"Schwerer Weg"

Therapie für den BVB, große Geste für Marc Bartra

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Nach dem 3:1-Sieg stehen die Spieler von Dortmund vor einem Trikot des beim Anschlag verletzten Marc Bartra. Foto: Ina Fassbender

Nach dem Spiel stehen die Erinnerungen an das Attentat wieder im Mittelpunkt. Während der Begegnung gegen Frankfurt war indes kaum zu bemerken, unter welch starkem seelischen Druck die Dortmunder stehen.

Dortmund (dpa) - 90 Minuten versuchten sie, das Trauma gedanklich irgendwie niederzuringen. Nach dem Spiel wurde aber klar, dass es lange dauern wird, bis die Profis von Borussia Dortmund das Attentat des 11. April und dessen Folgen überwunden haben werden.

Marcel Schmelzer machte es in einem Satz deutlich, als der BVB-Kapitän sagte: "Alles, was 90 Minuten unterdrückt wurde, kam raus." Und das wird wahrscheinlich immer wieder passieren in den Borussia-Momenten ohne aktiven Fußball. So wie am Samstag, als Schmelzer und seine Mitspieler voller Emotionen Arm in Arm vor ihren Fans auf der Gelben Wand standen und an den erinnerten, der bei der Sprengstoffattacke auf den BVB-Bus am schlimmsten verletzt worden war: Marc Bartra.

Gemeinsam hielten sie ein Trikot mit der Nummer 5 und dem Namen des Spaniers in die Höhe. Von den Rängen schallten laute Rufe für Bartra zurück. Dann legte Marco Reus das Bartra-Leibchen auf den Boden, alle standen um es herum und erinnerten so daran, dass der 26-jährige Spanier fest zu ihnen gehört. Dass Bartra am Tag des Dortmunder 3:1 (2:1) gegen Eintracht Frankfurt das Krankenhaus verlassen durfte, machte es einfacher.

Aber: "Es ist nicht besser geworden bei uns allen." Spätestens als Schmelzer vor dem Sky-Mikrofon diesen Satz von sich gab, war unmissverständlich geworden, wie schwierig es sein wird, Wege aus dem Trauma zu finden. "Es war sehr schwer, nicht nur heute. Auch in den nächsten Spielen wird das noch nicht einfach sein. Die Ereignisse dieser Woche lassen sich nur sehr schwer vergessen", fasste es der Grieche Sokratis zusammen.

BVB-Trainer Thomas Tuchel weiß das auch. Und ihm ist auch bewusst, dass der Job ihm selbst und seinen Spielern Kraft geben kann. Für sie sei es wahrscheinlich einfacher, sich dadurch abzulenken, auf dem Platz stehen und spielen zu können, meint Tuchel. Der 43-Jährige bekam nach eigenen Worten zudem den Eindruck, dass sie schon ein Stück weit gelernt hätten, mit den Gefühlsschwankungen umzugehen.

"Man sieht, wie die Mannschaft funktioniert, welche tollen Charaktere dabei sind und dass sie sich komplett als Mannschaft sieht", sagte Tuchel zum Gänsehautmoment der Bartra-Geste vor der Südtribüne. Und auch die in diesen Tagen besonders ausgeprägte Zuneigung der BVB-Fans tut extrem gut, befand Tuchel: "Es war ein wundervolles Zusammenspiel mit unserem Publikum, das für solche Situationen ein Gespür hat, wie es das sonst wohl nirgendwo gibt."

Die Schwarzgelben unter den 81 360 Zuschauern im ausverkauften Stadion durften aber auch Momente erleben, bei denen die Schönheit des Fußballs zutage trat. "Ja, ich glaube, das war tatsächlich das schönste Tor meiner Karriere. Ich widme es Marc Bartra und seiner Familie", kommentierte Sokratis seinen fulminanten Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 in der 34. Minute.

Reus hatte die Borussia bei seinem ersten Einsatz nach sechs Wochen Verletzungspause per Hackentrick (3.) in Führung gebracht. Marco Fabiáns 1:1 (29.) war für die Hessen zu wenig, um die Serie von jetzt zehn nicht gewonnenen Spielen beenden zu können. Pierre-Emerick Aubameyang machte in der 86. Minute den Erfolg mit seinem 26. Saisontor perfekt. Kann dieser Sieg neue Kraft geben? Sokratis: "Ja klar, das wird er" - und sie werden diese Kraft brauchen.

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