Statistiker fasst zusammen

Die Bundesliga-Saison in Zahlen: Super-Joker, Durchmarsch und Kanone

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Kassel. Weniger Tore, dafür einen Assistrekord von Kevin de Bruyne und weiße Westen von Manuel Neuer: Unser Statistiker Werner Welsch hat die interessantesten Zahlen der 52. Bundesliga-Saison zusammengestellt.

ALEX MEIER MIT KANONE

Frankfurts Alexander Meier holte sich die Kanone für den besten Torschützen. 19 Mal traf er für die Eintracht. Noch nie hatte vor ihm ein Spieler die Kanone gewonnen, der nach dem 27. Spieltag kein Spiel mehr absolvierte. Zwar schafften die Bayern zum vierten Mal drei Meisterschaften in Folge(vorher: 1972-74, 1985-87 und 1999-2001),

WENIGER TORE

843 Treffer fielen in 306 Spielen in der Bundesliga. Gerade einmal 2,75 Tore pro Spiel. Im Vorjahr schossen die Mannschaften noch 967 Mal ins Tor. Gegenüber 2013/14 hatte man den Eindruck, dass in der abgelaufenen Spielzeit die meisten Mannschaften wieder defensiver eingestellt waren. Dafür spricht auch die geringere Zahl von Auswärtssiegen, nur noch 79 gegenüber 97 im Vorjahr. Dafür stieg die Zahl der Unentschieden von 64 auf 82. Die Anzahl der Heimsiege (145) blieb gleich. Außerdem gab es so viele 0:0 wie schon lange nicht mehr (27!), letzte Saison waren es nur 13 torlose Spiele.

DE BRUYNE’S REKORD

Wolfsburgs Kevin de Bruyne war spendierfreudig: So sehr, dass er einen neuen Rekord für die meisten Torvorlagen in einer Saison aufgestellt hat. 21 Mal leitete er ein Tor eines Mitspielers ein. Damit verbesserte er die bisherige Bestmarke (20 Vorlagen) von Misimovic (ebenfalls Wolfsburg 2008/09) und Ribery (FC Bayern 2011/12).

PETERSEN IST DER SUPER-JOKER

Mit Pep Guardiola, Jürgen Klopp und Lucien Favre stehen in der Bundesliga Top-Trainer an der Seitenlinie: Doch das golden Händchen bei Einwechslungen, das hatten sie nicht so oft. Wurde im letzten Jahr mit 109 fast der Rekord aus der Saison 2004/05 erreicht (110), waren es heuer nur 84. Die meisten Joker-Tore erzielte Nils Petersen. Der kam erst in der Winterpause von Bremen zum SC Freiburg und erzielte dort bei 6 Joker-Einsätzen 6 Tore, davon allein drei in seinem ersten Spiel für den Absteiger beim 4:1-Sieg gegen Frankfurt am ersten Rückrundenspieltag. Julian Brandt (Leverkusen) und Tim Matavz (Augsburg) folgen mit je 3 Joker-Treffern. Bei den Vereinen gefährdeten Leverkusen mit 8 sowie Augsburg, Freiburg und Paderborn mit je 7 nicht annähernd den Rekord von Werder Bremen (2006/07) und dem FC Bayern (2013/14). Am wenigsten passten die Frankfurter auf die gegnerischen Einwechselspieler auf: 11mal mussten sie Tore von denen kassieren.

NEUER UND DIE WEISSE WESTE

Manuel Neuer war wie in der letzten Saison der beste Torwart, nimmt man die Spiele, in denen er keine Gegentore eingefangen hat. Diesmal hat er aber einen neuen Rekord aufgestellt. Denn 20 Spiele hat noch kein Torwart - auch nicht „Titan“ Oliver Kahn - in einer Saison seinen Kasten sauber gehalten. Respekt, Welttorhüter des Jahres 2014! Ein anderer Torwart hat etwas Einzigartiges geschafft, Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach. Er schaffte als erster Bundesliga-Debütant 15 Spiele ohne Gegentor in seiner ersten Saison, wie unsere Graphik zeigt.

