Das würde unser Fachmann ändern

Taktikexperte Hamann: Was Löw jetzt ändern kann

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Er steht vor einer schweren Aufgabe: Wie wird Bundestrainer Joachim Löw die Mannschaft am Samstag verändern?

Gegen Schweden geht es am Samstag (20 Uhr/ARD) für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft um sehr viel. Im schlimmsten Fall kann der Weltmeister schon alles verlieren. Was kann Bundestrainer Joachim Löw nach dem 0:1 gegen Mexiko ändern? Wir haben darüber mit unserem Taktik-Experten Matthias Hamann gesprochen.

Hamann (50), Bruder von Nationalspieler Dietmar Hamann, ist ehemalige Bundesliga-Spieler, Tainer und derzeit Scout des Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Hier sind seine Empfehlungen:

UMFANG DER ÄNDERUNGEN

Moderate Eingriffe oder es krachen lassen beim Personal – für beides gibt es Argumente. Bei einem solchen Turnier bin ich aber klar für die moderate Variante. Es geht in diesen Wochen um Automatismen. Um das Gefüge der Spieler, die sich gut kennen. Als Trainer musst du deshalb die Änderungen vornehmen, die der Mannschaft punktgenau geben, was sie jetzt benötigt.

MÖGLICHES PERSONAL

Die Leute aus der zweiten Reihe werden jetzt wichtig. Meine erste Wahl für einen Wechsel ist Leon Goretzka. Mit seiner Laufbereitschaft, seinem Tempo und seiner Wucht ist er gegen Schwedens flaches 4-4-2-System genau der Richtige. Er kann den Ball treiben und bleibt nicht 30 Meter vor dem Tor stehen. Goretzka kann für andere die Lücken reißen. Das gilt übrigens auch für Mesut Özil. Er ist eigentlich der perfekte Spieler gegen dieses 4-4-2. Er hat das Auge für die Lücken – im eigenen Passspiel, aber auch als Ballempfänger. Deshalb sollte er dabei sein.

Dass ein gesunder Jonas Hector für Marvin Plattenhardt kommt, daran führt kein Weg vorbei. Das ist übrigens ein schönes Diskussionsthema zwischen mir und meinem Bruder, der Plattenhardt-Fan ist. Ich finde Hector viel flexibler.

Wenn überhaupt ein dritter Wechsel, dann Marco Reus für Julian Draxler. Ich bin ja kein Fan vom mutlosen Draxler. Aber ich bin auch kein großer Fan von Reus. Bei großen Spielen ist er zu oft nicht zu sehen. Trotzdem ist er mit seiner Beweglichkeit und seinem Schwung die etwas bessere Wahl. Mario Gomez würde ich als Alternative in der Hinterhand behalten. Als wendiger Spieler ist er erst einmal die bessere Variante, weil er für Unordnung sorgen kann. Schwedens Innenverteidiger spielen in England. Das Verteidigen großer Zentralstürmer wie Gomez kennen sie.

TAKTISCHE ÄNDERUNGEN

Große Notwendigkeiten sehe ich da nicht. Natürlich könnte die Umstellung auf eine Dreierabwehr angesichts der großen Lücken im ersten Spiel eine Möglichkeit sein. Nötig ist sie nicht, das kannst du aus dem zentralen Mittelfeld lösen und einen Spieler zurückziehen. Toni Kroos kann das. Ich erwarte auch nicht, dass Schweden ein Umschaltspiel aufziehen kann, wie es Mexiko getan hat. Dazu haben sie nicht die Spielertypen – auch wenn sie in ihrem 4-4-2 viel über die Flügel kommen. Dass unsere Außenverteidiger hoch stehen, ist unerlässlich gegen einen defensiven Gegner. Josua Kimmich und Hector sind wichtige Anspielstationen. Mit ihren Läufen zur Grundlinie können sie die entscheidenden Lücken reißen.

EINE ANDERE EINSTELLUNG

Da wird jetzt viel diskutiert über Sattheit, Grüppchenbildung und und und. Das ist alles Quatsch. Vielleicht hat man sich etwas zu sicher gefühlt im ersten Spiel. Das wird am Samstag ganz anders sein. Diese Jungs wissen, um was es geht. Und Druck? Na klar, der ist da. Aber damit können sie umgehen. Sicher ist das nicht schön in den Minuten vor dem Anpfiff. Aber wenn fünf, sechs Bälle gespielt sind, dann ist das vergessen.

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