Über Zukunft und Ziele 

Stefan Ortega im Interview: „Ich bin noch in einem guten Alter“

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Mit Leidenschaft dabei: Stefan Ortega, Torwart des Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld. 

Kassel – Mit 27 Jahren ist Stefan Ortega noch nicht da angekommen, wo er unbedingt hin möchte – in der Fußball-Bundesliga.

Doch der Torwart des Zweitligisten Arminia Bielefeld ist mit seinem Team nach dem 6:0-Sieg am Sonntag gegen Regensburg weiter auf einem guten Weg. Die Bielefelder führen die Tabelle an. Großen Anteil daran hat auch der aus Nordhessen stammende Keeper, der vom Kicker als bester Torhüter der Hinrunde ausgezeichnet wurde. Seinen Vertrag hat er gerade um zwei Jahre verlängert – trotz einiger Angebote. Stefan Ortega im Interview:

Herr Ortega, Sie haben eine aufregende Zeit hinter sich ...

Da ist etwas dran.

Sie sollen ein Angebot von Leverkusen gehabt haben. Stimmt das?

Ja. Es stand ja nicht erst seit zwei Monaten fest, dass mein Vertrag ausläuft. Seit ich zurück in Bielefeld bin, habe ich konstant meine Leistung abgerufen. Ich bin noch in einem guten Alter. Da habe ich mir schon auch erhofft, dass es alternative Angebote gibt. Es war nicht nur Leverkusen, es waren auch andere Vereine in der Verlosung.

Warum haben Sie dennoch verlängert?

Ich habe mir die Frage gestellt, was ich in den kommenden Jahren erreichen möchte, was mir persönlich wichtig ist. Also stand bei den Verhandlungen immer im Vordergrund, wo ich die beste Perspektive für mich sehe. Ich habe mich noch nicht so weit gefühlt, dass ich sage, ich setze mich irgendwo auf die Bank und versuche, die Nummer eins wegzudrücken. Mir gefällt es schon ganz gut, regelmäßig zu spielen. In zwei Jahren, wenn der Vertrag ausläuft, bin ich immer noch in einem sehr guten Alter für einen Torwart.

Und in Bielefeld entsteht ja gerade auch etwas.

Absolut. Es fing damit an, dass die Investorengruppe Bündnis Ostwestfalen dazugekommen ist. Dadurch ist der Verein wieder konkurrenzfähig, kann sich andere Ziele stecken. Es geht nicht mehr ums nackte Überleben. Das merkt man an der Arbeitsweise im gesamten Klub. Das Anspruchsdenken, das Streben nach Erfolg, die Infrastruktur – wir haben einen neuen Trainingsplatz bekommen. Und natürlich am Kader. Das nimmt man als Spieler wahr. Ich kenne es, wenn das Umfeld schwierig ist. Da schätzt man das umso mehr.

Sie meinen Ihre Zeit bei 1860 München?

Genau.

Haben die Angebote Sie dennoch geschmeichelt?

Natürlich. Ich hatte persönlich einen kleinen Knick nach meiner Zeit in München. Ich habe mir dann gesagt, ich habe jetzt ziemlich viel erlebt. Das Ganze muss ich mal zusammenzupacken und mich auch mal kritisch hinterfragen. Was ich hätte anders machen können? Ich bin ja nicht alt. Aber es ist jetzt ein Alter, in dem ich eine wichtige Entscheidung treffen muss, wie meine letzten Jahre im Profifußball ablaufen. Das möchte ich gern selbst in der Hand haben.

Der Kicker hat Sie als besten Torwart der Hinrunde ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das?

Für den Moment war es ganz schön. Auch für das eigene Ego. Aber das ist jetzt schon wieder Vergangenheit. Wir als Verein haben ein großes Ziel. Ich würde die Kicker-Rangliste vom Winter definitiv gegen einen Aufstieg im Sommer eintauschen.

Sie sind mittlerweile nicht mehr nur ein Torwart, sondern nehmen auch am Aufbauspiel teil.

Die Rolle des Torwarts ist bei unserem Spielstil sehr wichtig. Es macht mir viel Spaß, ist aber auch mit Risiko verbunden. Ich habe Gefallen daran gefunden. Das hat mein Spiel noch einmal komplett verändert. Ich kannte es nicht, so Fußball zu spielen.

Haben sich die Gegner darauf eingestellt?

Teilweise. Gegen Erzgebirge Aue war es zum Beispiel so, dass die Spieler schnell zurückgegangen sind, weil sie wussten, dass ich auch mal einen schnellen Flachabstoß einstreue. Und die Räume hinter der Kette sind weniger geworden.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle in der Mannschaft?

Ich bin eine gute Mischung. Auf dem Platz bekommen Mitspieler das Kotzen, weil ich sehr, sehr ehrgeizig bin und mich auch im Training über jedes Gegentor richtig aufrege. Aber mit mir kann man auch jeden Spaß machen. Wir haben untereinander sowieso viel Spaß. Die Mannschaft ist ziemlich cool. Da werden hier und da auch mal Streiche gespielt.

Zum Beispiel?

Autoschlüssel oder Anziehsachen verstecken, damit der Mitspieler lange suchen muss, bevor er nach Hause fahren kann.

Kurzfristig soll es für Sie noch einmal in die erste Liga. Ist es langfristig auch denkbar, dass es noch einmal in die Heimat geht?

Was wäre denn die Heimat?

Nordhessen.

Manchmal albere ich mit meinem Bruder ein bisschen rum, dass man irgendwann bei der SG Calden/Meimbressen zusammen kicken könnte. Wobei ich später auf keinen Fall mehr ins Tor möchte, wenn ich in den Amateurbereich gehe. Aber das ist hoffentlich noch ganz weit weg. Was noch einmal ein großer Reiz wäre: in Spanien zu spielen. Mein Vater stammt aus Spanien. Die Liga ist sehr interessant. Meine Freundin hat knapp zwei Jahre in Barcelona gearbeitet. Das wäre auf jeden Fall was, wo ich nicht abgeneigt wäre.

Zur Person: 

Stefan Ortega Moreno (27) wurde am 6. November 1992 in Hofgeismar geboren. In der Jugend spielte der heute 1,86 Meter große Torwart zunächst für den TSV Jahn Calden, den KSV Baunatal und den KSV Hessen, bevor er 2007 zu Arminia Bielefeld wechselte. Nach drei Jahren bei den Profis der Arminia und drei Jahren beim TSV 1860 München kehrte Ortega 2017 nach Bielefeld zurück. Er ist liiert und hat keine Kinder.

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