U21-EM in Polen

Stefan Kuntz: So einen Triumph „wird man niemals vergessen“

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Das Trainerteam um Stefan Kuntz (2.v.r.) mit dem EM-Pokal. 

Trainer Stefan Kuntz hat die deutsche U21 zum EM-Triumph gegen Spanien geführt. Der Coach ist „sehr stolz“ auf sein Team. An einen Abschied im Moment des Erfolgs denkt der 54-Jährige nicht.

Krakau - Nach dem Triumph der deutschen U21 bei der Europameisterschaft in Polen hat sich Stefan Kuntz nun geäußert. 

Was bedeutet diese Nacht Ihnen und dem Team?

Stefan Kuntz: Geben Sie mir einen Moment, um mich zu sammeln. Gratulation an Spanien, sie waren ein großartiger Gegner. Wir mussten unser technisch bestes Spiel machen, mit viel Mut. Es ist nicht so leicht gegen Spanien. Im Spielaufbau gab es viele 1:1-Situationen, die meine Spieler außergewöhnlich gelöst haben. Wir haben vor dem Spiel über drei oder vier Sachen gesprochen. Das Erste ist der Körper. Wir vertrauen darauf, dass in einem Finale viele Spieler nah an 100 Prozent kommen. Das Zweite ist der Kopf, dass wir ruhig bleiben, dass wir in unsere Spielidee vertrauen müssen. Spanien hat 15 oder 20 Minuten viel Druck gemacht. Danach habe ich denn Spielern gesagt, ihr habt nichts zu verlieren. Die größte Sache ist es, den Pokal zu gewinnen, also spielt mit großem Herzen. Und das Letzte ist der Teamspirit. Jeder wollte diesen Pokal für das gesamte Team gewinnen. In diesem Moment war es sehr ruhig in der Kabine, das hat mir Sicherheit gegeben, dass wir einen guten Job machen werden. Es ist ein charakterlich perfektes Team, wir sind sehr stolz auf sie.

Sind Sie überrascht, dass Spanien so wenig gezeigt hat?

Kuntz: Ich kann nur über mein Team sprechen. Wir hatten einen Plan und meine Mannschaft hat es wirklich gut gemacht. Es ist nicht leicht, gegen unser Team zu spielen, weil die Spieler so viel Mut und Konsequenz in all ihren Aktionen haben.

Welche Erinnerungen an diese EM nehmen Sie mit?

Kuntz: Immer wenn eine EM beginnt, wird nach dem letzten Erfolg geschaut. Das war bei uns 2009. Fünf, sechs, sieben, acht Spieler aus der damaligen Mannschaft sind sehr große Spieler heute. Wenn man so einen Pokal gewinnt, wird man das niemals vergessen. In zwei Jahren wird sich jeder an dieses Team erinnern. Das Elfmeterschießen gegen England haben zehn Millionen Menschen in Deutschland gesehen. Die Aufmerksamkeit und Anerkennung war außergewöhnlich hoch zu Hause.

Haben die Spieler nach der Final-Niederlage von Rio eine außergewöhnliche Psyche gezeigt?

Kuntz: Das sind nur wenige Spieler. Neben deiner eigenen Qualität, findet man so etwas nur im Teamspirit. Der Teamspirit ist da oder nicht. Ich kenne die Geschichte meiner Spieler. Heute haben wir die Geschichte beendet und es könnte nicht besser sein. Max Meyer, es war sein erster Titel heute. Er ist so, so glücklich. Das macht die Arbeit eines Trainers sehr wertvoll. Wenn man gewinnt, macht man alles richtig. Wenn wir heute oder gegen England verloren hätten, wäre ich kein besserer oder schlechterer Trainer. Manchmal braucht man Glück und das Momentum. Wir werden mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben und das analysieren. Man muss keiner Angst haben, dass jemand abhebt, vor allem ich nicht, weil ich zu schwer bin.

Die Bilder zum EM-Titel der U21

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Ihnen eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt. Was sagen Sie dazu?

Kuntz: Das macht mich sehr stolz. Ich möchte auch Hansi Flick danken, der damals die Idee hatte und auch das Vertrauen in mich. Er hat mir ein tolles Team gegeben. Horst Hrubesch stand mit seiner ganzen Erfahrung wie ein Berg hinter mir und hat mir da sehr viel Rückendeckung für das Turnier gegeben. Als ich das Team übernommen habe, gab es nicht nur Jubel, auch viele Zweifel. Da muss man den Leuten danken, die über diese Zweifel hinweg eine Entscheidung getroffen haben und heute stolz zu Hause sitzen. Ich habe ja schon mal gesagt, dass die Arbeit mir unglaublich Spaß macht. Wenn der Präsident mir gegenüber das auch sagt, werden wir sicherlich nicht getrennt auseinander gehen. Jemand hat zu mir gesagt, normalerweise muss man auf dem Höhepunkt aufhören. Da kann ich mich jetzt nicht so mit anfreunden.

dpa

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