Viele Höhepunkte und auch ein paar Rückschläge

Seit 2004 ist Bundestrainer Joachim Löw beim DFB: Ein Rückblick

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Nachdenklich: Bundestrainer Joachim Löw beoachtet am Rande der Coaching-Zone das Spiel gegen Südkorea.

Kassel. Joachim Löw hat nach dem Vorrunden-Aus in Russland seine Zukunft offengelassen. Erst kurz vor der Weltmeisterschaft hatte er seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund bis 2022 verlängert. Ein Rückblick auf Löws Zeit beim DFB – mit vielen Höhepunkten und weniger Rückschlägen.

Präsident Reinhard Grindel gab ihm am Tag vor dem Scheitern eine Jobgarantie. Nach dem 0:2 gegen Südkorea sagte Löw, er brauche ein paar Tage. Die Frage, ob er noch der Richtige für den Neuaufbau sei, sei schwierig zu beantworten.

• Erstes Spiel als Co-Trainer am 18. August 2004 (3:1 in Österreich): Löw steht im Schatten des neuen Bundestrainers Jürgen Klinsmann, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Warum er Löw zu seinem Assistenten gemacht hat, erschließt sich nicht jedem. Klinsmann begründet es damit, dass Löw ihn beeindruckt habe, als beide gemeinsam den Trainerschein machten. Kürzlich gestand Löw, dass er wohl nur Co wurde, weil er damals gerade arbeitslos war.

• Die WM 2006: Der Beginn eines Sommermärchens, das fast zwölf Jahre dauerte. Die deutsche Elf glänzt als Dritter, alle feiern Klinsmann und ein bisschen auch Löw. Er erarbeitet sich den Ruf des Taktikfuchses im Hintergrund. Als Klinsmann seinen Abschied bekannt gibt, ist schnell klar, wer ihm folgen soll: Löw. Bedenken? Keine.

• Sein erstes Spiel als Chef, 18. August 2006 (3:0 gegen Schweden): Es ist noch ein wenig ungewohnt, Löw ohne Klinsmann an der Seitenlinie zu sehen. Löw ist damals ein eher schmächtiger und doch eleganter Mann. Was schnell klar wird: Er legt Wert auf das schöne Spiel – und kann auch ohne Klinsi. Zwei Tore schießt bei Löws Debüt im Übrigen ein gewisser Miroslav Klose.

• Die EM 2008: Löws Bewährungsprobe gelingt – nach einer Zittervorrunde. Löw ist längst der Bundes-Jogi, der durchaus auch neue Seiten an sich zeigt. Das Viertelfinale gegen Portugal muss er auf der Tribüne verbringen. Er ist so nervös, dass er zur Zigarette greift. Im Finale werden ihm und der deutschen Elf die Grenzen aufgezeigt: 0:1 gegen die Spanier, die Löw als Vorbild ausruft.

• Die WM 2010: Löw bastelt an der Mannschaft, die nach seinen Vorstellungen funktioniert: Das Alphatier Torsten Frings hat er bereits aus dem Team beseitigt, Kapitän Michael Ballack fällt verletzt aus. Löw scheint das nicht ungelegen zu kommen. Er will flache Hierarchien, er baut auf die jungen Spieler. Die Elf begeistert. Nur an den Spaniern kommt sie nicht vorbei: 0:1 im Halbfinale.

• Die EM 2012: Nach sechs fast durchweg erfolgreichen Jahren der erste Rückschlag: Die Niederlagen bei den Turnieren zuvor gegen übermächtige Spanier wurden Löw verziehen. Das Halbfinal-Aus gegen Italien nicht so sehr. Bis heute hängt ihm die Kritik nach, seine Taktik zu sehr auf den Gegner abgestimmt zu haben. Er hatte Andrea Pirlo von Toni Kroos in Manndeckung nehmen lassen. Das war nicht aufgegangen. Anschließend kommt die Leitwolf-Diskussion auf – befeuert durch ein 4:4 nach 4:0 gegen Schweden 2013.

• Die WM 2014: Der Höhepunkt. Der Sommer in Brasilien macht Löw endgültig zu einem der Großen. Der Titelgewinn wird dem Trainer angerechnet, der immer wieder richtige Anpassungen im Team vornimmt. Löw ist deutlich gealtert, wirkt reifer. Erste graue Haare werden sichtbar. Aber er besticht in Südamerika auch durch neu gewonnene Lässigkeit.

• Die EM 2016: Nach dem Erfolg kann Löw nur fallen. Doch er fällt weich. Dem ersten Sieg gegen Italien bei einem großen Turnier folgt das Halbfinal-Aus gegen Gastgeber Frankreich. Die Kritik bleibt leise. Mehr Aufsehen erregt da sein Geruchstest nach dem Griff in die Hose.

• Der Confed-Cup 2017: In Russland gewinnt Löw ein Jahr vor der WM mit dem Perspektivteam. Bei Löw ist neues Feuer zu spüren. Und er lässt Deutschland träumen. Wer soll uns stoppen, wenn erst die Weltmeister noch dazukommen?

• Der Tiefpunkt: Was folgt, ist wohl Löws einsamster Moment in seiner Amtszeit. Eine – seine – deutsche Mannschaft scheidet erstmals in der WM-Vorrunde aus. Was bleibt, sind Fragen.

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