Real im Umbruch

Spanischer Abwärtstrend: Barcelona entlässt nach 0:1 Trainer Ronald Koeman

Ronald Koeman.
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In Barcelona entlassen: Ronald Koeman.

Dass der spanische Fußball Europa jahrelang dominiert hat, ist nicht nur durch die Champions League ersichtlich. In der Europa League kamen seit 2011 sieben Sieger von der iberischen Halbinsel.

In der Königsklasse sind es in diesem Zeitraum sechs. Dominierten in der Euro League der FC Sevilla, Atletico Madrid und Villareal, waren es in der Champions League Real Madrid und der FC Barcelona. Die großen Jahre der beiden größten Klubs Spaniens waren an zwei Namen gekoppelt: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Doch mittlerweile sind nicht nur die über Jahre besten Fußballer des Planeten in die Jahre gekommen. Real und Barca sind es auch.

Zwar führen die Königlichen aus der spanischen Hauptstadt die Tabelle in der heimischen Liga an, sie sind nach zehn Spielen allerdings punktgleich mit drei anderen Teams, vier weitere sind in Schlagdistanz. Der FC Barcelona auf Rang neun hat sechs Zähler Rückstand. Am Mittwochabend verloren die Katalanen 0:1 gegen Aufsteiger Rayo Vallecano. Später am Abend stand dann fest, was in den vergangenen Wochen mehrmals im Raum stand: Trainer Ronald Koeman muss gehen.

Der Niederländer übernahm den Klub in einer Phase, in der er wohl ohnehin nur verlieren konnte. Nachdem das neue Präsidium im März die Arbeit antrat, wurde das Ausmaß der katastrophalen finanziellen Situation des Klubs mehr und mehr ersichtlich. Barca häufte in den vergangenen Jahren Schulden von rund 1,3 Milliarden Euro an. Unglaublich ist dabei folgende Zahl: Allein für die Gehaltsausgaben von vier Spielern soll der Verein von 2017 bis 2021 1,4 Milliarden Euro ausgegeben haben. Bei diesen vier Spielern handelt es sich um die Dauerverletzten Ousmane Dembélé und Philippe Coutinho, die jeweils für über 100 Millionen Euro aus ihren Verträgen bei Dortmund und Liverpool herausgekauft wurden, sowie Lionel Messi und Antoine Griezmann. Die beiden Letztgenannten gehören mittlerweile nicht mehr zum Kader des FC Barcelona, wechselten nach Paris und zu Atletico Madrid – auch weil die extrem hohen Gehälter eingespart werden mussten. Ohne diese Zäsur wären die Gehaltsausgaben in dieser Saison wohl auf 835 Millionen Euro gestiegen, was 108 Prozent der Einnahmen entspricht. Völliger Wahnsinn.

Vor diesem Hintergrund leitete Koeman ein Himmelfahrtskommando – schließlich sind die Ansprüche in Katalonien nicht gesunken. Anhänger von Barcelona müssen sich wohl aber darauf einstellen, dass die fetten Jahre vorerst vorbei sind. Nach Auffassung des neuen Präsidiums werde man fünf Jahre benötigen, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Als Nachfolger von Koeman wird nun mal wieder Klublegende Xavi gehandelt, der noch als Trainer von Al-Sadd in Katar tätig ist und aus seinem Vertrag herausgekauft werden müsste. Vorerst leitet Sergi Barjuan vom B-Team das Training.

Beim Rivalen aus Madrid sieht die finanzielle Lage nicht viel besser aus. Doch können sich die Königlichen seit Jahren darauf verlassen, dass die Stadt selbst die größten Schulden tilgt. Auch deshalb befindet sich Real wohl nicht in einer Krise, sondern nur in einem Umbruch. Doch der Titel in der Königsklasse wird dieses Jahr wohl nicht über Spanien gehen. (Maximilian Bülau)

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