Porträt über den Kasseler Fußball-Profi

Ein Schnitzel für Stendera

Mann des Tages: Frankfurts Marc Stendera traf gegen Hannover gleich zweimal. Foto: dpa

Kassel. Es gibt eine Geschichte aus dem Jahr 2010, die sehr viel aussagt über den Kasseler Fußball-Profi Marc Stendera, der beim 2:1 in Hannover beide Tore für Frankfurt erzielte.

Heiko Illian, sein damaliger Trainer, erinnert sich gut.

Stendera spielte zu dieser Zeit mit der C-Jugend des OSC Vellmar gegen Offenbach um den Aufstieg in die Regionalliga. „Sechs Minuten waren noch zu spielen. Es stand 2:3. Wir brauchten noch ein Tor, um in die Verlängerung zu kommen“, erzählt Illian. „Da bekommen wir einen Freistoß auf Höhe des Strafraums, halbrechte Position. Ich wollte, dass ein Linksfuß schießt. Doch dann schnappt sich Marc Stendera gegen meinen Willen den Ball – und trifft in den Winkel. Es war unfassbar. Ich habe ihm danach natürlich sofort verziehen.“

Diese Geschichte macht so manches deutlich: Stenderas Kunst, ruhende Bälle perfekt zu verwerten – ob er nun flankt oder selbst aufs Tor zielt. Stenderas Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein auf dem Platz. Und schließlich: Stenderas unbändigen Willen. Illian sagt: „Stendera frisst dich auf dem Platz auf. Wenn es 10:0 steht, dann will er weiter Tore schießen und 15:0 gewinnen.“

Heiko Illian

Illian, 47 Jahre und mittlerweile Handball-Trainer beim Bezirksoberligisten VfL Wanfried, betont aber: „Stendera ist zugleich ein absoluter Mannschaftsspieler. Er hat schon damals trotz seiner Überlegenheit auch die Nummer 16 noch motiviert und Tipps gegeben. Mein Sohn, der damals mit ihm auf der Sechs gespielt hat, sagt heute, dass er von keinem so viel gelernt hat wie von Marc.“

Nach dem Aufstieg mit Vellmar wechselte Stendera zur B-Jugend der Eintracht nach Frankfurt. Auch wenn er bis Samstag mit noch nicht einmal 20 Jahren eine beeindruckende Bilanz in der Bundesliga aufzuweisen hatte, so ist das Spiel in Hannover womöglich Stenderas bisherige Sternstunde gewesen: zwei Tore, Mann des Spiels, der hinterher einen wahren Interview-Marathon durchlaufen musste.

Vor den Journalisten gab sich der Nordhesse so, wie ihn Illian beschreibt: ruhig und sachlich. Stendera sagte: „Ich habe zweimal den Ball bekommen, zweimal einen Haken geschlagen, zweimal nicht nachgedacht, und dann waren die Bälle drin.“

Trainer Armin Veh ohrfeigte seinen Schützling nach seiner Auswechslung nicht nur freundschaftlich, weil Stendera der Aufforderung nachging, auch mal Tore zu erzielen. Sondern Veh stellte dem 19-Järhigen auch eine Extra-Prämie in Aussicht: ein Schnitzel, nachdem Stendera vor der Saison auf Anraten Vehs seine Ernährung umgestellt und abgenommen hat. Mittlerweile ist Stendera Frankfurts Dauerläufer.

Einer für Löw?

Wohin führt der Weg des Junioren-Nationalspielers?  „Wenn er so weitermacht und verletzungsfrei bleibt, ist er nach der Europameisterschaft einer für Löw“, glaubt Heiko Illian, der 2010 mit Vellmar den Aufstieg in die Regionalliga feierte. Das Spiel gegen Offenbach ging nach Stenderas Tor zum 3:3 ins Elfmeterschießen. Den entscheidenden Treffer erzielte? Stendera.

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