Sonntag gegen Armenien

Die deutsche Nationalmannschaft unter Hansi Flick: Schwächen noch nicht überschminkt

Hansi Flick
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Hat noch viel Arbeit vor sich: Der neue Bundestrainer Hansi Flick, der hier auf sein TV-Interview am Donnerstag vorbereitet wird.

Die Erwartungen waren riesig an Hansi Flicks Debüt als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Nach enttäuschenden Jahren und enttäuschenden Leistungen zuletzt unter Joachim Löw war die Hoffnung groß, dass nun alles besser wird. Zwar gewann das DFB-Team das erste Spiel mit dem 56-Jährigen an der Seitenlinie 2:0 (1:0) gegen Liechtenstein. Doch ein 2:0 gegen den Fußball-Zwerg ist eben doch nicht das, was erwartet wurde. Vielmehr wurden auch unter dem neuen Coach die alten Probleme sichtbar. Wir schauen darauf, was nicht gut lief und was am Sonntag beim Heimspiel in der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart gegen Armenien (20.45 Uhr/RTL) besser werden muss.

Was nicht gut lief

Flick änderte das System, ließ in seiner beim FC Bayern erfolgreichen 4-2-3-1-Grundordnung spielen. Heißt auch: Vierer- statt Dreierkette – das hatte er vorher bereits verkündet. Joshua Kimmich lief in Abwesenheit des angeschlagenen Manuel Neuer als Kapitän auf, ist als zentraler Mittelfeldspieler gesetzt. In der Startelf standen Thilo Kehrer, Ridle Baku, Jamal Musiala und Leroy Sané. Doch das Personal sollte – ohne überheblich klingen zu wollen – gegen den Weltranglisten-189. Liechtenstein, davor steht Bangladesch, dahinter Brunei Darussalam, dann doch eher zweitrangig sein.

Es vergingen 25, 30, 35 Minuten – und immer noch stand es 0:0. Deutschland hatte am Ende 86 Prozent Ballbesitz und feuerte 30 Schüsse aufs Tor ab. Gefährlich wurde es dennoch nur selten. Die Tore erzielten Timo Werner (41.) und Sané (77.), dem anzumerken war, dass er unbedingt eine gute Leistung zeigen wollte. Sein Treffer war eine Einzelaktion, Werner wurde wunderbar von Musiala bedient. Ansonsten fand aber kaum mal ein deutscher Spieler die Lücken im Liechtensteiner Abwehrriegel.

Dieses Anrennen ohne Ideen erinnerte dann doch schon sehr an die Zeit unter Löw. Kimmich sagte hinterher, man habe es zunächst mit Chipbällen hinter die Abwehr, dann mit Flanken und schließlich mit Kurzpassspiel probiert, aber nicht das richtige Mittel gefunden. Das deutsche Offensivspiel bleibt das größte Problem, ist wenig kreativ, zu statisch. Positiv formuliert könnte es heißen: Flick hatte bei bislang drei gemeinsamen Trainingstagen noch nicht genug Zeit. Negativ gesehen könnte es auch lauten: Er hat auch nicht das richtige Rezept für ein Team ohne einen wirklichen Mittelstürmer.

Was besser laufen muss

Gegen eine ausschließlich verteidigende Liechtensteiner Mannschaft waren die Ballbesitzphasen, in denen nichts passierte, zu lang. Wie im Handball, wenn irgendwann das Zeitspiel droht, muss die deutsche Elf schneller ins Tempo kommen. Flick sprach vor seinem Amtsantritt von einer „All-In-Mentalität“, also davon, viel mutiger zu sein und viel öfter den risikoreichen Pass in die Schnittstelle zu spielen. Es kann nicht sein, dass es Niklas Süle gegen einen Gegner wie Liechtenstein mehrfach aus der Distanz versucht.

Gegen Armenien darf das DFB-Team aber auch die Balance nicht außer Acht lassen. Denn der aktuelle Tabellenführer der Gruppe J um den Ex-Dortmunder Henrich Mchitarjan wird sich nicht nur hinten rein stellen. Hier ist neben der erstmals unter Flick geforderten Abwehr schnelles Umschalten gefragt, vor allem über die Außenpositionen. Ein Vorteil könnte dann sein, dass im gegnerischen Strafraum etwas mehr Platz sein dürfte. Und die Chancen, die gegen Liechtenstein noch frei vor dem Tor vergeben wurden, müssen dann eben auch mal verwertet werden. (Maximilian Bülau und Torsten Kohlhaase)

Voraussichtliche Aufstellungen:

Deutschland: Neuer (Bayern München/35 Jahre/104 Länderspiele) - Hofmann (Borussia Mönchengladbach/29/4), Süle (Bayern München/26/32), Rüdiger (FC Chelsea/28/45), Raum (TSG 1899 Hoffenheim/23/0) - Kimmich (FC Bayern München/26/60), Goretzka (FC Bayern München/26/36) - Gnabry (Bayern München/26/27), Reus (Borussia Dortmund/32/45), Musiala (Bayern München/18/6) - Werner (FC Chelsea/25/43)

Armenien: Jurtschenko - Hambardsumjan, T. Woskanjan, Calisir, K. Howhannisjan - A. Korjan, A. Grigorjan, Udo, Wardanjan - Adamjan, Mchitarjan

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