“Jeden Spieler zu einer Marke machen“

Webseite von Ex-Profi Hanke macht Profis fit für Zeit nach der Karriere

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Auf dem Erfolgsweg: Mike Hanke hatte als aktiver Fußballer oftmals Grund zum Jubeln.

Nach der aktiven Karriere fallen viele Fußball-Profis in ein Loch. Denn vorbereitet auf die Zeit nach der Laufbahn sind die wenigsten. Nun wollen zwei Ex-Kicker Abhilfe schaffen.

Hamm - Der Beruf des Fußballprofis gilt gemeinhin als Traumjob. Viel Geld, schnelle Autos, teure Urlaube - all die Annehmlichkeiten des Lebens sind als gut bezahlter Kicker realisierbar. Doch nach der aktiven Laufbahn geht es oft bergab. „65 bis 70 Prozent der Spieler sind mit ihrem Karriereende pleite, fast 80 Prozent nach fünf Jahren“, sagt Mike Hanke, der selbst zwischen 2002 und 2014 in der Bundesliga spielte.

Gemeinsam mit Ex-Mannschaftskamerad Thorben Marx und Geschäftspartner Sven Wenzel will er Profifußballer, Marken und Fans vereinen. Und letztlich damit einen Weg aus dieser Sackgasse aufzeigen, in die viele Spieler nach ihrer aktiven Karriere laufen. „Tivela“ heißt das Online-Portal, welches neben innovativem Marketing für Fußballprofis auch eine professionelle Webpräsenz bietet - inklusive der Integration von Social Media und einem personalisiertem Shop. „Wir wollen mit Tivela jeden Spieler zu einer Marke machen“, sagt Hanke: „Die Spieler sollen sich ein Netzwerk aufbauen, das ihnen nach der aktiven Karriere hilft.“

„Tivela“ bald europaweit?

Das Konzept, das dahinter steckt, ist bislang einzigartig. „Es gibt bislang nichts Vergleichbares“, sagt der gebürtige Hammer, der „Tivela“ gemeinsam mit Marx und Wenzel im Erfolgsfall auch europaweit etablieren will. 1500 Fußballprofis gibt es in der ersten und zweiten Liga, aber nur fünf bis zehn - Topstars wie Thomas Müller, Mario Götze oder Robert Lewandowski - würden laut Hanke professionell vermarktet. „Von diesen Spielern gibt es auch mal andere Bilder als nur die im Fußball-Trikot“, sagt Hanke.

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Auf „Tivela“ sollen die Profis in einem anderen Licht gezeigt werden. „Wir präsentieren den Spieler nach den 90 Minuten Fußball in ihrem Lifestyle. Was hat er für Klamotten, was für Möbel, Technik, Düfte, Accessoires und so weiter“, sagt Hanke. Alle Social-Media-Kanäle würden automatisiert eingepflegt. „Der Fan bekommt also sämtliche Informationen von seinem Star gebündelt. Auch die neuesten Nachrichten laufen bei uns ein. Die Spieler auf unserer Seite können abonniert werden. Der User muss dann nicht mehr zwischen den verschiedenen Social-Media-Kanälen hin und her switchen. Zudem werden auch die Statistiken sämtlicher Profis aus Liga 1 und 2 bei uns zu finden sein“, erzählt Hanke. Alles mit dem Ziel, die Spieler zu vernetzen und auf die Zeit nach ihrer aktiven Laufbahn vorzubereiten. 

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Immel als abschreckendes Beispiel

Dass dies nötig ist, zeigen genügend Einzelschicksale aus der Vergangenheit. Manche Ex-Profis mussten sogar ihre gesammelten Trikots oder andere Erinnerungsstücke verkaufen, um an Geld zu kommen. Ex-National-Torhüter Eike Immel meldete Privatinsolvenz an und zog 2008 ins Dschungelcamp, um Geld zu verdienen. Internationalen Studien zufolge haben nur zehn Prozent der Profis am Karriere-Ende ausgesorgt. Oder wie es George Best, Englands Superstar der 1960- und 1970er Jahre, formulierte: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“ Best verstarb 2005 im Alter von 59 Jahren an den Folgen von Alkoholismus.

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„Viele Profis sparen nicht. Den Lebensstandard, den diese Spieler während der Karriere haben, können sie danach nicht mehr halten. Darauf stellen sich viele nicht ein“, sagt Hanke, der selbst als gutes Gegenbeispiel herhalten kann. Der Ex-Schalker und -Gladbacher hat während seiner aktiven Zeit mit einigen Unternehmensbeteiligungen dafür gesorgt, dass er heute finanziell abgesichert ist. Zum Start des Projekts steht Kleidung und Lifestyle im Fokus, mittelfristig sollen für die Spieler Kontakte in die Wirtschaft geknüpft werden.

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“Wollen Reichweite schaffen“

„Wir wollen nicht einen auf Spielerberater machen“, sagt Hanke: „Wir wollen Reichweite schaffen. Wir wollen dem Profi helfen, ein Netzwerk aufzubauen, das ihm nach der aktiven Laufbahn hilft, Geld zu verdienen oder auch einen anderen Job zu finden.“ Laut Hanke handelt es sich um einen „komplett neuen Markt“: „Bislang werden nur die Topstars vermarktet. Es gibt aber auch in Braunschweig vielleicht ein mittelständisches Unternehmen, das mit einem Zweitliga-Profi der Eintracht werben will. Und dem es schwer fällt, mit diesem überhaupt in Kontakt zu treten. Wenn da der Kontakt hergestellt wird, ist das für beide Seiten von Vorteil. Da wollen wir hin.“

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Wichtig sei laut Hanke, dass die Spieler keinen großen Aufwand betreiben müssen, um ihre eigene Marke auf „Tivela“ aufzubauen. Dabei sei jeder Spieler vermarktbar: „Es gibt so viele unterschiedliche Typen und unterschiedliche Geschmäcker, dass wir sagen: Ja, jeder kann vermarktet werden.“ Die Technik, die „Tivela“ dabei nutzt, ist laut Info-Broschüre eine „revolutionäre C-Commerce-Strategie“. So ist es möglich, auf das Foto eines Spielers zu klicken und mit wenigen Schritten das T-Shirt zu kaufen, das er gerade trägt. Die Profis erhalten auch die Gelegenheit, mit verschiedenen Firmen Kampagnen zu starten, um so Geld zu verdienen und sich zu vernetzten.

„Tivela“ nutzt auch die Dienste des Berliner Unternehmens „Staramba“. Das Startup stellt 3D-Figuren her, sowohl virtuell als auch für 3D-Drucker. Die Spieler von mehreren Teams, darunter Bayern München und Borussia Dortmund, sind bereits eingescannt worden, die so entstandenen Avatare nutzt auch „Tivela“. Zum Portalstart am 18. August um 18.08 Uhr wird auch eine extra konzipierte Tivela-Smartwatch herauskommen, auf der sämtliche Informationen - wie beispielsweise ein Live-Ticker - abrufbar sind. Diese soll zwischen 50 und 100 Euro kosten.

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Jens Greinke

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