Kostic, Hummels und Co.

Sommer-Transfers: Bundesliga investiert Rekordsumme

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Filip Kostic.

Hamburg - Weit mehr als eine halbe Milliarde Euro haben die Bundesliga-Klubs in der Sommer-Transferzeit in neue Spieler investiert. Das ist Rekord.

Olympia-Held Serge Gnabry ist das Gesicht des Transferrekords in der Fußball-Bundesliga. Der Königstransfer des Liga-Schlusslichts Werder Bremen, Silbermedaillengewinner von Rio, einigte sich gut zwei Stunden vor Schließung des Transferfensters (Mittwoch, 18.00 Uhr) auf einen Wechsel zu den Hanseaten, und die neue Ausgaben-Höchstmarke war da schon längst erreicht. Knapp 540 Millionen Euro haben die deutschen Klubs während der sommerlichen Transferperiode für neues Personal ausgegeben.

Fünf bis sechs Millionen Euro war den Hanseaten die Verpflichtung des 21-Jährigen vom FC Arsenal wert. Gerüchte, wonach sich der deutsche Rekordmeister Bayern München als weiterer Vertragspartner ein Vorkaufsrecht auf den Offensivspieler gesichert hätte, dementierte Werder-Geschäftsführer Frank Baumann: "Wir waren liquide genug, um diesen Transfer alleine zu stemmen." Sogar noch etwas später als der Nordrivale schlug der Hamburger SV zu, der am Mittwochabend den brasilianischen Olympiasieger Douglas Santos für angeblich rund zehn Millionen Euro verpflichtete.

Das meiste Geld, laut transfermarkt.de rund 1,23 Milliarden Euro, investierte dank der Milliarden-Einnahmen durch den TV-Vertrag wieder einmal die Premier League. Hinter dem englischen Oberhaus rangiert die italienische Serie A mit knapp 700 Millionen Euro Investitionen auf Platz zwei vor der Bundesliga. Erst dahinter folgt die spanische Primera Division (460 Millionen Euro) vor der französischen Ligue 1 (190). Vor Frankreichs Eliteklasse ist sogar noch die zweite englische Liga (227 Mio.) platziert.

Vor dem Ende der Transferfrist wurde es auch in Deutschland nochmals hektisch. So wollte Tottenham Hotspur plötzlich 45 Millionen für den deutschen Olympia-Auswahl-Kapitän Max Meyer von Schalke 04 ausgeben, der VfL Wolfsburg lockte Innenverteidiger Philipp Wollscheid von Stoke City auf Leihbasis für eine Saison an den Mittellandkanal. Wollscheids Ex-Klub Bayer Leverkusen bestätigte einen Wechsel von Kyriakos Papadopoulos auf Leihbasis zum Neuling RB Leipzig.

Einigen Fußballlehrern dreht sich das Wechselkarussell mittlerweile zu schnell - und vor allem zu lang. "Für eine verkürzte Transferzeit bis spätestens 31. Juli wäre ich sehr zu haben. Wenn wichtige Spieler rausgerissen werden, mit denen man eigentlich geplant hat, dann ist es wahnsinnig schwer", sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking.

Auch sein Leverkusener Kollege Roger Schmidt sehnt den September herbei: "Wenn fünf Tage vor dem ersten Pflichtspiel noch Anfragen kommen, beschäftigt das die Spieler. Das ist doch klar."

Dabei gehört die Bundesliga noch zu den Ligen, die das Transferfenster am frühesten schließt. In anderen Topligen wie Italien, Frankreich, Spanien und England hingegen läuft die Frist erst um 23.00 Uhr, 23.59 Uhr (!) oder 24.00 Uhr ab. Exoten wie Katar bespielsweise lassen noch bis zum 22. September neue Profis ins Land.

