Ex-Profis kicken jetzt in der Kreisklassen

Interview mit dem neuen Trainer der Bender-Zwillinge: „Sie trinken auch ein Bier mit“

Lars (links) und Sven Bender.
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Nun vereint in der Kreisklasse: Die Brüder Lars (links) und Sven Bender spielen jetzt in Bayern für den TSV Brannenburg.

Ende des Jahres 2020 gaben die Zwillinge Lars und Sven Bender ihr Karriereende bekannt. Die beiden Fußballer liefen in der Bundesliga zuletzt gemeinsam für Bayer Leverkusen auf.

Kassel – 32 Jahre alt sind die auf dem Platz für ihren unermüdlichen Einsatz bekannten Defensivspieler. So ganz haben sie dem Fußball dann aber doch noch nicht abgeschworen. Die Brüder aus Rosenheim schnüren ihre Schuhe nun für den TSV Brannenburg, einen Kreisklasse-Klub aus Bayern, ihr Heimatverein. Trainer von Brannenburg ist Hans Nietzold. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Nietzold, wie lange kennen Sie die Benders?

Ich kenne beide erst seit sieben, acht Wochen. Also persönlich. Im Fernsehen habe ich sie oft gesehen, und sie waren auch schon früher bei Spielen von Brannenburg, wenn sie frei hatten.

Mal vorab: Wie kann sich eine Mannschaft aus der Kreisklasse die Benders leisten? Zusammen kamen sie zuletzt noch auf einen Marktwert von mehr als acht Millionen Euro.

(lacht) Bei uns bekommt kein Spieler Geld. Die beiden natürlich auch nicht. Das würden sie auch nie fordern.

Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Wir haben immer noch drei, vier Spieler im Kader, mit denen Lars und Sven in der F- und E-Jugend zusammen gespielt haben. Sie haben den Kontakt gehalten. Und die beiden haben wohl immer gesagt: ‘Wenn wir aufhören, dann spielen wir noch mal für Brannenburg.’ Da gab es eine Abmachung.

Konnten Sie es denn glauben, dass zwei Ex-Profis – zudem noch in gutem Fußballer-Alter – für Ihren Klub spielen möchten?

Es stand natürlich die Frage im Raum: Spielen die am Ende wirklich? Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, aber es ist auch eine riesige Freude. Sven trainiert schon seit sechs Wochen mit, Lars war noch nicht so oft dabei, weil er Probleme mit dem Knie hatte.

Wie läuft so eine Trainingseinheit mit zwei Ex-Profis dann ab?

Das ist überhaupt kein Problem. Beide ordnen sich total ein, sind genauso dabei wie jeder andere. Sie tragen das Tor vom Nachbarplatz rüber, füllen Trinkflaschen auf und haben Kabinendienste. Das wollen sie auch selber.

Und wie ist es für Sie als Trainer? Verspüren Sie einen größeren Druck?

Es ist ungewohnt, das gebe ich zu. Sven und Lars haben mit Heynckes, Klopp und Tuchel gearbeitet. So kann ich ja gar nicht sein. Aber sie geben einem nicht das Gefühl, dass man unterklassig spielt. Sie machen die Übungen mit und verbessern nichts, sind ganz normal dabei. Das macht es einfacher.

Es kann sicher auch hilfreich sein, zwei so erfahrene Spieler dabei zu haben.

Klar, wir haben auch schon zusammengesessen und uns ausgetauscht. Ihre Meinung ist mir wichtig. Sie geben Anregungen und haben viel Erfahrung. Es wäre bestimmt nicht klug, wenn ich das nicht nutze.

Verändert sich die Zielsetzung durch diese beiden Neuzugänge?

Wir haben in den vergangenen beiden Jahren gegen den Abstieg gespielt. Unser Ziel für dieses Jahr war es, junge Spieler einzubinden und nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Daran halten wir fest. Was die beiden ausmachen, schauen wir dann. Wir können die Zielsetzung im Winter ja noch anpassen.

Ihre Gegner haben sicherlich etwas mehr Respekt.

Ich setze die beiden im Mittelfeld ein. Und klar, den Respekt hat man auch schon bei unserem 5:2-Auftaktsieg gesehen. Es ist schon so, dass man sich in Sachen Defensive nun etwas weniger Gedanken macht und beruhigter aufs Spielfeld schaut.

Wirken die Benders auch als Zuschauermagnet?

Wir haben das bislang noch nicht so rausposaunt, dass sie für uns spielen. Wir waren ja auch noch nicht zu 100 Prozent sicher, dass es so kommt. Aber es gab Gerüchte. Wir haben sonst etwa 100 Zuschauer, zum Auftakt waren jetzt 400 da – obwohl das Wetter schlecht war.

Eine Sache noch.

Ja.

Bei Ihnen gibt es doch sicher auch mal ein Bier nach dem Training, oder?

Na klar.

Und die Benders?

Sie trinken auch ein Bier mit.

Zur Person

Hans Nietzold (51) ist seit eineinhalb Jahren Trainer des TSV Brannenburg, einem Klub aus der Kreisklasse 1 in Bayern. Er selbst spielte früher unter anderen für den Sportbund Rosenheim. Nietzold ist verheiratet und hat drei Kinder. Neben seinem Job als Trainer arbeitet er für das Jobcenter. (Maximilian Bülau)

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