süle, Matthias Ginter und Nico Schulz auf den Halbpositionen außen, Toni Kroos und Joshua Kimmich davor. Und vorn durften Serge Gnabry, Timo Werner und endlich auch Leroy Sané ran. Also 5-4-1 oder 3-4-3 – das war wohl die Vorstellung des Trainers.

Was sagten denn die sozialen Medien so vorab?

Das Online-Magazin Fums schrieb vor dem Anpfiff: „Frankreich gegen Deutschland, das ist ja aktuell Liberté, Egalité, Fraternité gegen Ohwehohwé, Ohjeminé, Katastrophé.“ So weit ist es seit 2014 schon gekommen.

War der Auftritt der Deutschen dann so schlimm wie von Fums angekündigt?

Überhaupt nicht. Zugegeben, die Franzosen hatten den besseren Start in die Partie und der Turbo von Frankreichs Superstar Kylian Mbappé legte den Geschwindigkeitsverlust von Mats Hummels noch einmal offen. Aber dann kam dieser Moment, der sich anfühlte wie das Verlassen des Schulgebäudes nach der letzten Abiklausur: Aufatmen. Endlich!

Endlich war da wieder Tempo im deutschen Spiel. Gnabry, Werner und Sané sei dank. Das Offensivtrio wurde in Szene gesetzt und zeigte das, was so lange gefehlt hatte. Statt statischen Kombinationen, die spätestens an der Strafraumkante enden, gab es Sprints, schnelles Umschalten und gefährliche Konter.

Hatte dieser Fußball denn auch Erfolg?

Hatte er. 13. Minute: Starker Ballgewinn von Kimmich, der schickt Sané über die rechte Seite, Flanke, Frankreichs junger Innenverteidiger Presnel Kimpembe blockt mit dem Arm. Strafstoß. Und das entscheidende an dieser Situation war, dass überhaupt ein deutscher Spieler diesen Lauf machte, die Hereingabe versuchte und die französische Abwehr mal etwas unsortiert war. Kroos übernahm anschließend Verantwortung und zitterte den Ball über die Linie. Hugo Lloris war dran.

Sané hätte nur sechs Minuten später schon nachlegen können, war allein auf dem weg zum Tor – zu uneigennützig. Er legte noch mal quer auf Werner, aber zu weit nach vorn. Wiederum nur fünf Minuten später scheiterte Ginter nach einer Ecke an Lloris.

Blieb das DFB-Team denn auch über 90 Minuten so konstant und konzentriert?

Gegen dieses französische Weltklasseteam ist es enorm schwer, über 90 Minuten keine größeren Chancen zuzulassen. Dennoch fiel der Ausgleich eher untypisch. Theo Hernández flankte scharf in die Mitte genau auf Antoine Griezmann. Dessen Kopfball senkte sich sensationell über Neuer hinweg ins Tor. 1:1 nach 62 Minuten. Und in der 80. Minute pfiff Schiedsrichter Milorad Mazic einen umstrittenen Strafstoß für den Gastgeber. Hummels hatte Blaise Matuidi allerdings nicht getroffen, der Franzose trat dem deutschen Verteidiger auf den Schuh und rutschte weg. Den Strafstoß verwandelte Griezmann sicher.

Wie fällt das Fazit nach der erneuten Niederlage aus?

Die deutsche Nationalmannschaft bleibt auch im vierten Spiel nach der WM ohne Sieg. Wie es für Löw weitergeht, ist schwer zu sagen. Dass der Trainer – ganz egal, wie er heißt – mehr auf die Jungen vertrauen sollte, zeigte dieses Spiel in Paris aber deutlich.

Wie war die Übertragung in der ARD?

Kommentator Gerd Gottlob hat in letzter Zeit wohl zu viele Länderspiele gesehen: Kein Tempo, keine Begeisterung. Ein Beispiel? „Und jetzt, ja, jetzt gibt es wohl Elfmeter für Deutschland.“ Damit war er gestern aber allein.

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