Serbien erwägt Protest nach Niederlage gegen Schweiz

Serbien-Trainer attackiert Schiedsrichter Brych übel und zieht Kriegsverbrecher-Vergleich

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Schiedsrichter Felix Brych im Gespräch mit Serbiens Aleksandar Mitrovic. 

Der serbische Fußballverband will sich nach der 1:2-Niederlage gegen die Schweiz offenbar bei der FIFA beschweren. Trainer Krstajic schockt mit einer Aussage zum deutschen Schiedsrichter Brych. 

Kaliningrad - Felix Brych stand nach 96 anstrengenden Minute ausgelaugt im Regen von Kaliningrad und wusste wohl schon bei seinem Abpfiff, dass er gleich in die Traufe kommen würde. Die Serben entluden ihren Frust über das 1:2 (1:0) im brisanten WM-Duell gegen die Schweiz fast schon erwartungsgemäß am deutschen Schiedsrichter. Der 42-Jährige hatte sich in dem schwer zu leitenden Spiel insgesamt gut aus der Affäre gezogen, bei der entscheidenden Szene aus Sicht der Serben konnte der Münchner aber nur verlieren. 

Am Tag nach der Partie schockte Trainer Mladen Krstajic die Öffentlichkeit mit einem Kriegsverbrecher-Vergleich, den der Weltverband FIFA wohl nicht ungestraft lassen wird. "Ich würde ihn nach Den Haag schicken", sagte der frühere Bundesligaprofi in Anlehnung an den Sitz des Kriegsverbrecher-Tribunals: "Damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben."

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Verbands-Vizepräsident Savo Milosevic witterte sogar eine Verschwörung gegen sein Land und reichte nach eigenen Angaben einen "offiziellen Protest" beim Weltverband FIFA ein. "Wie schon im ersten Spiel gegen Costa Rica wurde der Videobeweis zu unseren Ungunsten nicht angewandt", sagte Milosevic mit Blick auf die Video-Assistenten Felix Zwayer (Berlin) und Bastian Dankert (Rostock): "Vielleicht funktioniert der Videobeweis nur für einige Teams. Das ist skandalös."

"Ich kann nicht glauben, dass ein Deutscher für ein Schweiz-Spiel angesetzt wird“

Die Spieler schlugen in dieselbe Kerbe. "Mit den Schweizer Spielern gab es kein Problem. Nur mit dem Schiedsrichter gab es ein Problem", schimpfte Mittelfeldstar Nemanja Matic von Manchester United. Der Kapitän wurde noch deutlicher. "Ich kann nicht glauben, dass ein Deutscher für ein Schweiz-Spiel angesetzt wird. Die haben die ganze Zeit Deutsch gesprochen", sagte Aleksandar Kolarov: "Ich hab sie dauernd gebeten, Englisch zu sprechen - wir sind ja nicht in Deutschland. Es war ein klares Foul an Aleksandar Mitrovic."

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Stein des Anstoßes war die Szene in der 66. Minute. Die beiden Schweizer Abwehrspieler Fabian Schär und Stephan Lichtsteiner lieferten sich in ihrem Strafraum einen Ringkampf mit dem serbischen Stürmer Mitrovic. Doch auch nach zig Wiederholung war nicht klar zu erkennen, wer wen als erstes gefoult hatte und was eher ahndungswürdig war. Undankbarer kann es für einen Referee nicht sein. Denn egal, für wen er pfeift - eine Seite wird sich immer aufregen.

Die Entscheidung Brychs auf Freistoß zugunsten der Schweizer war in jedem Fall vertretbar. Deshalb war sie auch kein Fall für den Videobeweis, der nur bei klaren Fehlern des Referees zum Einsatz kommen darf.

Serbische Medien mit schweren Vorwürfen

Doch nicht nur die Serben vor Ort regten sich tierisch auf. Auch die Medien in der Heimat stellen Brych, der mit seinen Assistenten Stefan Lupp (Zossen) und Mark Borsch (Mönchengladbach) nach langen Tagen des Wartens endlich pfeifen durfte, an den Pranger.

"Die Schiedsrichterleistung des Deutschen Felix Brych war eine Schande", schrieb Sportski zurnal: "Für alle Zuschauer im Stadion war das ein Elfmeter, auch ohne Videobeweis - nur Brych war anderer Meinung." Und die Tageszeitung Blic fragte: "Herr Brych, wissen Sie, dass es den Videobeweis gibt?"

Für Brych, der nach seinen zwei Einsätzen in der WM-Vorrunde vor vier Jahren zum dritten Mal auf der großen Bühne ran durfte, ist der ganze Rummel mit Blick auf weitere WM-Einsätze nicht förderlich. Dabei hatte sich der Abteilungsleiter beim Bayerischen Fußball-Verband, der 249 Bundesligaspiele und zahlreiche Europacup-Partien inklusive Finals auf dem Buckel hat, vor der Endrunde hohe Ziele gesetzt: "Natürlich würden wir gerne die K.o.-Phase erreichen."

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SID

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