Interview mit dem Kasseler Juniorennationalspieler: „24 Stunden im vollen Betrieb“

Niklas Schmidt über Vellmar, die EM und Davie Selke

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Im Einsatz: Niklas Schmidt (links) im EM-Finale gegen die französischen Spieler Christ-Emmanuel Maouassa (Mitte) und Dayot Upamecano.

Kassel. Vor einem Monat stand er im Finale der U-17-Europameisterschaft. Nun will er bei Werder Bremen durchstarten. Im Interview spricht der 17 Jahre alte Kasseler Niklas Schmidt über Selbstständigkeit und Träume.

Niklas Schmidt, wir haben mal im Archiv gekramt und einen Artikel über den Aufstieg der C-Jugend vom OSC Vellmar in die Regionalliga gefunden. Können Sie sich an das Spiel aus dem Jahr 2010 noch erinnern? 

Schmidt: Ja, klar. Das war überragend damals. Ich war der Jüngste, bin eingewechselt worden. Dann ging es gegen Kickers Offenbach ins Elfmeterschießen. Marc Stendera hat den entscheidenden Strafstoß verwandelt, und wir sind aufgestiegen. Das war schon geil. So etwas bleibt für immer.

Haben Sie noch Kontakt zu den ehemaligen Teamkollegen? 

Schmidt: Nicht so viel, weil ich ja auch viel unterwegs bin. Aber ich lese eine Menge in der Zeitung und informiere mich im Internet, was die Jungs von damals so machen.

Fünf Jahre ist das her. In der Zwischenzeit ist viel passiert: Sie sind erst ins Fußball-Internat nach Erfurt, dann ins Internat nach Bremen gewechselt. Haben Sie sich schnell an das Leben fernab der Heimat gewöhnt? 

Schmidt: Am Anfang war es schon nicht leicht, weil ich erst 14 Jahre alt war, als ich Kassel verlassen habe. Aber mittlerweile fühle ich mich pudelwohl. Ich habe hier in Bremen seit zwei Jahren eine Freundin und kann nicht klagen. Trotzdem freue ich mich, wenn ich mal in Kassel bin oder mich meine Eltern hier in Bremen besuchen.

Haben Sie Heimweh abbauen müssen, oder gab es dieses Gefühl von Anfang an nicht?

Schmidt: Ich bin einer, der von Anfang an kein Heimweh hatte. Ich habe viel mit meinen Eltern telefoniert, das hat geholfen. So habe ich gelernt, schnell selbstständig zu werden. Sonst hätte ich es auch nicht geschafft.

Woran zeigt sich die Selbstständigkeit? 

Schmidt: Früher hat meine Mutter immer gesagt: lernen, lernen, lernen. Seit ich von Zuhause weg bin, muss ich mir das selbst sagen. Ansonsten muss ich die Trainingstasche selbst packen – also das, was früher auch die Mama übernommen hat. Ich muss mich einfach selbst organisieren.

Das scheint ja gut zu funktionieren. Sie haben es zum Junioren-Nationalspieler geschafft. Es ist jetzt einen Monat her, dass Sie im Finale der U-17-Europameisterschaft gestanden und beim 1:4 gegen Frankreich eine große Chance vergeben haben. Denken Sie noch oft an diese Möglichkeit? 

Schmidt: Natürlich denke ich noch öfter daran. Normalerweise mache ich diese Chancen rein, nur in diesem Spiel beim Stand von 0:0 leider nicht. Das ist ärgerlich. Aber damit muss ich leben. Vielleicht spielen wir ja bei der WM wieder gegen die Franzosen, und dann geht es womöglich anders aus.

Was nehmen Sie generell mit von diesem Turnier? 

Schmidt: Eine Menge. Wir Spieler standen da das erste Mal so richtig im Mittelpunkt. Die Medien waren stark vertreten, unsere Spiele sind im Fernsehen gezeigt worden, wir mussten Interviews geben. Wir waren 24 Stunden im vollen Betrieb und hatten kaum Zeit zum Luftholen. Da muss man die Ruhephasen nutzen, cool bleiben und lernen, nicht hektisch zu werden. Aber das Turnier an sich ist jetzt abgeschlossen. Ich gucke nun auf Werder.

An welche Ziele denken Sie da konkret? 

Schmidt: Ich will schnell den Sprung in den Profibereich schaffen. Ich werde alles dafür tun.

Hat Profitrainer Viktor Skripnik schon Signale ausgesendet? 

Schmidt: Nein, leider noch nicht. Aber ich hoffe, er tut es in den nächsten Monaten.

Gibt es neben dem Nahziel auch ein Fernziel, gar einen Traum? 

Schmidt: Mein Traum ist es, mal in England zu spielen, weil die Stimmung dort überragend ist. Aber das ist noch weit hin. Ich will mich erst einmal auf Werder Bremen konzentrieren.

War Werder schon immer Ihr Lieblingsverein? 

Schmidt: Ich bin eigentlich Anhänger von Hannover 96. Fan von Werder bin ich geworden, als mir das Internat gezeigt worden ist und ich die Menschen kennengelernt habe. Sie sind alle sehr nett.

Ist Davie Selke ein Vorbild, der von Werder in die zweite Liga zu RB Leipzig gewechselt ist? 

Schmidt: Nein, so etwas wie er würde ich nicht machen, auch wenn er in der zweiten Liga jetzt womöglich mehr Geld verdient als in der ersten.

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