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

1.4.2011: Beim Spiel St. Pauli gegen den FC Schalke 04 wurde Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen. Hier sehen Sie weitere Geschosse, die auf Spielfelder jeglicher Sportarten geworfen wurden. Einige davon sind sehr skurril - aber gefährlich sind die meisten allemal. Also: Bitte nicht nachmachen! © Getty
Thorsten Schiffner war nicht der erste Schiedsrichter-Assistent, der von einem Becher getroffen wurde. 2006 streckte Kai Voss beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Stuttgarter Kickers und Hertha BSC ein Bierbecher nieder. © getty
Deutschlands Torhüter bei der Weltmeisterschaft 1974 wurde von einem Gymnasiasten 1971 mit einem Messer beworfen. Er wurde aber - zum Glück - nicht getroffen. © dpa
Ein Motorroller im Stadion (hier mit Uli Hoeneß am Steuer) ist schon ungewöhnlich. Erst recht beim Mailänder Derby 2001: Dort versuchten Stadionbesucher einen Roller von der Tribüne zu werfen. © getty
Frank Baumann (M.) erwischte es während eines Bundesligaspiels. Er wurde im November 2008 von einem Handy-Akku getroffen. © getty
Im Carling-Cup-Finale 2007 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal flog Sellerie von den Rängen. Arsenals Fabregas kann es nicht verstehen. Die Fans des FC Chelsea sangen bei fast jedem Spiel ein nicht jugendfreies Lied, in dem auch das Gemüse vorkommt. © getty
Beim UEFA-Cup-Spiel zwischen NEC Nijmegen und dem HSV traf Schiedsrichter Darko Ceferin ein undefiniertes Wurfgeschoss am Kopf. Das Spiel musste unterbrochen werden. © getty
Anders Frisk wurde beim Champions-League-Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew von einem Wurfgeschoss getroffen und musste mit einer Platzwunde vom Platz. © getty
Oliver Kahn traf am 12. April 2000 in Freiburg ein Golfball. Blutüberströmt musste er von Uli Hoeneß zurückgehalten werden, da er völlig außer sich war. © ap
FC Liverpool - AFC Sunderland im Oktober 2009: Ein großer roter Strandball wurde aufs Spielfeld geworfen. Dort landete er im Liverpooler Strafraum, wo der Ball einen Schuss unhaltbar für José Reina abfälschte. Das Spiel endete 0:1.  © getty
Halbfinale UEFA-Cup: Hamburger SV gegen Werder Bremen: Stand 1:2 für Bremen. Diese Papierkugel lenkte einen Ball entscheidend zur Ecke ab, die prompt das 1:3 für die Werderaner brachte. Trotz des Anschlusstreffers drei Minuten vor Schluss schied Hamburg aus. © dpa
Auch Toilettenpapier fliegt regelmäßig auf den Rasen. Hier beim Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg. Raphael Schäfer, Torhüter des "Clubs", zeigte sich aber unbeeindruckt. © getty
Im Carling-Cup-Halbfinale gegen den Ortsrivalen ManU wurde Craig Bellamy 2010 von einer Münze am Kopf getroffen. Eine heranfliegende Bierflasche flog knapp an ihm vorbei. © getty
Mailänder Derby 2005: Im Champions-League-Viertelfinale wurde AC Milans Torhüter Dida von Leuchtraketen getroffen und sank zu Boden. Das Spiel wurde abgebrochen. © dpa
Neben Leuchtraketen und einer Rumflasche warfen Zuschauer 2006 auch eine Katze auf das Spielfeld: Geschehen beim Derby zwischen Real Betis und FC Sevilla. © dpa
Viele Ratten wurden bei den Florida Panthers ab 1992 aufs Spielfeld geworfen. Grund: Scott Mellanby tötete eine Ratte in der Kabine mit dem Stock und traf danach zwei Mal. 1996 wurde diese Sitte verboten. © dpa
Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel am 7.November 2010: Fans des FC Basel warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Damit sollte gegen die frühe Anstoßzeit der Partie protestiert werden, welche auf Druck des Schweizer Fernsehens und wegen des Finals der Swiss Indoors in Basel vorverlegt wurde. © dpa
Ein Schweinekopf flog im Camp Nou beim "Clasico" zwischen Real Madrid und FC Barcelona aufs Spielfeld. Damit wollten die Fans von Barca ihre Meinung zum Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real zeigen. © dpa
Stadionsitze sind, besonders in Südamerika, beliebte Wurfgeschosse. Allerdings auch in Europa kommt es vor, dass Sitze aufs Spielfeld fliegen, so auch 2000 beim Spiel Sevilla gegen Atletico Madrid. © dpa
Paul hatte Glück, in einem Aquarium zu leben. In der NHL wurden bei Siegen der Detroit Red Wings Tintenfische regelmäßig aufs Eis geworfen. Das hatte Tradition, da 1952 ein Besitzer eines Fischlokals immer ein Oktopus aufs Feld warf, der für die Play-offs einen Sieg bescheren sollte. Das schwerste Tier wog 25 Kilo. © dpa
Zahlreiche Dildos flogen im Oktober 2008 im Spiel zwischen AIK Stockholm gegen Leksand aufs Eis. Die Fans des Stockholmer Eishockey-Klubs zeigten damit ihren Unmut über Jan Huokko, der sich zum Jahresanfang einen Sexskandal leistete. © dpa

Die Summen, die im Sommer 2016 in Europa für Transfers umgesetzt wurden, sind schwindelerregend. Sie lösen bei Teammanager Jürgen Klopp vom FC Liverpool mittlerweile Unbehagen aus. "Wir handeln wie mit Spielgeld. Wenn der Scheich keinen Bock mehr hat, wäre alles vorbei" sagte der Coach mit Blick auf die englischen Liga-Konkurrenten, die von Geldgebern aus dem arabischen Raum massiv unterstützt werden.

Thomas Tuchel, Klopps Nachfolger beim deutschen Vizemeister Borussia Dortmund, sieht ebenfalls die Relationen nicht mehr gewahrt: "Die Summen stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Leuten, die ins Stadion kommen, um sich ein Spiel anzusehen. Wenn es nur noch um Geld und Transaktion geht, verlieren wir die Beziehung zu den Menschen."

Welcher Klub am Mittwoch noch welchen Last-Minute-Transfer perfekt machte, erfahren Sie in unserem Transferticker.

sid

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