EIGENTORE IM DOPPELPACK

Es gab 22 (letzte Saison 24) Eigentore, der „Rekord“ aus der Saison 2001/02 mit 32 blieb unangetastet. Kurios: Der Hannoveraner Marcelo schnürte einen Eigentor-Doppelpack bei der 1:2-Niederlage beim Nordrivalen Hamburger SV. Der Aufsteiger Köln und Vize Wolfsburg mit je 3 Eigentoren waren die größten Pechvögel. Die meisten „geschenkten“ Tore vom Gegner, nämlich 4, bekam Relegations-Teilnehmer HSV. Horn (Köln) war der Torwart, der dreimal von einem eigenen Spieler überlistet wurde.

TRAINER

Markus Weinzierl sollte nach Meinung des Statistikers Trainer der Saison werden: Er führte den FC Augsburg trotz der Abgänge von Stammspielern in der Sommerpause 2014 (Hahn nach Gladbach, Ji nach Dortmund, Vogt nach Köln) auf Rang 5 und erreichte mit den Schwaben die Gruppenphase der Europa-League. Trainer-Rauswürfewechsel gab es elf (Vorjahr neun). Hamburg gab gar drei Trainern den Laufpass (erst Slomka, denn Zinnbauer und Knäbel), Zählt man Frankfurts Schaaf und Schalkes di Matteo mit dazu, gab es gar 13 Trainerwechsel.

DIE DAUERBRENNER DER LIGA

Sechs Torhüter versäumten keine einzige der 3060 Minuten in der gesamten Saison: Baumann (Hoffenheim), Bürki (Freiburg), Kruse (Paderborn, Leno (Leverkusen), Sommer (Gladbach) und wie in den beiden drei Jahren Zieler (Hannover). Die beiden Feldspieler, die immer durchspielten und nie gesperrt waren, sind Klavan (Augsburg) und Marcelo (Hannover). Als Ausländer mit den meisten Spielen hat sich Claudio Pizarro mit seinen 13 Einsätzen beim Rekordmeister mit inzwischen 383 Spielen vom Georgier Kobiaschwili (Freiburg, Schalke, Hertha BSC, 351) abge-setzt. Außerdem ist der Peruaner mit weitem Vorsprung der Spieler mit fremder Staatsangehörigkeit, der die meisten Tore erzielt hat (176, 9. Platz der ewigen Torjägerliste).

27 MAL DIE SIEBEN

Patrick Herrmann war der Mann mit den meisten unvollständigen Spielen. 27 Mal leuchtete seine Rückennumer sieben an der Seitenlinie: 21-mal wurder ausgewechselt, sechsmal eingewechselt.Übrigens: Kein Verein schöpfte das Einwechselkontingent voll aus in jedem der 34 Spiele (wie Mainz in der letzten Saison und Augsburg ein Jahr davor), Paderborn und Wolfsburg wechselten einmal nur zwei Spieler statt der erlaubten drei ein. Der HSV am 1. und 17. sowie Frankfurt am 26. Spieltag bestritten das komplette Spiel mit 11 Mann. Patrick Herr-mann (Gladbach) war in der abgelaufenen Saison der Mann mit den meisten unvollständigen Spielen: In seinen 32 Spielen spielte er nur 5x die 90 Minuten durch, 21mal wurde er aus- und 6mal eingewechselt. Er ist auch derjenige Akteur, der am Häufigsten ausgewechselt wurde. Sein Mannschaftskollege Thorgan Hazard wurde 21mal in 28 Spie-len eingewechselt.

GELBE UND ROTE KARTEN

25 rote und 28 gelb-rote Karten sind fünf Hinausstellungen weniger als im letzten Jahr und die drittwenigsten seit der Einführung der gelb-roten Karte 1991. Der Minusrekord steht bei 41 Platzverweisen aus der Saison 2009/10 (21 gelb-rot, 20 rot). Wie in der letzten Saison flogen drei Spieler 2x vom Platz: Harnik (Stuttgart), Schulz (Hertha BSC) und Spahic (Leverkusen). Bei den Mannschaften „führen“ der HSV, Hannover und Stuttgart mit je 5 Platzverweisen. Damit erreichten sie aber noch lange nicht den Rekord von 1860 München (12) aus der Saison 1994/95. Schiedsrichter Brych schickte 6 Akteure vorzeitig in die Kabine, Stark und Zwayer je 5.

