Wie 2001 bei Schalke/FCB, nur noch skurriler

Irre Panne: Diese Fans glauben, ihr Team sei Meister

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Ein Fan des iranischen Fußballvereins Teraktorsazi Täbris feiert nach dem 3:3 gegen Naft Teheran die Meisterschaft seines Teams im Jadegar-Imam Stadion am 15.05.2015 in Täbris, Iran.

Teheran - Sie jubeln. Wie einst der FC Schalke. Diesmal passiert es in Iran. Aber was geschieht, ist noch merkwürdiger, als damals in Gelsenkirchen.

Diesmal traf es Teraktorsazi Täbris in Nordwestiran. Glückselige Spieler, jubelnde Fans, endlich Meister. Doch das skurrile Geschehen im Jadegar-Imam Stadion erweist sich für Kenner der Fußball-Bundesliga als eine Art Déjà-vu. Wie vor 14 Jahren in Gelsenkirchen, als der FC Schalke 04 für ein paar Minuten die Meisterschaft feierte (die der FC Bayern sich dank eines Freistoßtreffers von Patrik Andersson schnappte), tat dies auch Teraktorsazi Täbris. Zu Unrecht - und die Falschnachricht kam auch noch aus den eigenen Reihen.

Es ist der letzte Spieltag der iranischen Primärliga. Teraktorsazi Täbris und Naft Teheran treten in Täbris um die Meisterschaft an. Beide brauchen jeweils den Sieg. Trennen sich die Teams unentschieden, könnte Sepahan Isfahan zum großen Profiteur werden. Vor Anpfiff rangiert die Mannschaft auf dem dritten Platz.

Und dann passiert es: Teraktorsazi Täbriz verspielt eine 3:1-Führung und kommt nicht über ein 3:3 gegen Naft Teheran hinaus, Sepahan Isfahan gewinnt 2:0. Aber in Täbriz bricht unbändiger Jubel aus. Tausende von Fans stürmen vor Freude aufs Spielfeld und feiern den vermeintlich ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte.

Die Millionen TV-Zuschauer, die die beiden Spiele live verfolgen können, trauen ihren Augen nicht. Denn im Fernsehen laufen gleichzeitig Bilder von Meisterschaftsfeiern in Täbris UND Isfahan. Nicht mal die TV-Moderatoren wissen, wie sie das kommentieren sollen. In Täbris ist der Jubel sogar derart stürmisch, dass auch viele Insider für kurze Zeit an der Tabellenkonstellation zweifeln.

Trainer António Oliveira wird gefeiert.

Aufgeklärt wurde die Verwirrung erst allmählich. Angeblich hatte der Sohn des portugiesischen Trainers António Oliveira, der im Verein als Manager tätig ist, in der 87. Minute Trainern und Spielern mitgeteilt, dass es auch in Isfahan zu einem Unentschieden gekommen sei - und damit Täbris den Meistertitel geholt habe. Dementsprechend spielte Teraktorsazi in den letzten Minuten auch auf Zeit, anstatt weiter aufs gegnerische Tor zu stürmen. Nach dem Jubel der Mannschaft glaubten dann auch die Fans, dass ihr Team Meister geworden sei und stürmten aufs Spielfeld.

Hier ist die Stimmung schon gekippt.

Die bittere Erkenntnis, dass alles anders war, kam im Gegensatz zum Schalker Alptraum 2001 erst in der Kabine. In Gelsenkirchen wurde dieser noch auf dem Platz nach einer falschen Information eines Medienvertreters wahr. Im Iran war die Enttäuschung auch diesmal bei den Fans riesengroß. Es kam zu Krawallen im und vor dem Stadion sowie in der Stadt. Viele Sitze im Stadion wurden rausgerissen und aufs Spielfeld geworfen. In der Zwischenzeit hat sich auch das Sportministerium eingeschaltet. Der Minister selbst fordert eine gründliche Aufklärung des Zwischenfalls.

dpa

 

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