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So schön ist Bochum: VfL begeistert beim 4:2 gegen die Bayern

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Von: Maximilian Bülau, Frank Ziemke

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Das Ruhrstadion in Bochum.
Beim Stand von 4:1 für Bochum: ein Bild des Ruhrstadions während der Partie gegen den FC Bayern. © Ina Fassbender/afp

Für Julian Nagelsmann war die erste Halbzeit seines FC Bayern München beim Auswärtsspiel in Bochum „offensichtlich Grütze“.

Der VfL-Rechtsverteidiger Christian Gamboa sagte nach seinem traumhaften Treffer beim 4:2 (4:1)-Sieg seiner Mannschaft in der Bundesliga gegen den Tabellenführer im TV, er werde sich für drei Punkte mit drei Bier belohnen. Es war ein bemerkenswert besonderes Fußballspiel zwischen dem Aufsteiger und dem Rekordmeister.

Die Geschichte

Wer sich vor dem Anpfiff noch an den 9. September des vergangenen Jahres erinnern konnte, der stellte sich wohl nur eine Frage: Wie hoch gewinnen die Bayern diesmal? Am 5. Spieltag der Hinrunde siegten die Münchner zuhause 7:0. Es war der höchste Sieg aus bis dahin 76 Duellen. Nur zehnmal gewann der VfL seit 1968 gegen die großen Bayern – das letzte Mal vor 18 Jahren. 2004 sorgte Peter Madsen für einen 1:0-Erfolg. Davor gelang ein Sieg 1991. Ein besonderes Ereignis war es also, das sich da am Samstag ereignete.

Die Traumtore

Es ist ja nicht so, dass nicht alles wie erwartet begann an diesem 22. Spieltag zwischen Bochum und den Bayern. In der 9. Minute war es natürlich Robert Lewandowski, der ein schwieriges Anspiel stark verarbeitete und zur Führung einschob. Doch anschließend drehte der VfL auf. Christopher Antwi-Adjei glich aus (14.). Jürgen Locadia erzielte die Führung per Elfmeter (38.). Dann schlug die Stunde von Christian Gamboa, der erst Kingsley Coman tunnelte, den Ball per Hacke von Patrick Osterhage zurückbekam und von der Strafraumkante ins lange Eck vollendete (40.). Vier Minuten später tunnelte Gerrit Holtmann Dayot Upamecano – mit etwas Glück sprang ihm das Leder wieder vor die Füße und er schlenzte es wunderschön in die lange Ecke. Vier Gegentreffer in der ersten Halbzeit hatten die Bayern zuletzt 1975 beim 0:6 gegen Frankfurt kassiert. Lewandowskis 26. Saisontor (75.) zum 2:4 änderte nichts mehr. Wer dieses Spiel gesehen hatte, der kam nicht umhin zu denken: So schön ist Bochum. Auch wenn Herbert Grönemeyer einst das Gegenteil behauptete.

Die Kritik

Bei den Gästen hinterließ die Pleite Spuren. Was nicht verwundert. Es war ja nicht nur die Art und Weise des Zustandekommens, die erstaunte. Es ist auch der Zeitpunkt. Für die Bayern beginnt die wichtigste Saisonphase. Am Mittwoch steht in der Champions League der Viertelfinal-Hinspiel bei RB Salzburg an.

So ist es kein Wunder, dass sich Joshua Kimmich nach der Niederlage richtig in Rage redete. „Wir haben heute unsere schlechteste Saisonleistung gezeigt und alle Tugenden, die es braucht, um Spiele zu gewinnen, vermissen lassen. Wenn so etwas einmal passiert, kann es passieren. Aber uns passiert das in dieser Saison nicht zum ersten Mal“, sagte der Nationalspieler. Trainer Julian Nagelsmann sprach von „Grütze“ und mahnte, dass bereits im Abschlusstraining die Spannung gefehlt habe. Was mit Blick auf den kommenden Mittwoch durchaus einige Sorgen bereitet.

Die Abwehrprobleme

Stichwort Sorgen bereiten: Was sich die Defensive des Meisters in Bochum leistete, das war weit entfernt von meisterlich. Manuel Neuers Vertreter Sven Ulreich war da der geringste Vorwurf zu machen. Der Schlussmann musste die Patzer seiner Vorderleute ausbaden. Ohne Stabilisatoren wie Leon Goretzka und mit Kimmich als einzigem Sechser wirkten die Gäste in Bochums 30 Zauberminuten regelrecht hilflos. Und langsam. Upamecano sah nicht nur beim Tunnel unbeholfen aus. Niklas Süles Tempodefizit war unübersehbar, er wurde einige Male regelrecht überrannt. Sein Wechsel nach Dortmund könnte im Verbund mit solchen Auftritten zu Diskussionen führen, die die Bayern derzeit nicht brauchen. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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