Viertligist im Halbfinale 

Tobias Jänicke über Saabrückens Pokalsensation: „Diese Aufmerksamkeit haben wir uns verdient“

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Jubel der Pokalhelden: Die Saarbrücker Spieler feiern mit den Fans. 

Kassel – Für Tobias Jänicke war kurz nach der Pokal-Sensation klar: „Im Finale hätte ich gern die Bayern.“

Der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler des 1. FC Saarbrücken hatte da schon einen Schritt weiter gedacht. Denn der 8:7-Erfolg nach Elfmeterschießen im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf hatte erst das Erreichen des Halbfinals gesichert. Bis Berlin, bis zu einem möglichen Finalduell gegen den FC Bayern, müsste noch ein Halbfinale gewonnen werden – der Gegner wird am Sonntag ausgelost.

Tobias Jänicke, 1. FC Saarbrücken

Aber klar, in Saarbrücken herrscht spätestens jetzt Ausnahmezustand. „Wir haben etwas Historisches geschafft“, sagte Jänicke gestern gegenüber unserer Zeitung. Recht hat er, gelang es doch erstmals einem Viertligisten, ins Halbfinale einzuziehen. „So langsam habe ich das auch verarbeitet. Man wird ständig damit konfrontiert, es ist sehr präsent. Und es ist geil. Diese Aufmerksamkeit – teilweise europaweit – haben wir uns verdient“, sagt der Vater von zwei Kindern.

Auch wegen diesen habe er nicht ganz so lange gefeiert, wie einige seiner Mitspieler. „Ich war gegen zwei, halb drei zuhause. Ich bin nicht mehr der Jüngste. Aber meine Frau hat heute Morgen auch die Kinder übernommen“, sagt er. Für Jänicke, Torhüter Daniel Batz und Trainer Lukas Kwasniok begann kurz nach Spielschluss ein Interview-Marathon. Batz, der Elfmeter-Held, hatte gesagt, dass sein Finger schmerze. Jänicke dazu: „Ich weiß nicht, ob er sich verletzt hat. Man hat es ihm nicht angemerkt. Aber das würde erklären, warum er die Bälle nicht festgehalten hat.“ Batz hat im Spiel und Elfmeterschießen insgesamt fünf Versuche pariert.

Dass es der Tabellenführer der Regionalliga Südwest bis dahin geschafft hatte, war Jänicke zu verdanken. Dem Spieler für wichtige Pokaltore. In der zweiten Runde gegen Köln traf er in der 90. Minute zum 3:2. Nun machte er das 1:0 (31.), Mathias Jörgensen glich in der 90. Minute aus. Jänicke hat keine Pokalsekunde verpasst. „Ich hätte mich natürlich mehr gefreut, wenn am Ende gestanden hätte: 1:0 gewonnen, Tor Jänicke. Aber so, wie es jetzt gekommen ist, ist es einfach unfassbar“, sagt er.

Jänicke spricht von magischen Nächten. Davon, dass andere Mannschaften Mut schöpfen sollten. Dass es im Pokal möglich ist. Das Geheimnis? „Der Unterschied ist natürlich groß. Wir haben diese Teams weggearbeitet – und hatten das Quäntchen Glück“, sagt der 30-Jährige. Dazu beigetragen habe die unfassbare Kulisse in Völklingen. Das Ludwigsparkstadion in Saarbrücken ist immer noch im Umbau, deswegen wird beim Nachbarn gespielt. Auch im Halbfinale? „Ich habe das nicht zu entscheiden. Aber meine Meinung ist: Dort hat alles angefangen, dort soll es auch weitergehen“, sagt Jänicke. Ein Umzug nach Mainz oder Frankfurt wäre für ihn eher ein Nachteil.

Die Fußballer aus dem Saarland werden in ihrer Heimatstadt mittlerweile als „Saarbrücker Zirkus“ betitelt. Die nächste Vorstellung findet im April statt. Und was war noch mit den Bayern? „Als Viertligist kann man die eigentlich nicht schlagen. Ich glaube, dass die Chance gegen die anderen Teams minimal größer wäre. Also hätte ich München lieber im Finale.“  

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