Zurück in der 2. Bundesliga

Kasseler Tim Knipping nach Dynamo Dresdens Aufstieg: „Schon ein kleiner Kater da“

Paul Will, Kevin Ehlers, Chris Löwe, Tim Knipping, Torwart Kevin Broll und Sebastian Mai feiern mit Betreuern und Helfern.
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Der Jubel kennt keine Grenzen: Dynamo Dresdens Spieler Paul Will, Kevin Ehlers, Chris Löwe, Tim Knipping, Torwart Kevin Broll und Sebastian Mai feiern mit Betreuern und Helfern den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Für die Profis von Dynamo Dresden gab es nach dem 4:0 gegen Tükgücü München und dem damit verbundenen Wiederaufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga Pizza und Bier auf dem Rasen, vor dem Stadion kam es dagegen zu schweren Ausschreitungen.

Wieder einmal. Nun soll eine Aufarbeitung stattfinden, die auch von der Politik gefordert wurde. Wir beleuchten die Situation rund um den Ost-Klub, bei dem auch der aus Kassel stammende Profi Tim Knipping unter Vertrag steht.

Das Sportliche

Zwei Punkte Vorsprung haben die Dresdner an der Tabellenspitze der 3. Liga auf Verfolger Hansa Rostock. Mit einem Sieg am kommenden Wochenende beim SV Wehen Wiesbaden wäre auch die Meisterschaft perfekt. Selbst ein Unentschieden würde reichen, da Dynamo das wesentlich bessere Torverhältnis hat.

Nach der Saison geht es dann um die Zukunft – vor allem um die von Trainer Alexander Schmidt. Der würde gern bleiben, doch sein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Der 53-Jährige hatte das Amt erst am 26. April von Markus Kauczinski übernommen und den Klub mit vier Siegen und einem Unentschieden zum direkten Aufstieg geführt. In dieser Zeit kassierte sein Team kein einziges Gegentor.

Die Krawalle

500 gewaltbereite Dynamo-Anhänger hatten die Polizei mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen attackiert. Daneben gab es auch Angriffe auf Journalisten. Bei den Ausschreitungen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion wurden 44 Menschen verletzt, die größtenteils in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden. 17 Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz wurden eingeleitet, 30 Personen kamen in Gewahrsam. Bereits morgen steht im sächsischen Pokal das Halbfinale gegen Lok Leipzig an – ein Verein, der zu den Hauptrivalen der Dresdner Ultras zählt. Die Polizei ist also weiterhin in allergrößter Alarmbereitschaft.

Der Kasseler

Tim Knipping gab am Tag nach dem Aufstieg zu: „ Es ist schon ein kleiner Kater da.“ Der 28-Jährige gehört zu den absoluten Leistungsträgern bei Dynamo, verpasste nur zwei Spiele wegen Sperren. Für Knipping, der im vergangenen Sommer von Regensburg nach Dresden gewechselt ist, war es sportlich eine überragende Saison. „Ich habe extra den Schritt zurück in die 3. Liga gemacht, weil ich wieder mehr spielen wollte. Markus Kauczinski habe ich viel zu verdanken, weil er mir von Anfang an das Vertrauen geschenkt hat. Es hat sich gelohnt. Ich bin super glücklich, fühle mich wohl und geschätzt,“, sagt der 28-Jährige, der in den vergangenen Jahren mehrmals schwer verletzt war.

Bereits in der vergangenen Woche war Knipping nach dem 2:0-Sieg gegen Viktoria Köln nach dem Abpfiff in Tränen ausgebrochen. Die Geschichte dahinter: „Ein Familienmitglied, dem ich sehr nah stehe, ist schwer an Corona erkrankt. Der Zustand ist immer noch sehr kritisch, er kämpft um sein Leben. Ich habe ihm vor dem Spiel noch eine Nachricht geschickt, dass ich alles geben werde. Nach dem Spiel ist dann alles abgefallen. Emotionen kann man nicht steuern“, sagt er.

Das ging am Sonntag auch vielen Fans nach dem Aufstieg so. Knipping dazu: „Wir haben viele positiv verrückte Fans. Sie haben sich ein Jahr zurückgehalten. Aber natürlich darf es nicht zu Gewalt kommen. Es ist schlimm zu sehen, wenn es Verletzte gibt.“ Dass er nicht ein Mal einen Fan gesehen habe in dieser Saison sei ein kleiner Wermutstropfen. „Es ist wunderschön – aber auch der traurigste Aufstieg, den ich je erlebt habe“, sagt er. (Maximilian Bülau und Torsten Kohlhaase)

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