„Böser Bube“ bei den gelben Karten war der Gladbacher Granit Xhaka. Er sah am letzten Spieltag die 10. gelbe Kar-te, ergibt mit einer gelb-roten am 12. Spieltag 12 gelbe insgesamt. Ihm folgen Luiz Gustavo (Wolfsburg) und Marco Höger (Schalke) mit je 11 gelben Kartons.

Spitzenreiter bei den Vereinen ist der Hamburger SV: Seine Akteure sahen 83x gelb und 3x gelb-rote, ergibt 89 gelbe Kartons und damit einen mehr als die Frankfurter Eintracht (84 gelb, 2x gelb-rot), womit aber der Saisonrekord von 105 (!) durch Cottbus und Leverkusen (beide 2001/02) noch weit weg ist. Die wenigsten gelben Karten kassierten die Tabellen-Spitzenreiter FC Bayern (37) und Wolfsburg (44 gelb + 1x gelb-rot).

ELFMETER

71 Mal zeigten die Bundesliga-Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt. Von diesen 71 Elfmetern wurden 13 vergeben. Fünfmal verfehlten die Schützen das Tor, achtmal hielten die Torhüter (Vorjahr 20).

Am häufigsten stand Lukas Kruse vom Absteiger Paderborn einem gegnerischen Elfmeterschützen gegenüber: Siebenmal. Zwar wurden fünf verwandelt, aber immerhin konnte Kruse einen abwehren (von Perisic, Wolfsburg), ein weiterer ging an den Pfosten (von Rudy, Hoffenheim).

Der Elfmetertöter Nummer eins des letzten Jahres war Bernd Leno (Leverkusen), der von acht Elfmetern fünf abwehrte und damit fast den Saisonrekord von Thomas Zander (1860 München) aus der Saison 1979/80 einstellte. Der hatte damals von 7 Elfmetern 6 gehalten (der siebte ging daneben). In dieser Saison 2014/15 musste Leno mehr oder weniger tatenlos zusehen, wie alle sechs gegen Leverkusen verhängte Elfmeter verwandelt wurden. Im Gegensatz dazu konnte Drobny (HSV) von den gegen ihn verhängten sechs Elfmetern immerhin zwei abwehren und einer ging an die Latte (kurioserweise vom Torschützenkönig Meier, Frankfurt, der im gleichen Spiel vorher einen Strafstoß verwandelt hatte).

Der eifrigste Elfmeterschütze war Paul Verhaegh (Augsburg), der siebenmal am Punkt antrat und sechsmal verwandelte (einmal Pfosten gegen Reina, FC Bayern) vor Vladimir Darida (Freiburg), der von sechs Elfern fünf einnetzte (einen hielt Drobny, HSV). Die meisten Elfmeter zugesprochen bekamen Freiburg mit neun und Augsburg mit acht (jeweils sechs verwandelt). Die meisten Elfmeter wurden gegen den HSV acht und Absteiger Paderborn sieben gegeben. Jeweils fünf wurden verwandelt.

DURCHMARSCH DER LILIEN

Darmstadt 98 ist der siebte Verein, dem der direkte Durchmarsch von der dritten in die erste Liga gelungen ist. Vor den Lilien gelang das Kunststück 1860 München, Düsseldorf, Bielefeld, Nürnberg, Ulm und Hoffenheim.

Sportlich abgestiegen, verdankte Darmstadt den Ligavverbleib in der dritten Liga nur dem Offenbacher Lizenzentzug nach der Saison 2012/13. Für den vermeintliche Absteiger ging es im Folgejahr rauf in Liga zwei: Unvergessen, das Relegationsspiel auf der Bielefelder Alm, entschieden durch ein Darmstädter Tor in der Nachspielzeit der Verlängerung. In der zweiten Liga wurde Darmstadt sensationell Zweiter. Und hofft auf ein besseres Ende als die Vorgänger: Von den bisherigen Vereinen, denen ein Durchmarsch gelang, ist nur noch Hoffenheim erstklassig.

Von Werner Welsch

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