Schöne Hertha-Erinnerungen an verblasste Zeiten

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Berlin siegt durch den Treffer von Mitchell Weiser (l). Foto: Stefan Puchner

Nach dem "Arbeitssieg" in Ingolstadt bescheinigt Hertha-Coach Dardai seinem Team einen Lernprozess. Ex-Bayern-Profi Weiser trifft, im Tor positioniert sich Kraft-Konkurrent Jarstein als Nummer-1-Kandidat. Die Verlierer hadern nach 18:5 Torschüssen mit dem Fußball-Gott.

Ingolstadt (dpa) - Für Schönheitspreise fühlte sich Pal Dardai schon in seiner Zeit als Fußball-Profi bei Hertha BSC nicht zuständig. An dem mehr erkämpften als erspielten 1:0 (1:0) beim vergeblich anstürmenden Aufsteiger FC Ingolstadt hatte der Berliner Trainer darum auch wenig auszusetzen.

"Das war ein richtiger Arbeitssieg", sagte Dardai, der "stolz" auf seine Mannschaft war. Schließlich ist für den Fußballlehrer aus Ungarn ehrliche Maloche auf dem Platz ein ausgesprochenes Gütesiegel: "Wir wollen immer fleißig sein!"

Und Fleiß zahlt sich aus. Der Hauptstadt-Club bewegt sich in der Bundesliga nach dem 10. Spieltag im illustren Kreis von Topvereinen wie Dortmund, Schalke, Wolfsburg und Leverkusen, die um die Champions-League- und Europa-League-Plätze mitspielen. Und die Parallelen zur Saison 1998/99, als die Berliner als Tabellendritter in die Königsklasse stürmten, sind verblüffend: Heute wie vor 17 Jahren weist die Hertha nach zehn Partien fünf Siege, zwei Remis, drei Niederlagen und 17 Punkte auf. "Das ist aber auch die einzige Parallele", wiegelte Manager Michael Preetz in Ingolstadt ab.

Auch Dardai sah keine Veranlassung, nach dem schon sechsten Auswärtsspiel eine Korrektur des Saisonziels vorzunehmen. "Erstmal 40 Punkte sammeln", lautet weiterhin die Marschroute des 39-Jährigen. Bodenständigkeit ist im schnell euphorischen Berlin angesagt.

"Es sind erst zehn Spiele gespielt", mahnte auch Mitchell Weiser. Der vom FC Bayern verpflichtete Youngster war mit seinem abgefälschten Linksschuss in der 11. Minute der Matchwinner. Dardai lobte seinen "kleinen Spielmacher", der als rechter Verteidiger nach drei Assists sein erstes Tor für Hertha erzielte. Und hätte der eingewechselte Jens Hegeler in der Ingolstädter Sturm-und-Drang-Phase nach der Pause aus 16 Metern nicht das leere Tor verfehlt, hätte wohl jeder von einer richtig reifen, abgezockten Leistung der Gäste geschwärmt. "Es war fast schwerer vorbeizuschießen", staunte Preetz über Hegelers Fehlschuss, der das Zittern bis zum Abpfiff verlängert hatte.

Beim Lob für die Abwehr hob Dardai explizit Torwart Rune Jarstein hervor, der gefährliche Schüsse von Markus Suttner (83.) und Pascal Groß (90.+2) parieren konnte. Der Nummer-1-Status des noch nicht wieder fitten Stammkeepers Thomas Kraft gerät in Gefahr.

Dardai bescheinigte seinen Spielern einen "Lernprozess", nachdem sie eine Woche zuvor auf Schalke noch in der Nachspielzeit verloren hatten. "Am Ende war es eine Willenssache, das 1:0 zu verteidigen", sagte der gute Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Nicht Platz fünf sei wichtig, "was zählt, sind 17 Punkte nach zehn Spieltagen".

14 Zähler sind auch für die Ingolstädter weiterhin okay. Trotzdem befindet sich der Neuling nach erstmals zwei Niederlagen in Serie in einem Negativtrend. Zumal die nächsten beiden Gegner Schalke und Gladbach heißen - jeweils auswärts. Trainer Ralph Hasenhüttl haderte nach dem Nullertrag aus 18:5 Torschüssen und 26:5 Flanken mit dem Fußball-Gott. "Der will da oben noch ein bisschen mehr von uns sehen, dann werden wir auch wieder belohnt", meinte Hasenhüttl: "Wir haben eine Phase, in der die engen Spiele nicht auf unsere Seite kippen." Kapitän Marvin Matip benannte ungeschminkt den entscheidenden Unterschied am Samstagabend: "Hertha war definitiv effektiver."

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