Mit Applaus ins Unterhaus: Paderborn steigt nach 1:2-Niederlage ab

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Paderborn. Ein schriller Pfiff von Schiedsrichter Deniz Aytekin: Sekunden später liegen die Paderborner Spieler auf dem Rasen der Benteler-Arena.

Einige greifen sich mit der Hand vors Gesicht, wischen sich Tränen aus den Augen. Der SC Paderborn hat gegen den VfB Stuttgart mit 1:2 verloren und steigt aus der Bundesliga ab. Und die Fans? Haupttribüne, Gegengerade und Südtribüne erheben sich, sie klatschen minutenlang, erst schweigsam, dann mit Sprechchören. „Danke für die geile Saison“, prangt auf einem Banner des Paderborner Anhangs. Die Mannschaft dreht eine Ehrenrunde, bedankt sich. Schreitet langsam von Tribüne zu Tribüne. Trägt dabei ein Banner, auf dem der an die Fans gerichtete Paderborner PR-Slogan steht: „Danke! Ihr seid erstklassig“.

Das Ganze geschieht in den Sekunden, in denen auf Stuttgarter Seite wahre Jubelstürme ausbrechen. Der VfB bleibt mit dem Sieg in der Bundesliga. Das komplette VfB-Team rennt zum Gästeblock. Tanzt und feiert mit dem Team. „Nie mehr zweite Liga“ singen die Schwaben-Fans. Dann fordern sie den VfB-Trainer Huub Stevens, der bis dato dem Treiben aus der Ferne zugesehen hat. „Huub, Huub, Huub“, die Sprechchöre schallen durch das Stadion. Stuttgarts Serey Die zieht seinen Trainer vor die Kurve. Der folgt.

Währenddessen klatschen die Paderborner Fans immer noch. Die Mannschaft dreht noch immer ihre Ehrenrunde. Unermüdlich klatschen die Fans, viele haben einen feuchten Blick. „Ich bin leer, aber keiner hat uns zugetraut, dass wir so lange dabei sind“, sagt ein Fan, der mit Tränen in den Augen auf der Tribüne steht.

Unterdessen verschwinden die ersten Stuttgarter Spieler in den Katakomben des Stadions. Antonio Rüdiger tänzelt leichtfüßig an den Fernsehreportern vorbei, die am Spielfeldrand gierig auf erste Spielerstimmen warten. VfB-Sportvorstand Robin Dutt stillt den Wissensdurst der Reporter, spricht bereits in die TV-Mikrofone.

Da macht sich Paderborns Trainer André Breitenreiter auf den Weg in die Fankurve. Er bleibt stehen und macht mit den Fans Laola, die Welle. „Unsere Fans haben einfach ein feines Gespür“, wird er diesen Gänsehautmoment auf der Pressekonferenz in Worte fassen.

Es sind beeindruckende Szenen, die sich ins Gedächtnis der Betrachter einbrennen. Szenen, die verdeutlichen, wie eng Freud und Leid im Fußball zusammenliegen. Komprimiert im Stadioninnenraum der Benteler-Arena. Auf der einen Seite die losgelösten Schwaben, die vom Druck befreit ihre ganze Freude herausschreien und mit ihren Fans tanzend und jubelnd den Klassenerhalt feiern.

Auf der anderen Seite, keine 100 Meter entfernt, die abgestiegenen und sichtlich geknickten Ostwestfalen, deren Fans in der Stunde der Niederlage wahre Größe zeigen und belegen, dass die Worte auf Paderborns PR-Band mehr sind als nur lose Hülsen aus der Marketing-Abteilung: Paderborns Fans sind wirklich erstklassig.

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