Vor dem Bundesliga-Neustart

Es geht schnell wieder zur Sache - Sieben Prognosen zum Bundesliga-Neustart

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Es geht wieder los: Dieser Zweikampf ereignete sich Mitte Dezember in der Leverkusener Bay-Arena statt.

Nach der Coronapause geht es in der Bundesliga wieder los. Wie präsentiert sich der Fußball? Mit Experte Matthias Hamann haben wir sieben Prognosen aufgestellt.

Die Bundesliga ist zurück. Nach mehr als zwei Monaten Corona-Zwangspause legt der Profifußball wieder los – begleitet von Skepsis und Kritik auf der einen und viel Vorfreude auf der anderen Seite. Was Gegner und Befürworter des Neustarts eint, sind Fragen, wie sich der Fußball präsentieren wird. Wir haben unsere eigenen sieben Prognosen aufgestellt und sie von Experte Matthias Hamann einschätzen lassen:

Prognose 1

Spielstarke Teams setzen sich durch. Ohne Fans bleibt der Faktor Emotionen auf der Strecke. Stattdessen herrschen Zustände wie in einem Labor, und davon profitieren spielstärkere Mannschaften.

Hamann sieht es ähnlich: „Gerade bei kleineren Klubs wie Union Berlin und Paderborn wächst mithilfe der Zuschauer das Selbstvertrauen. Sind die nicht da, haben es besser besetzte Teams definitiv einfacher.“ Hamann spricht von einer Art Trainingssituation unter Wettkampfbedingungen. Mit der Stille umzugehen, sei vor allem eine „mentale Geschichte“. Top-Profis seien heutzutage aber so gut ausgebildet, „dass sie in ihre Technik und Fähigkeiten vertrauen. Wie viele Fans auf der Tribüne stehen, ist da eigentlich egal.“

Prognose 2

Das Spiel verliert an Dynamik. Das Risiko einer Infektion steckt in den Köpfen. Deshalb agieren die Profis vorsichtiger. Das Spiel wird deshalb auch körperloser und langsamer.

Hamann vermutet hingegen, dass es schnell wieder zur Sache geht. Die Teams könnten es sich nicht erlauben, im Schonmodus aufzulaufen. „Vielleicht ist der eine oder andere in den ersten Aktionen gehemmt. Aber das hat sich schnell erledigt.“ Der Experte geht davon aus, dass Gedanken an die Corona-Pandemie schnell verfliegen werden. Vielmehr werde die Freude überwiegen, wieder spielen zu dürfen. Insofern werde es kein vorsichtiges Abtasten geben und das Spiel genauso dynamisch sein wie vor der Coronapause.

Prognose 3

Der Heimvorteil ist weg. Wegen der fehlenden Fans spielt es nun keine Rolle, in welchem Stadion die Mannschaften auflaufen.

Generell sieht Hamann den Spielort nicht mehr als entscheidenden Faktor. Ausnahmen bildeten Teams, die in schwierigen Situationen stecken. Da könne es helfen, vor eigenem Publikum zu spielen. Da treffe die Floskel zu, dass die Mannschaft über den Kampf zum Spiel findet. Aber jetzt: „Wenn dich die eigenen Fans nicht anfeuern können, hast du auch keinen Vorteil.“

Prognose 4

Es wird viele Fouls geben. Das soll kein Widerspruch zur zweiten Prognose sein. Die Rede ist auch nicht von brutalen Fouls. Vielmehr fehlt den Fußballern die Praxis und damit das Timing in den Zweikämpfen, sodass Verteidiger etwa bei Tacklings zu spät kommen.

„Das kann durchaus sein“, sagt Hamann. Den Fußballern fehle der Vollkontakt. Das Defizit werde sich aber spätestens nach dem ersten Spieltag erledigt haben. Vielmehr „werden echte Zweikämpfe auf die Profis regelrecht befreiend wirken“.

Prognose 5

Fans machen keine Probleme. Es wird befürchtet, dass sich die Anhänger trotz Verboten vor den Stadien formieren. In den vergangenen Wochen haben Beiträge verschiedener Ultra-Gruppen aber gezeigt, dass die Fans mit der Situation vernünftig umgehen.

Für Hamann stellen die Fans ebenfalls kein Problem dar. Jeder dürfte eingesehen haben, wie dieses Virus einzudämmen ist. „Im Zweifelsfall werden Ordnungskräfte mögliche Ansammlungen vorzeitig auflösen.“

Prognose 6

Die Möglichkeit, fünfmal zu wechseln, wird oft in Anspruch genommen. Die Regel wurde geändert, um zu großen Belastungen vorzubeugen.

Hamann vermutet allerdings, dass die neue Regel nicht häufig genutzt wird. Fünf Wechsel brächten die Statik des Spiels durcheinander. Punktuell „bringt ein Trainer vielleicht noch einen dritten, vierten oder fünften Angreifer“. An fünf Wechsel als strategisches Mittel glaubt der Experte nicht. Das sei nicht gut für den Rhythmus.

Prognose 7

Der FC Bayern wird Meister. Vier Punkte Vorsprung auf Platz zwei, nach wackeligem Start gefestigt – den Bayern ist es wurscht, ob sie vor leeren oder vollen Rängen spielen und werden erneut Meister.

„Diese Prognose unterschreibe ich“, sagt Hamann. Das Team sei am komplettesten aufgestellt. Hamann findet aber den Ansatz von Julian Nagelsmann gut. Leipzigs Trainer gab die Devise aus, die restlichen Partien wie K.o.-Spiele bei einer EM anzugehen. „Womöglich sind die Leipziger dann wieder besser fokussiert. Die Münchener Titelverteidigung werden sie trotzdem nicht verhindern.“

Unser Experte

Matthias Hamann (52) ist früherer Bundesliga-Profi. Von 2005 bis 2008 trainierte er den KSV Hessen Kassel. Derzeit ist er als Scout für Eintracht Frankfurt im Einsatz. Hamann lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Kassel.

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